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Full text of "Das türkische Volksschauspiel, Orta Ojnu, gesammelt, mit Einleitung versehen"

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DAS TUEKISCHE 
VOLKSSCHAUSPIEL 

- ORTA OJNU - 



OE8AUUELT, MIT EINLEITUNG TERSEEBN, INS DEUTSCHE 
QBEBTBiOBN DND HIT ILIiUSTRATtONEN BEBAU80EGEBEN 



V- (IGKA.7> KÜNOS,^ .-AC 



LEIPZIG 
liUDOLF HAUPT 

1908 



DRUCK DES FRANKLIN- VEREIN. 






EINLEITUNG, 



Über die türkischen Volksschauspiele besitzen wir nur seit 
neuerer Zeit ausführlichere Angaben. Seit dem Beginn der Samm- 
lung von osmanischen volkstümlichen Erzeugnissen gelangten 
wir in den Besitz solch wertvoller Daten, nach welchen die 
systematische Bearbeitung der türkischen Volksschauspiele zu 
erhoffen ist. Unsere bisherigen Daten sind zum grössten Teil 
linguistischer Natur und beziehen sich hauptsächlich nur auf 
eine Art dieser Spiele, das Karagöz, 

Eine noch wenig bekannte Art des türkischen Volksschau- 
spieles ist die sogenannte Orta ojnu (Spiel der Mitte) oder Mej- 
dan ojnu (Spiel des Platzes). Diese Benennungen stammen wahr- 
scheinlich von jenem Umstände her, dass diese Spiele in der 
Mitte (orta) eines Platzes oder überhaupt auf einem freien Orte 
(mejdan) stattgefunden haben. Eine andere Benennung des 
Spieles ist Zuhüri kolu. Die Bedeutung des ersten Wortes hängt 
mit dem arabischen zuhür (Erscheinen, Auftreten) zusammen, 
obwol sich auch diese Ansicht behauptete, dass das Spiel von 
einem Zuhüri genannten Schauspieler seinen Namen erhielt. 
Das Wort kol bedeutet eine spielende Gruppe oder Truppe. 

Dem Eange nach können wir nach der Aussage eines 
Orta ojun^Vs aus Eski-Sehir (Kleinasien) zweierlei koVs unter- 
scheiden : 

1. Zuhüri kolu, die am Hofe des Sultans am Geburtstage 
des Herrschers, am Jahrestag seiner Thronbesteigung und im 
Ramazan zu spielen pflegt.*) 



*) Vgl. Zuhüri : orta ojnunda muzhik iaxd ißrä eden mukallid (Im 
Orto-spiele Komikerrolle spielender Nachahmer); zuhüH kolu: orta ojnu 
takimi, (Geräte zum Oria-spiele.) Sämi, Kämü8-i türki. 

1* 



2. Hall kohl ( Herbergen truppe), eine Schauspielertruppe 
zweiten Eanges, welche vor dem Publikum in den Schulen oder 
auf einem freien Platze spielt. 

Nach einer anderen Angabe, welche von Hamdi efendi, 
einem der berühmtesten der noch heute lebenden Orta ojun^Vs 
stammt, bezeichnete man die einzelnen Schauspielergruppen 
(kol) mit besonderen Namen. So gal) es Hän kolu, Mejdan kolu 
und Silpürge kolu. Die erste Benennung stammte angeblich daher, 
dass sämtliche Mitglieder der Schauspielergruppe zusammen in 
einem hän wohnten, um zu jeder Zeit zur Darstellung bereit zu 
sein. Über die Bedeutung liBtzter^n Wortes fand ich keinen Auf- 
schluss. Solche Benennungen sind ohnedies ganz willkürlich, 
und in der Begel werden zur Aufführung solcher Spiele, unter 
einem beliebigen Namen, sultanische irade^Q erteilt. Die Be- 
nennung Zuhür-i kol, welche hie und da vorkommt, ist gram- 
matisch unmöglich. Es scheint eine künstliche Erklärung zu 
sein und wird von einer neuentstandene Gesellschaft ge- 
braucht. 

Solche Volksspiele, welche nach der Tradition schon im 
zwölften Jahrhundert bekannt waren und am Hofe der seldschu- 
ker Sultane in Konia vorgetragen wurden, scheinen sich auch 
schon früh eingewurzelt zu haben. Die Zusammenstellung der 
hierauf bezüglichen Daten verdanken wir in erster Eeihe G, 
Jacob, der in seinem zusammenfassenden Werke*) auf jene 
Quellen hinweist, welche sich auf die türkischen Volksschauspiele 
im allgemeinen und mit den Or^aspielen im besonderen befassen. 
Genauere Daten über die älteste Erscheinung der Orta fehlen 
uns. Wie wir auch diesbezüglich nicht im klaren sind, in welche 
Zeit das erste Erscheinen dieser Spiele fällt und wo jener Ein- 
fluss zu suchen ist, welcher die heutige bekannte Form dieser 
Spiele lieferte. 

Wahrscheinlich gelangte dieses Spiel durch Wanderung zu 
den Türken. Sein Ursprung dürfte, wie bei allen Volksprodukten, 
in ferne Zeiten zurückreichen. Obwohl andererseits mehrere 
Zeichen darauf hinweisen, dass dieses Spiel in seiner heutigen 



*) G. Jacob: Die türkische Volkslitteratur, S. 37 ; ferner: Das Schatten- 
theater, in seiner Wanderung vom Morgenland znm Abendland. Berlin 1901, 



Gestalt verhältnismässig jüngeren Ursprungs ist, und dass nur 
einzelne Elemente desselben aus früherer Zeit stammen« Der 
Kern des Spieles ist die Taklid, Nachahmung, Beproduktion. 
Um dies^ legt sich die ganze, sonst schwache Handlung, welche 
nur ein Bah'men der Nachahmungskunst zu sein scheint. Und 
wo hätten diese Darsteller mehr Gelegenheit, solche Nachahmun- 
gen vorzuführen, als in diesem klassischen Lande der Volks- 
vermischung, wo es so viele Volksstämme gibt und wo jeder 
Stamm das Türkische anders ausspricht. Der darstellende Künst- 
ler, Mimus, war auch sonst eine beliebte und volkstümliche 
Gestalt des vortürkischen Byzanz.*^) Es ist also leicht begreiflich, 
dass seine künstlerische Tätigkeit auch mit Beginn der türki- 
schen Herrschaft nicht aufhörte, sondern sich allmälig weiter 
entwickelte und mit der Zeit ganz den türkischen Verhältnissen 
anpasste. 

Selbst das Karagözs^piel konnte ja auch nur im Laufe der 
Zeit seine heutige Form erhalten und dass ebenfalls der grie- 
chische Mimus es sein konnte, der auf diese Volksspiele orien- 
talischen Ursprunges umgestaltend wirkte. Das Kulturstreben des 
fernen Orients traf hier mit der in Byzanz herrschenden griechi- 
schen Kultur zusammen, und aus dem gegenseitigen Aufeinander- 
wirken derselben entstand eine solche volkstümliche literarische 
Erscheinung, die sich eher an die Ideenwelt der erobernden 
Türken anpasste. In der Periode der Umwandlung dürfte dieses 
volkstümliche Produkt sehr gemischt sein.'>^*) Auf diesen Umstand 
können wir aus mehreren Erscheinungen schliessen. 



*) Vgl. Jos. HoBOViTz: Spuren griechischer Mimen im Orient: «Im 
byzantinischen Beich ist der Mimus nie untergegangen, das ganze Mittel- 
alter hindurch ist er dort gespielt worden und auch die Eroberung Kon- 
stantinopels durch die Türken hat ihn nicht vertrieben, nur dass er sich 
der Sprache der $ieger anpassen musste». S. 17. 

**) Vgl. HoRoviTz: «Die Türken fanden in Eonstantinopel den alten 
griechischen Mimus noch lebendig vor, und die grosse Ähnlichkeit der 
Figuren des Karagöz mit denen des griechischen Mimus rührt auch da- 
her, dass hier der entartete Abkömmling, der selbst von seinen Ursprung 
nichts wusste, nun wieder die Darbietungen der byzantinischen Mimen 
aus nächster Nähe kennen lernen konnte». S. 30—31. 



6 

Anfangs gehörten die spielenden Personen auch nicht dem 
herrschenden Stamme an, sondern bestanden hauptsächlich ans 
Armeniern, Griechen und Juden. Schon der Umstand, dass jede 
dieser Nationalitäten die türkische Sprache mit anderem Akzent^ 
teils mit gemischtem Wortschatze und mit fremdartiger gramma- 
tischer Konstruktion sprach, befähigte sie, durch ihren verschie- 
denen Sprachgebrauch und ihre Stammeigenschaften die herr- 
schende Klasse zu unterhalten. Im Laufe der Zeiten drangen 
diese Spiele auch in das türkische Volksleben ein und nahmen 
unter dem Einfluss teils des an Nacbahmungselementen reichen 
Meddah, teils des diesem verwandten Karagöz ihre heutige Form 
an. Mit den /iCara^ö^r-Spielen stimmt die Orta ojnu auch darin 
überein, dass auch hier das Zwiegespräch (muhäverej zwischen 
Pesekjar und Kavuklu, die zwei Hauptfiguren der Ortaspiele, 
den Kern bildet. Während dieses komische Gespräch traditio- 
nellen Ursprunges zu sein scheint, hängt die Handlung des Spiels 
oft nur sehr locker mit diesen Dialogen zusammen. Anderer- 
seits dürften auch die ^ara^ö>-Spiele vielfach unter dem Einflüsse 
des Orla ojnu, hauptsächlich seitdem diese verboten wurden, 
ihre heutige Gestalt entwickelt haben. Daher stammt die Ähn- 
lichkeit namentlich der Hauptfiguren in beiden Theatergattungen 
und ihrer Vorwürfe. 

Diese beiden Hauptfiguren der Or^ospiele kommen übrigens 
auch in anderen türkischen Volksspielen vor. Diesmal möchte 
ich nur auf das allgemein verbreitete Hokkabäz- (Gaukler)spiel 
hinweisen, dessen Aufführer fast ausschliesslich Juden, ebenfalls 
aus zwei Personen beistehen. Einer von ihnen, der die schwarz- 
künstlerischen Teile der Spiele besorgt, erinnert völlig an Pesekjar 
sowol durch seine Eedensarten, als äussere Erscheinung. Vgl. 
hokkabäz pesekjari: hokkabäzle muhävere eleu ojunß (Der Pesekjar, 
von Hokkabäz: der Spieler, welcher sich mit dem Hokkabäz 
unterhält). Kämüs-i tilrki. Während der andere, der den Platz 
des Kavuklu innehat, erinnert an die Rolle des Letzteren. Auch 
diese beiden Gestalten beginnen das Spiel mit einer längeren 
muhäcere (Zwiegespräch), und ihr witziges Gespräch bildet eigent- 
ich den Bahmen zu ihren gauklerischen Produktionen. In der 
Hand des Pehkjar dieser Spiele befindet sich auch immer das 



sakSak*) (Prügelstock), mit welchem er zeitweilig auf den Schädel 
des kahlköpfigen und KavukluBhnliohen Gefährten loszieht. 

Übrigens haben wir viele Daten über die grosse Verbreitung 
und die allgemeine Beliebtheit derartiger Spiele. Sogar in den ersten 
Jahrhunderten der türkischen Herrschaft finden wir Aufzeich- 
nungen über zahlreiche Künstler, Tänzer, Musikanten und Nach- 
ahmertruppen (kol), welche mit Hunderten von Mitgliedern den 
verschiedenen Schichten der Bevölkerung künstlerische Vorträge 
hielten, und dort, wo die türkischen Quellen von einzelnen 
Aufzügen, Festlichkeiten der Sultane oder von Keisen vorneh- 
mer Würdenträger berichten, spielen unter den Anwesenden 
immer auch darstellende Künstler eine nicht unbedeutende Bolle, 
als ob sie notwendig zu diesen Festlichkeiten gehören würden. 
Derartige Truppen wurden mit der Zeit so allgemein, dass sie 
gelegentlich auch nach dem Auslande (Ungarn, Osterreich) zie- 
hende Boten auf ihrem Wege begleiteten, worüber wir zahlreiche 
Belege in ungarisch-türkischen Geschichtsquellen finden. Aus 
dem Beisewerke Evlija's, dessen Daten wir weiter unten ein- 
gehender besprechen, ist ersichtlich, dass solche Spieler, Nach- 
ahmer den Herrscher auf seinen Kriegszügen begleiteten. Einer 
dieser von dem Herrscher begünstigten Spieler war der berühmte 
Tokatli Dervis ömer-iGülseni, der Sulejman den Eroberer nach 
Szigetvdr begleitete (s. Evlija I. S. 633). Evlija, aus dem wir unsere 
diesbezüglichen Daten schöpfen, erwähnt noch mehrere, durch 
sultanliche Gunst ausgezeichnete Schauspieler. So ^Andelib Celebi, 
Jahja Celebi, Häfiz Portokai, Kara Olan und andere. Ebenso be- 
durfte der Herrscher anderer urwüchsiger Gestalten, die ihm die 
Zeit, welche ihm die bedrückenden Staatssorgen übrig Hessen, ange- 
nehm vertreiben halfen. Er ergötzte sich in den Produktionen von 
Pehlivanen, Seiltänzern etc. (siehe EvlUa, I. 625), die auch im 
Feldzuge seine unumgänglich notwendige Begleiter waren. Die 
Geschichte der Moldau und Wallachei, wo sich der türkische Ein- 
fluss am stärksten fühlbar machte, liefert uns zahlreiche Beweise 



*) Vergl. HoEoviTz: «Bei dem indischen Miuius ist eine wichtige 
Person der Narr mit dem Prügelholz, der pfiffige Vidüsaka, der dem jjlwxo« 
entspricht, mit seinem Kahlkopf und seinem dicken Bauch diesem jujao? 
YEAOtwv gleichsieht und sich mit seinem Gegner, dem dummen, einfältigen 
jj.ü)p($?, in wüsten Schimpfereien misst». S. 13. 



8 

für die Verbreitung und Beliebtheit dieser Spiele. In den ge- 
nannten Ländern war es Sitte, in den Häusern der Vornehmen 
(Vojvoden) gelegentlich aussergewöhnlicher Festlichkeiten solche 
Schauspiele aufzuführen, teils rumänisch, teils auch türkisch, 
welche dem Karagöz und Orta ojnu nachgebildet waren. Die 
zwei Hauptfiguren dieser Spiele, nämlich Karagöz (rumänisch 
caraghioz und caraghiozUc), dann Pesekjar (rum, pi§icher und 
pi^icherlic) drangen auch in den Wort- und Begriffschatz des 
rumänischen. Das rumänische pi§icher bedeutet: raßnat, §iret, 
und pi§icherlic : tn§eläciune, §iretlic, ^) 

Von den neueren Daten bezüglich des Orfaspieles sind die 
Aufzeichnungen Thalasso's in gewissem Masse interessant, der 
in seinem Artikel ,Le theatre turc contemporain^^ kurz die volks- 
tümliche und literarische türkische Bühne darstellt. Er sah in 1889 
solche Spiele in Konstantinopel, ^) und beschreibt sowol die Bühne, 
als den Vorgang einzelner Ortaspiele. Er weist darauf hin, dass 
das alte italienische Lustspiel (Commedia delV arte) auf das 
Ortaspiel einen Einfluss ausgeübt zu haben scheint. Die langen 
Beziehungen der Türken mit Venedig und Genua konnten diesen 
Einfluss nur vermitteln. Im Bewusstsein der Türken lebt noch 
heutzutage die Dscheneviz (genuese)kultur, welcher Umstand für 
die oben erwähnte Behauptung als Beleg dienen dürfte. Die Kon- 
junktur in Thalasso's Artikel, dass die vier Personen der Com- 
media delV arte, und zwar: Arlequin, Colombine und Scaramouchey 
Pantahn den vier Hauptgestalten des Orfaspieles : Kavuklu, Pe* 
sekjar und Sevgili, Zenne in diesem Masse entsprechen, dass 
die Handlungen der einzelnen Personen dieselben entsprechenden 
im Italienischen haben, ist erwähnenswert. 

Eine eingehendere Behandlung dieser Frage, die wir uns 
ohnedies nicht zum Ziele wählten, würde uns weit entfernen 
von unserem Gegenstande. Soviel müssen wir aber anerkennen, 
dass nach dem byzanzer Einfluss hauptsächlich die italienische 



\) Lazab Saineanu: Inflnenjia orientala asupra limbei fi culture 
romäne. Band I. CLXVII- CLXXl. Bucuresci 1900. 

*) Revue encyclopedique Larousse, 9-e Annee No. 327. 

3) «Au mois de juin 1899, k Toccasion des fötes de la circoncision 
du fils du Sultan, S. A. le prince Abdul-Rahim-efendi, des repr^sentations 
d'Orta Oyounou ont eu lieu dans tous les höpitaux de la capitalei. 



9 

oder genuesische dasOr^aspiel der modernen Bühne näher brachte. 
Und während der byzanzer Mimus hauptsächlich die Abarten 
des taklid entwickelte, übte die italienische Commedia auf den 
Verlauf der Handlung fühlbaren Einfluss. Neben dem taklid ge- 
wann die Zenne (die Frau) und der Bej allmählich Kolle, und 
wie PeSekjar und Kavuklu der Mittelpunkt witzigen Gespräches 
ward, so bildete sich um die Gestalten der Zenne und des Befs 
eine Handlung, deren Helden und Mittelpunkte sie wurden. Die 
Handlung, welche sich an die Verliebten knüpft, erinnert viel- 
fach an die naive Erzählung der Commedia; sie liessen dabei 
auch auf die Technik der Bühne ihren Einfluss fühlen. Die hin- 
und hergehenden Schauspieler des Ortaspieles, die ihren Platz 
immer und kreisförmig ändernden Vorträger, sogar die Form 
des Spielraumes und, dessen Einrichtung scheinen eher west- 
lichen Ursprunges zu sein, als aus der auf einem Flecke ste- 
henden Welt des taklid zu stammen. Als wäre es keine einfache 
Zufälligkeit, dass das türkische orta dem italienischen Commedia 
deir arte auch in der Benennung ähnlich ist. 

Wie jene Nachahmungskunst im XVII. Jahrhundert blühte 
und welche EoUe sie im türkischen Leben spielte, zeigt uns am 
besten Evlija, der in seinem Eeisebuche (Stambuler Ausgabe I. 
S. 645 ff.) die Truppen, welche seiner Zeit berühmt waren, auf- 
zählt.*) EvLUA (Mehemed Zilli) wurde im XVII. Jahrhundert 
in Eonstantinopel geboren. Er unternahm in Staatsdiensten 
grössere Beisen in beiden Hälften des osmanischen Eeiches 
und besuchte mit verschiedenen Gesandschaften Oesterreich, Un- 
garn, Deutschland, Holland, Schweden, Eussland etc. Seine Er- 
lebnisse schrieb er in zehn mächtigen Bänden nieder, welche 



*) Wie mir der Herausgeber des Werkes Ahmed Dschevdet per- 
sönlich mitteilte, ist der Abdruck der im Verlage des Ikdam erschienenen 
sechs Bände nicht genau nach der Handschrift bestellt worden, sondern 
man nahm einige zwar unwesentliche Änderungen besser Modernisierungen 
vor. Dieser Umstand bewegte mich dazu, dass ich während meines jüngsten 
Konstantinopeler Aufenthaltes (April 1907) den, dieser Spiele bezüglichen 
Teil mit einer in der Bibliothek Besir Ayas (neben dem BaV-äli) be- 
findlichen Handschrift verglich und die Unterschiede und Lücken in 
FuBsnoten hinzufügte. Bei dieser Arbeit waren mir die Herren Dschevdet 
und BÄsim auf die liebenswürdigste Weise behilflich. 



10 

sich in der Bibliothek des Pertev Pascha in Üaküdar befinden."^) 
Im ersten Band, welcher Eonstantinopel, die fabelhaften Gründer 
der Stadt und die Angriffe auf dieselbe seitens der Türken 
behandelt, enthält auch eine Aufzählung der Zünfte und Ge- 
werbtreibenden, die unter der Kegierung Mubad IV. lebten. 
Dieser Teil des Werkes ist nicht die Originalarbeit Evlija's. Der- 
selbe soll im grossen und ganzen in jener Volkszählung enthalten 
sein, welche Mürad IV. zur Zeit der Eroberung Bagdad's der 
Paradiesstadt verfertigen liess. Die Änderungen, welche Evlija 
vorgenommen hatte, beziehen sich fast ausschliesslich auf stili- 
stische Umgestaltungen des Originals. Er musste die Eigenheiten 
seiner Schreibart mit denjenigen der staatlichen Volkszähler ver- 
mischen. Dieselben beschränken sich blos auf Einzelheiten. So 
liebt er die Wiederholung der persischen reimenden Wörter, 
fehlerhafte Zusammensetzungen eines auf -gi ausgehenden Wortes 
mit dem persischen Pluralsuffix -an etc. Seine Schreibart, wenn 
wir dieselbe aus dem Gesichtspunkte der Sprachreinheit be- 
trachten., entspricht den Forderungen des strengsten Puristen. 
Nirgends gezwungene Satzbindung, angehäufte Wörter. Gemein- 
verständlichkeit scheint hier allein den Verfasser geleitet zu 
haben. Diejenigen Wörter zusammenstellen, welchen bei Evlija 
eine besondere Bedeutung innewohnt, wäre die Aufgabe des 
Herausgebers des gesammten Werkes, Wir möchten nur auf ein- 
zwei sprachliche Sonderbedeutungen aufmerksam machen, die 
in den von uns behandelten Stellen des Werkes vorkommen. 



*) Ausser diesem vom Herausgeber einzig berücksichtigten Manu- 
Script sind meines Wissens nach noch in der Bibliothek Besir Agas, 
und eines Privaten Halts bej zwei Bände vorhanden. Die Royal Asiatic 
Society besitzt auch eine vollständige Handschrift. Die ersten zwei Bände 
dieser Handschrift konnte ich infolge der überaus verbindlichen Gefällig- 
keit des Herrn E. G. Browne hier in Budapest benützen. Ich kollatio- 
nierte die, auf die Schauspieler bezüglichen Teile und fand, dass das Lon- 
doner Manuskript nur in sprachlicher und formaler Hinsicht von der für 
die Drucklegung verwendeten Handschrift verschieden ist. Erstere weist 
eine ältere und vom heutigen Gebrauch etwas entferntere Sprache auf. 
Die Namen der einzelnen, hervorragenden Spieler fehlen aus dieser Tex- 
tierung und statt ihrer finden wir die Wörter andan (ausser dem) oder 
biri da/i (ein anderer) etc. Die kleine und geringfügige Verschiedenheit 
der beiden lässt uns auf die Gleichzeitlichkeit ihrer Entstehung schliessen. 



11 

So z. B. nennt Evlija .taklid* (Nachahmung) sowohl das Karagöz^ 
als das Orf aspiel. Die einzelnen Truppen der Spieler werden 
kol, ihre Anführer serkjär, serceime, piiekjar genannt. Das Wort 
iehir-oj'lan, welches wir mit ,Städtesöhne* übersetzt haben, 
schliesst die Bedeutung junger Tänzer, Sänger und Nachahmer 
in sich. Diesen Ausdruck übersetzt Browne mit city lad, nach 
Massgabe des Lektors Halil Hälid efendi.*) Die Eünstlertruppen» 
deren Zahl bei Evlija dreizehn ausmacht, waren so berühmt, 
dass sogar der Padischah auf sie aufmerksam wurde. Ihrer hohen 
kulturhistorischen Wichtigkeit wegen lasse ich den Abschnitt in 
deutscher Übersetzung folgen. 

[S. 645] Zwnft der Gaukler oder Possenreisser (Esnaf-i 
säbede bäzän jäni muzhikän). In Stambul ist es Mode, dass zu 
einer Hochzeit des Padischah's, zur Erinnerungsfeier der Erobe- 
rung oder zur Feier einer Auszeichnung von den Vornehmen 
und Adeligen, oder zur Beschneidungsfeier Deklamatoren, Mu- 
siker, Tänzer, Artisten (yänendeler, miitribler, rakkaslar, pUekjä- 
rän), Halbtrommelschläger, Komödianten, Mimen, Possenreisser 
(dajre-zenän, muzhik ve mukallidlar, kasmerler), von siebzig 
Tassen und dem Himmelsreif durchwanderte Städtebewohner 
(jetmii tasdan, felejin cenberinden gecmis 8ehir-o^lanlari)^^)[S,6A:6] 
sich versammeln und zu dieser Gelegenheit einen Tag, eine Nacht, 
zwei Tage, fünf Tage spielen und für jede Nacht vom Haus- 
herrn einen Beutel Geld (bir kese guruS) erhalten. Es giebt 
unter den Freunden des Vergnügens, die sich an der Feier be- 
teiligen, auch solch vollkommene Meister, die an manchen Hoch- 



*) GiBB : A History oi Ottoman Poetry. II. S. 227. 
^^) Der Sinn dieses echt türkischen Ausdruckes, deren ähnlichen 
sich Evlija GELy^i gerne gebraucht, ist etwa: Männer, welche die ganze 
Welt bereisten, oder verschlagene Kerle. — Die Zahl siebenzig steht in der 
Bedeutung: äusserst viel. Siehe weiter: siebenzig Netze zerrissen etc. Die 
Zah] stammt eher aus arabischen als aus türkischen Quellen. Vergl. 
Hadji Chan : With the Pilgrims to Mecca S. 51 : «It is interesting to note 
that the number of all the traditional rewards of virtue, as well as that 
of such of tue heavenly hosts as lend their assistance in cases of distress, 
is always a muUiple of seven». — Nach Samy bedeutet ^jXjjjJ^ dLCIi 



6tre experiment^ dans les affaires. — Der Ausdruck jetmii tasdan 
gedmU bedeutet Jemanden, der sich wegen seiner zahlreichen Sünden mit 
vielen Tassen (Waschbecken) reuevoll wäscht. 



12 

Zeiten bis zur Früh mit der Halbtrommel tausend guruS ab- 
sammeln. Es sind deren ungefähr dreihundert, ihre Zünfte 
nennen sie Truppe (kol). Es ist ein bemerkenswertes Volk. 
Wollten wir sie, so wie wir dieselben gesehen hatten, beschrei- 
ben, würde ein riesengrosses Buch mit dem Titel ,Lobschrift 
der Komödianten^ (sitojis-näme-i mutrihän) entstehen. Diese 
Zünfte (esnaf) bestehen aus zwölf kol. 

1. Ringer ParpoVs^) Truppe (sercesmeleri pehlivan Parpol 
kolu). — Dreihundert Mitglieder. Die meisten wohnen im Be- 
zirk BalatSah!^) und sind grösstenteils uneheliche b\jJ« Zigeuner- 
kinder. Wortgewandte, verbummelte ^Lj:^ Jus Possenreisser. 

2. Ahmeds Truppe (Ahmed kolu). — Dreihundert Mitglieder. 
Auch diese wohnen in Balat. Spässige Hanswurste, aber sonnen- 
gleiche Tänzer. Mazlum sah, Ajvaz sah mit den Ohrringen, der 
langhaarige Ramazan sah, der kleine Sahin sah, Memis sah, sein 
Bruder Bajram sah waren Falkenknechte (sehhaz gulamlarindan) . 
Ihre Direktoren (pesekjarlari) der grosszähnige Hasan,^) der 
kurzleibige Ha^i, ihre ca^awa-Spieler*) und der Truppenführer 
Ahmed waren Meister in der Akrobatenkunst des Jahrhunderts. 

3. Städtesohn Kapadschy-ÖYlu Osman*s Zvg, — Vierhundert 
Mann. Unter diesen befinden sich keine Zigeuner. Ein Trupp 
Landstreicher (rind-i phän), ein zweiter Amir-Ajar,^) Gauner 
und Betrüger von den Städtebewohnern. Ein jeder von ihnen 
steht einzig und allein als Vorträger, Sänger, Nachahmer da, 
so dass die Früheren neben diesen stumm und zungenlos werden. 

4. ServVs Zug. — Dreihundert Mitglieder. Unter diesen 
giebt es Griechen, jüdische, armenische ungesetzliche Kinder, 
deren jeder ein siebzig Netze zerrissener (mit allen Salben ge- 
schmierter) Weltskerl ist. 

^) Nach der Handschrift der Bibliothek BeHr aya in Stambul BarjoL 

^) Älterer Name des Stadtviertels Balat. 

3) Der Ausdruck dislen kommt in dem heutigen Sprachgebrauche 
nicht vor, obwohl mundartlich, wie mir Negib Asini mitteilt, diilek in 
derselben Bedeutung bekannt ist. 

*) Das Wort cayana ist gleichbedeutend mit Öalgl (Musik). 

5) Eine Anspielung auf die berühmte Gestalt des arabischen Amir- 
ajars oder des listigen Aniirs. Es ist noch heutzutag der Ausdruck Amir 
ajarln dayarßlyl im Volksgebrauch in der Bedeutung eines Sackes, in 
welchem sich alles findet, bekannt. Vgl. klrk hamhar. 



13 

5. Baba NazWs^) Zug, — Zweihundert Mitglieder. Besteht 
aus Zigeunern und Städtebewohnern. Baba Nazli ist im Scbiffer- 
spiel (Kestibän ojnu) der Weltsteufel. Sein Sohn in der Nach- 
ahmung Arnaut Kasim's ein geschwätziger Farodist. Von den 
Tänzern sind Cakir sah, Seher sah, Süklün sah bis zum 
Padischah hinauf bekannt. Ein jeder hüllt sich in Tüll und 
Seidenstoffe, und so treten sie auf den Liebesplatz (mejdan-i 
muhabbet), wo sie mit Tanzklappern (carpare) nach persischer 
Art tanzen und herumgehen [S. 647]. Die Zuschauer werden 
vor Staunen halb ohnmächtig. Das Freudenhaus wird durch die 
aus jeder Ecke wiederhallenden Huvämte voll Entzücken. 

6. Zümrüd's Zug. — Dreihundert Mitglieder. Aus dem 
Zusammenfluss der Griechen, Armenier und Gassenjungen der 
Stadtviertel Beliz,^) Jedi-kule, Nazli-kapu, Sulu-monastir, Von 
ihren Tänzern versetzten die Mastikkauer, schönhaarige, gefärbte 
gazellenäugige Schenkejungen (Dimitraki, Neferaki, Janaki^) bei 
Namen) die Stadt Stambul in Staunen, unterdess sie das Hab 
und Gut Vieler verzehrten, dass sie auf trockene Strohmatten 
gesetzt wurden. Diese verstehen auch in den sich auf die Griechen 
beziehenden Spielen des Simit-B&ckers, Steuereinhebers, Silber- 
suchers (simitdi, hara^ß, juva^i, gömüs arajiji) und in der grie- 
chischen Lesekunst der Vierzeilen.*) 

7. TschelebVs Zug. — Zweihundert Mitglieder. Der An- 
führer dieser, Tschelebh verliebte sich in ein Mädchen und ver- 
prasste das ganze Vermögen, welches ihm von seinem Vater 
geblieben ist; sammelte sich in jeder Kunst tüchtige Komödianten 
und Musiker und brachte eine Kompanie zu Stande. Die schön- 
sten seiner zehn Tänzer waren: Dsch2n'Memi sah, Zolim sah, 
Haram sah, Fitne sah, Joussouf sah. Es war unter jenen 



*) Volkstümliche Namen: z. B. Baba Sükrü, Baba Rühi etc. 

^) Der Name dieses Stadtviertels kam irrtümlich in die Aufzählung, 
da es in Gonstantinopel ein solches Viertel unbekannt ist, und auch aus 
den Originalhandschrift fehlt. 

^) In der Handschrift statt Neferaki ist luefterahi und als vierter 
Mihaldki erwähnt. 

^) Der Ausdruck juva^i ist aus dem heutigen Sprachgebrauch nicht 
erklärbar. Unter Silbersucher (gömiiS arajl^l) versteht man diejenigen, 
welche bei einer Feuerbrunst das zu Grund gegangene Metall und der- 
gleichen suchen. 



14 

auch ein TscherkeBse mit dem Namen Mirza sah. Diese er- 
warben sich in Stambul Buhm, spielten auch vor Murad khcm 
und gewannen den Preis seiner Huld. 

8. Akide's Truppe. — Ihr Oberhaupt der Binger Ejub war 
ein Dichter, Schriftsteller, Philosoph, Spassvogel, Sänger und 
Beisender. Als er wahrnahm, wie diese Beschäftigung das Wohl- 
wollen der Bevölkerung Istambuls gewann, rottete er auf die 
Kosten von dreitausend Bials^) eine Gesellschaft zusammen. Durch 
«eine Güte und feines Umgehen brachte er eine Gesellschaft zu 
Stande, welche alle gelehrte Männer in sich fasste. So besass er 
weisprechende Gelehrte, Tausendkünstler, Komiker, Possenreisser 
und seelenerhebende Musiker. Besonders Süklün sah, Mahmud 
sah*) Tscherkes iah, der feine Jusuf sah, die in Atlas und 
Tüll, in goldgestickten Tänzerkleidern auf den Liebesplatz traten 
und dort gleich dem Pfau des /rem- Gartens^) wandelten und 
hüpften, aber so, dass man erstaunt und stumm bleibt. Ein 
jeder |S. 648J trägt sein Haar geschnörkelt in Locken mit 
Moschus- Amber beschmiert und zerfallen. Der Verliebte, der sie 
in dieser Gestalt sieht, verliert seinen Verstand. Sie trugen ein 
georgisches Gärtnerspiel vor, welches der Besichtigung würdig ist 

y. Dschevähir^s Truppe. — Zweihundert Mitglieder. Diese 
werden, da sie aus, in Galata wohnhaften griechischen und ar- 
menischen Juwelieren, Goldarbeitern bestehen, Dschewähir (Ju- 
welen)-Truppe genannt. Ihre Mitglieder sind griechische und ar- 
menische Kerle. Ihr Anführer wird Pehlivan Laskara genannt. 
Derselbe ist ein frischer, herzerfreuender Goldarbeiter. Im Musik- 
spiel und in jeder Art Gauklerkunst ist er überaus vorgeschritten. 
Sein Bruder, ein Armenier aus Üsküb,^) ist ein grosser Schau- 
spieler. Sein Sohn Wasil macht das Zigeunerspiel. Ihre Schenk- 
burschen sind selten. Ärslan sah ist ein herzloser Kerl, ein 
Herzbedrücker. Diejenigen, die ihr Netz auf ihn auswerfen wollen 
und ihre Löwenblicke auf ihn richten, jagt er mit Löwenmut.^) 



1) Ein Rial = 4 M. 20 pf. = 5 K. 

*) Nach diesen kommt in der Manuscript noch Ediimeli Hamdi vor. 
3) Näheres über den 7r^z-Garten vgl. Türk. Bibl. VI. S. 
*) In der Handschrift ist nach Üsküblü noch: et-meni taklidinde 
Vadl oylu, fingerte taklidinde zu finden. 

^) Dies ist eine Anspielung an die Ausübung der Päderastie. Fast 



15 






Es sind höfliche, liebe, schönauftretende, wolgestaltete, gepuderte, 
anrcisäugige Burschen. Es sind Kerle im Werte eines griechischen 
Haradsches. Es wurde von ihnen das folgende gesagt: 



IT ,Um die Liebe des Magzode^ opferte ich meinen Kopf, 

J Es ist unmöglich! Er wollte mich als Sklaven*. 

\0. Paiak-Oylu's Truppe.*) — Dreihundert Mitglieder. Alle 
sind Juden. Aber welch Höllenpack. In der Tat sind sie, ver- 
glichen mit den übrigen Kompagnien, Meister, besonders sind 
ihre Musiker berühmt; ihre Tänzer sind auch nicht wenig. Schade, 
dass sie nicht schön sind. 

11. Khaschvne'g Truppe» — Auch diese sind alle Juden. 
Von den vorzüglichen Tänzern dieser Gruppe waren Samurkasch, 
Däschenko und Sinjor Sako sehr schöne Männer, die viele Seelen 
Israelis in Gefangenschaft führten. 

12. Samurkasch's Truppe. — Zweihundert Personen. Alle 
sind Juden. Sie üben Gauklerei (hokkahüzllk), Flaschenspiel 
(8urähibäzlyk),KxMg^^\e\ (kilzehäzllk) ^ Glas-, Feuer-, Schattenspiel 
(kadeh, aUs, seb), Purzelbaum (perende), Siegelspiel (mühür), 
Tassenspiel (sini), ?ia/i;/^-Kugel werfen**) und erwarben in diesen 
Meisterschaften grossen Euhm; sie treiben auch feilen Witz. 
Eine Nacht begnügen sie sich mit hundert gurusch. Da sie mit 
den Zigeunern auf schlechtem Fusse stehen, spotten sie ein- 
ander so niederträchtig, dass es wert der Besichtigung ist [S. 649]. 
Diese Juden aber besitzen ein Spiel, dessen Inhalt ihr Sieg über 
die Zigeuner ist, und wer diesem beiwohnt, dessen Verstand geht 
vom Lachen verloren. Die Zigeuner sind durch das Bärentanzen 



alle diese hier angeführten Spieler und Komödianten übten die Männer- 
Liebe. Wo der Autor solche Ausdrücke, wie — der Geliebte — anwendet, 
verrät er, dass er auch zu den Liebhabern dieser in der islamischen 
Welt überaus verbreiteten Art der Liebe gehörte. Die Päderastie^hat ihre 
eigenen bildlichen Ausdrücke bei Evlija. Z. B. guläm Bursche, dost 
Freund, mit dem Päderastie ausübbar ist. Mugpece (p.) schöner, junger 
Schenke, zu den genannten Zwecken verwendbar, mahhub, pu§t, mejdan-i 
muhabbet Liebesplatz. 

*) Im Manuscript steht statt Patak das Wort Tabak, 
**) unter diesem Ausdruck versteht man das Spiel, welches im 
Schmücken der Bäume (Palmen) besteht. 



16 

berühmt. Die Juden sagen ihnen während des Spiels allerhand 
Worte. Es ist ein interessantes Bild, wie ein Zigeuner seine Frau 
und einen Juden ergreift, beide durch Folter zur Eingeständnis 
ihrer Sünde zwingt. Er zieht auf's Haupt der Frau beschmutzte 
Ealdaunen und setzt sie verkehrt auf einen Esel. In ihrem Um- 
gang entsteht so ein Lärm und Gepolter, dass der Mensch vom 
Lachen zerplatzt. 

Nicht allein unter der Regierung des Osmanischen Hau-» 
ses, sondern vielleicht seit dem Herabsteigen des Menschen"^^) 
irgendwo herrschenden Könige Zeit gab es nicht solche Sänger 
und Musiker. Diese Vorherrschung, dieser Buhm ist Eigentum 
MuRAD Khans IV. 

Zunft der feinsprechenden Nachahmer, — Fünfhundert Per- 
sonen. Diese Gruppe ist sehr alt. Nach der Tötung AbeVs durch 
Kain zerspaltete sich die Menschheit in zwei Teile, ein Teil 
waren die Parteigenossen des Mörders Kain, der andere die des 
AbeVs. Da dieselben durch Blut geteilt waren, spottete ein jeder 
von ihnen die Habsucht und Niederträchtigkeit des anderen, 
und ahmten ihre Bewegungen und Art nach. Von ihnen spot- 
tete einmal ein Mann mit dem Namen Hemäm, in Gegenwart 
des Pharao's Moses, wegen seiner stotternden Zunge und machte 
die Umgebung des Pharao'^ lachen. Moses aber erzürnte (ent- 
zündete zum Zorne). Nach einigen Tagen sprach Moses, als er 
vor Gott am Berg Sinai sprach, folgendermassen : ,Mein Gott, 
Hemäm spottete meiner in der Versammlung des Pharao'^ und 
kränkte mich sehr. Vernichte ihn*. Darauf Gott: — sei er ge- 
benedeiet und hoch — Mein Vertrauter! Das Vergehen desje- 
nigen, der den Pharao nicht beachtend und dich ja spottet, ist 
meines Gefallens würdig. Da er dich nachahmte, ist sein Vor- 
gehen richtig, ich lasse ihn des Paradieses teilhaftig werden*. 
Es wurde in vielen Büchern beschrieben. Da die Nachahmung 
sehr alt ist, sprachen die alten Gelehrten in ihren Fetwas^^) 
die Sentenz aus, dass die Nachahmung [S. 650] gerecht ist. 
Da aber das Ziel der Nachahmung, die Taten und Lebensgang 



*) Seit Entstehung der Welt (hubüt-i-adarnj, 

**) Fetwa ein durch ein Mufti nach Massgabe des Religionsrechtes 
gegebener Bescheid. 



17 

der Menschheit, die Lage und Vorgehen des Volkes des Sunnet 
und Dschema'a ist, ist es nicht erlaubt, sich auf dieses Wort 
berufend, die Lage und Vorgehen der Ungläubigen und Ver- 
brecher vorzutragen. Es ist Enthaltung erforderlich. Diesbezüg- 
lich befahl er :*) ,Wer ein Volk nachahmt, gehört zu demselben'. 
Die Kunst der Nachahmung und des Spottspiels verbreitete sich 
später im Stamme Kureisch. Emri-Hkls war ein Satyriker, er starb 
glaubenlos. Muhammed El-Busrä war ebenfalls Satyriker und 
von Geburt aus blind. Ebu-DschühL Ebu Leheh-B,riige vornehme 
Kuraischiten bildeten seinen Freundeskreis. Eines Tages berief 
man den Propheten in eine Versammlung. Ebnl-Busrä wurde er- 
muntert, dass: , Spotte der Waisen Muhammed's, dass Muham- 
med gekränkt werde*. Da es Gewohnheit des Propheten war, 
jeder Einladung Folge zu leisten, kam er in die Versammlung 
und setzte sich mit den Worten: ,E8 sei Friede über uns* in 
eine Ecke nieder. Während des Gespräches sagten die Vorneh- 
men der Kureisch: ,Busrä möge etwas singen'. Busrä begann 
nach dem a'üz und bismillah**) eine Kaside zu deklamieren, in 
welcher er den Propheten so lobte und pries, dass diese Kaside 
nicht einmal heutzutage ein Seitenstück hat. Ein tiefes Ge- 
dicht unnach ahmbarer Leichtigkeit. Der in der Rede stehende 
Götzenanbeter und Zeuge befand sich unwol und sprach auf 
einen scharfen Ton zu Busrä: ,Was hatten wir dir gesagt? 
Was hast du getan ?* Worauf Busra: ,Bei Gott, du sagtest, ich 
möge Muhammed verspotten, aber vor dem Rechte (Gott) erhob 
sich in mir eine göttliche Begeisterung und ich stimmte zum 
Lobe an*. 

Nachdem Evlija Tschelebi auf den drei folgenden Seiten , 
die Nachahmungskunst Äm/'s, des Zeitgenossen des Propheten, 
und des Kör- Hasan legendenhaft erzählt, setzt er seinen Bericht 
mit der Aufzeichnung der Erzählungen über Entstehen und Art 
des /Cartf .gö^spieles und der Figur Hadschejvat fort, welche wir 
der Vollständigkeit und seines kulturellen Interesses wegen hier 
folgen lassen. 



*) Muhammed. 
**) A^üz 113. u. 114. Sure und bismülah wird vor dem Lesen jeder 
Sure und jeder heiligen Beschäftigung gesprochen. 

D<18 türkisch ; Volksschauspiel. 2 



18 

HcLsan-zätle, der ebenfalls in der Zeit Murad's lebte, war 
ein witzreicher, wissenschaftlicher Mensch [S. 654]. Er sprach per- 
sisch, arabisch, verstand Musik, so dass er der zweite Faräbi der 
Wissenschaft der Jahrhunderte war. Schattenspieler, geschickt in 
der persischen Schreibekunst und Musikkomposition. Er war Held 
vieler Abenteuer, elegant (levend), Kugelspieler (fisek-bäz), ein 
Dscheinschid ähnlicher Tausendkünstler. KhatemTaji waäDschäfer-i 
her M«/ri-artiger Jüngling. Nach Schejk Schazeli ist er der erste, 
der im Schattenspiel sich Buhm erwarb. Er erfand die Art des 
Schatteiaspieles, hinter derselben noch einen kleinen Vorhang 
benützt. Da er die Frauen ausserordentlich verehrte, machte er 
die Nachahmung Nigjars (Nigjar taklidi), HaiviaB (Hawia tak- 
lidi), des Stummen (dilsiz taklidi), des arabischen Bettlers und 
des Albanesen (dilenji arab ve arnaut laklidi), Bekri Mustafa 
und des blinden arabischen Bettlers (Bekri Mustafa ile dilen^i 
kör arab taklidi), des Erbers, Duranis, der drei Räuber (Miras- 
jedi celebi, Durani öelebiler, Üc eskijä öelebiler). Hawa, Tochter 
des Nigjar ging ins Bad, Ghäzi BoSnak überfiel sie, band sie 
mit Karagöz nackt zusammen und ihre Errettung bildet den In- 
halt des Spieles. Dann das Spiel Haji Äjvad, Serbetci-Zäde. 
Übrigens giebt es im Schattenspiel dreihundert Spiele, deren 
Seitenstück man nicht hervorbringen kann. Der Zuhörer, dem 
es einmal gefiel, muss sich bekehren, denn in allen Spielen 
finden sich überzeugende Worte, die Ergebnisse (Ausfluss) des 
tesawufs (Pantheismus) sind. Der Mensch könnte sich dennoch 
dem Lachen nicht enthalten. Karagöz und Haß Ejvad, dessen 
Name Brussaer Ha,^i Avaz ist, war in Zeiten der Seldschuken 
ein Irrstern des Propheten, mit dem Namen Jürekde Halil, da 
er zweiundsiebzig Jahre lang von Mekka nach Brussa ging und 
kam. Seine Ahnen waren mit dem Namen Efeli-oyullari be- 
kannt. Diese Familie ist durch ihre Jagdhunde berühmt, und 
noch heutzutage findet sich an der Zunge des Volkes das Sprich- 
wort: Was schmunzelst du wie der Jagdhund des Efelioylu 
(Efeli-oylu zayari gibi ne jelersin). Als dieser Efeli-oflu einst 
von Mekka nach Brussa kam [S. 655], töteten den Jürekce 
Halil Ha^i Ejvad die arabischen Räuber und begruben ihn auf 
der Wiese Bedr. 

Der Hund Efeli-oylu'^ blieb bei den Arabern, die später 



19 

nach Syrien kamen. Als sie im Bazar umhergingen, fing der 
Hund an wie wütend dieselben anzugreifen und rieb sein Ge- 
sicht zu den Füssen anderer Leute und gab seine Lage auf 
diese Weise vor. Dann sprang er wieder auf die Araber und 
griff dieselben an. Als das Volk dies sah, erfuhren sie, dass es 
der HvLTuSji^Efeli'O'jrlu'ß ist. ,Da mufis etwas geschehen sein. Ver- 
haftet diese Araber*. Die Araber wurden zum Bichter geführt. 
Die Zimmer ihres Wohnortes wurden durchforscht, und dort 
fand man den Kopfschmuck (aftabe), die Schleuder (sapan), 
die Keule (teher), Schuhe, die Quasten und die blutigen Kleider 
des Efdi-oyluy aussetdehn aHe ibAi anvertraute Briefe. Die Ara- 
ber wurden nacheinander im Bazar Sinanije aufgehängt. Der 
sonderbare Hund ging unter die gehängten Araber und hauchte 
mit einem Seufzer seine Seele aus. Ha^ejvad war also so ein fleis- 
siger Freund und Bote des Propheten. 

Was Karagöz betrifft, war er der Bote des Fürsten (Ko- 
stanti) von Istambul. Er stammt aus dem in der Umgebung 
von Edirne liegenden Kirk-Kilisse und war ein wortreicher, 
schwindlerischer Zigeuner. Man nennt ihn auch Soß>zli Kara- 
göz Bali celebi. Die Schattenspieler jener Zeit warfen auf Lein- 
wand und spielten den Zank und Wortgefecht zwischen Hagejvad 
und Karagöz, als Koitanti denselben einmal im Jahre zum sel- 
dschukischen Ala- eddin sandte. Der genannte Hasan-oylu liess 
von Ha^ejvad und Karagöz zwei Figuren spielen und machte 
von Abend bis zur Frühe fünfzehn Stunden lang gereimte Spiele, 
dass der Mensch in Staunen verfiel. Er war ebenso wortreich, 
wie reich an Vermögen. Dieser Hasan-zäde sagte solche Verse, 
dass die Anwesenden ihn als einen Geweihten der mystischen 
Wissenschaft hielten. 

EvujA führt hier einige seiner Ghazeh an und fügt hinzu, 
dass [S. 656], «Wenn er solche Gedichte vortrug, ihn jeder für einen 
grossen Dichter hielt. Bisweilen verliess er sein Zelt, um Luft zu 
schöpfen, und trank vier Tassen Kaffee, bis er in gute Laune kam, 
dann trug er das Fuss-spiel (ajak taklidi) vor, das die Zuhörer 
desselben in Zwerchfell erschütterndes Gelächter versetzte. Jedem 
Worte lag Weisheit zu Grunde. Der demselben lauschte, bekam 
Beispiel von der Welt. So viele Jahre meiner Wanderschaft sah ich 
unendlich viel Helden, jedoch keinen so geistreichen Nachahmer. 

2* 



20 

( y) war in der Windhundkompagnie der Janitscharen 

(jeni6erilerinin za^ar^ilar odasinda) ein wortreicher Anführer 
(mir), ein geschickt antwortender Witzkenner. Als Murad khan 
nach Bagdad reiste, begleitete er ihn. 

( )*) war ein Stadtsohn. Im Vortragen des von Dschevri 

öelehi in zwölf Sprachen verfassten Spottgedichtes Sejy-zäde un- 
übertrefflich. 

( Y) Im Harfenspiel vollkommen. Man würde glauben, 

er habe in der Nachahmungskunst und im Anekdotenerzählen 
von Nasreddin Ho^a Unterricht erhalten. Die Spiele des Er- 
stickten Kapitäns (Boyuk kapudan), des Mustafa Kursa, der 
Bumelischen Festung (Rumili hiitari), des Opiumrauchers Aj-a- 
zäde (Tirjäki Aya-zäde), als er rauchend von Mubad IV. über- 
fallen wird, trug er vor, dass man vom Lachen ohnmächtig wurde. 
( )*') war ein Märchenerzähler in siebzehn Sprachen, 

als Nachahmer erwarb er sich einen Weltruf. 

Cakrakci'Zäde Sulejman celebi war ein Weltkomiker (kai- 
mer-i rind-i ^ihän). Ein Derwisch wünschte von einem Gemüse- 
händler edn wenig Honig. Der Krämer gab ihn nicht. Da lies 
der Derwisch auf den Honig einen Zauber. Eine Sklavin nahm 
ebenfalls Honig vom Krämer. Sie trug denselben nach Hause, 
und die Sklavin, der Herr, seine Frau [S. 657] bekamen Kolik- 
anfälle. Sie begaben sich zum Bichter. Sowol der BichtJBr, als 
der Gerichtsdiener assen vom Honig. Als auch diese mit einem 
eigenartigen Ton Winde gelassen hatten, wurde der Krämer durch 
den Büttel herbeigeholt. Darauf der Krämer: ,Nein, ich gab 
guten Honig' und bestärkte seine Behauptung damit, dass er ein 
wenig vom Honig nahm ; jedoch auch er entliess einen unartigen 
Wind. Endlich wurden auf diese Weise elf Männer hergenommen. 
Dieses Spiel ahmt Cakrakct-zäde nach und der Zuschauer stirbt 
vom Lachen, und die Ufer des Todes erscheinen. 



^) In den Ausgabe des Ikdams fehlenden Namen einiger Nachahmer 
fanden sich in der stambuler Handschrift, und zwar auf dieser Stelle 
Mukallid Ak-haba. 

*) Mukallid Kahve^i-zäde, 

^) Mukallid Cöjürßü sarl ßeleh. 

*) Mukallid Cakman jeleh. 



( )*) Vezir war der caui des Kara Ahmed-paia, Er be- 

sass einen aus dreiunddreissig Ferien bptehenden Bosenkranz 
(tespih), dessen jede Perle fünfzig dirhem wi^rt war, ein grosses 
Taschenmesser und einen künstlerischen Stock. Er war ein 
Familienvater ein weltweiser Mann und in der Nachahmung 
geschickt. 

äebek celebi war so ein Aflfen- und Hupdnachahmer, dass 
den Zuschauern vom Lachen der Nabel zersprang. In anderen 
Nachahmungen war er auch ein Affe des Wortes. 

( )'^*) war ein schmucker Nachahmer von den Adeligen. 

Wenn man ihm zurief : ,Mache doch einen Witz*, dann schämte 
er sich; aber aus eigener Neigung führte er solche Spiele vor, 
dass man staunte. Aber er selbst konnte nicht lachen. 

Süngül öelebi gehörte dem Mevlevi-Oiden und dem Rosen- 
bettorte an. Er war ein beherzter, leichtsinniger Spieler. Er 
ahmte die Streifereien mit den Gesellen des Corhaßi Haßejvad 
nach (Haßejvad dorha^inin a^emi oj-lanlar ile ge^e Istamhulda 
hol doldidlyini taklid japardi). Jeder einzelne redete den corbaß 
mit einem eigenartigen Dialekt an, der sie tadelte. Einer seiner 
Sameraden ermüdete im Tragen einer Glaslaterne und hängte 
dieselbe auf die Halfter des corba^Vs Pferdes wie eine Quaste. 
Das Pferd erschrak von der Laterne und warf den öorbaß hin- 
unter. Alle Leute fliehen. Der arme corbaß schreit: ,Kommt, 
Gefährten, ich blieb in dieser Finsternis unter dem Bosse. Bettet 
mich. EUet euch. Vier Personen schenke ich einen Pfennig. 
Kommt, teilt euch und kauft euch Waffen dafür, seid bereit 
für den Kriegszug*. Niemand eilt ihm zur Hilfe. ,Geht, ver- 
ständigt mein Haus, dass mein Gesinde und Familie komme 
und mich rette*, schreit er, jedoch niemand hört es. Also diese 
Zustände [S. 658] führt Celebi auf, dass einem vom Lachen die 
Nase zu fliessen beginnt. Aber ein Mohamedaner war er. Schade, 
dass er seinen Lebensunterhalt in diesem Handwerke fand. 

,Der ewige Schöpfer als er der Welt brachte Erleuchtung, 
Brachte er jedem seiner Diener irgend welchen Trost*. 



*) MukaUid ^üve dau^. 
**) MukaJlid Siniid^i-oylu. 



22 

Surna*) delebi war der Brader Süngül delebVa. ünübertreflf- 
licher Nachahmer. In jeder Nachahmung hatte er Geschicklich- 
keit. Da er selbst Opiumraucher war, setzte er im Baucherspiel 
(Tirjäki taklidi) jeden in Staunen. Als er einmal Tabak schnitt, 
ritzte er sich in den Finger und liess durch ein Werkzeug so 
viel Blut aus seinem Finger fliessen, dass er zuletzt ohnmächtig 
daniederlag. Nach einer Weile stand er auf und sprach: «In 
meinem Falle sah ich, dass es unmöglich ist, das Blut zu stillen, 
ausser wenn ein schöner Knabe sich an mein Blut macht und 
an meine Stirne reibt». Dann machte er ein £;/i/-Zeichen auf 
seine Stirne. Das Blut hörte sofort auf zu fliessen. Dieses Ge- 
heimnis ist sogar den Zauberern unbekannt. 

Ahlak celebi ist der Sohn des Süngül celebVs. Er war noch 
in grösserem Masse als sein Vater und Onkel ein Gelächter er- 
regender Spieler, Nachahmer und Geliebter der weisen Grossen. 

( )**) ein am Bosporus gelegenen Büjäkdere wohnender, 
war ein Held vom guten Auftreten. Menschenkinder ahmte er 
nicht, aber die Stimmen aller von Allah auf der Erde geschaf- 
fenen Tiere und Beptilien. Würde er den Streit des Hundes 
mit der Katze, der Katze mit einer Maus, oder den Kampf der 
Hunde verschiedener Stadtviertel, oder den Angriff der Kamele 
auf andere während des strengen Winters nachahmen, würde man 
es für wahr halten. Hähne, Gänse, Gabelweihen, Baben. Enten, 
schwarze Hennen, Spatzen, Nachtigalle und andere Vögel ahmt 
er mit ihrer tniuernden Stimme nach, dass er öfter diese zu 
sich lockte. Er war ein eigenartiger, aber frommer, unterwür- 
figer Mann.» 

Von diesen Beschreibungen Evlija's steht namentlich der 
vorletzte Abschnitt (Feinsprechende Nachahmer) mit der Orta 
ojnu in engster Beziehung. Es int immerhin Schade, dass nur 
hie und da von dem Inhalt solcher Spiele die Bede ist. Den 
Mangel derselben empfinden wir auch deshalb, weil wir, abge- 
sehen von einigen mangelhaften Aufzeichnungen, kaum Daten 
über den Inhalt solcher Spiele besitzen. 



*) Nach Suma steht in der Handschrift Ahmed, 
*) Mvkallid Kara Mahmud. 



24 

Die erste Ausgabe einer Orta ojnu erschien Budapest, 1899 
unter d. T. »Orta-ajunu. Török nepszinjätek. Büjüdschii ojwau 
(A yaräzslö). Följegyezte, forditässal ellätta dr. Eünos Ignäcz.» 
Sie enthält einie Zäuberposse in lateinischer, arabischer Schrift- 
sorte in ungarischer Übersetzung. Ich zeichnete den Text noch 
im Jahre 1887 in einem am Bosporus gelegenen Orte (Dschir- 
dschir suju bei Bäjükdere) auf, wo solche Vorstellungen abge- 
halten wurden. Mit der Aufzeichnung eines zweiten begann ich 
auf einer kleinasiatischen Beise, welche mich mit einer solchen 
Gesellschaft zusamnienführte. Dieses Stück, welches unter dem 
Namen Kundaradschy ojnu (Schuhmacherspiel) zur Aufführung 
gelangte und dessen einleitenden Teil ich als Muster in meiner 
türkischen Sprachlehre mitteilte,*) kam in Eski-Sckehir zur Auf- 
führung. Weitere Stücke wurden meines Wissens bisher noch 
nicht gedruckt. Diesmal bin ich im Stande, den ganzen Text 
des Kwnduradschy mitzuteilen. 

Ebenfalls nach Angaben des schon erwähnten Hamdi efendi 
knüpft sich die Ausgestaltung der heutigen Form des Spieles, 
welche kaum älter als 80 Jahre sein dürfte, an den Namen 
Külahtschy Mehmed^s. Er soll es sein, der die erste Gesellschaft 
gründete, deren Kavuklu er war; der Peachekjar war Hadschi 
Bektschi, und der Türke Mutaf Mustafa. Die ersten Orta ojnus 
waren eigentlich blosse Nachahmungen der KaragözS^iele, Spiele 
mit grösserer Handlung entwickelten sich erst später. 

Orta ojnus wurden zuerst in Kadi-köj vorgetragen, und 
zwar auf der Wiese Jourttschy tschajyry. Aus der ersten Schule 
stammen die folgenden Darsteller: Dösckemedschi Ismail, Tespih- 
tschi Ahmed, Saradschaly Ismail für Zenne-BxAlen ; Büjük Äsim, 
Ar ah Ahmed für die Bolle des Alten Weibes und des Bedienten; 
der Perser war Adschem Ali, der Albanese Meddah Ismet, der 
Läse Tosun efendi. der Bumelier Tähir efendi und der Dumm- 
kopf Kütschük Hüsejn. Von diesen leben heute nur noch Tespih- 
tschi Ahmed und Arab Ahmed, welch letzterer auch heute noch 
tätig ist. Aus dieser Schule ging auch Hamdi hervor, der be- 
rühmte lebende Künstler, der mit seinem treffenden Humor viel- 
leicht am meisten zur Ausgestaltung der heutigen Form der 



*) Janua lingusB ottomanicae. Budapest, 1905. S. 36. 



25 

Orta ojnu beigetragen hat. Ausser ihm ist heute Ismail efendi 
(Feschekjar) am berühmtesten. 

Die moderne Benennung der heutigen Spielergruppe ist 
kumpanja (Gesellschaft), welche unter der Leitung eines Direk- 
torS; zumeist des berühmtesten Schauspielers, steht. Die Schau- 
spieler nennen sich nach altem Gebrauch aya(ä); die hervor- 
ragenderen werden usta (Meister) genannt. Die Organisation der 
Truppe ist im übrigen locker, sie ist durch keinen Kontrakt ge- 
bunden, aber dem Direktor kommt unbedingter Gehorsam zu. 
Die Einnahmen werden nach dem Bange der Spielenden ver- 
teilt. Kavuklu erhält z. B. drei Teile (paj), Peschekjar SVa, 
Zenne zwei oder IV2, die übrigen IV2, ein oder 7«« 

Das Bestreben, diese Spiele dem europäischen Muster näher 
zu bringen, zeugt ebenfalls von Modernisierung. Das Spiel wird 
auf gedruckten Theaterzetteln (vgl. beiliegende Theaterzettel) an- 
gezeigt. An der Stelle Kavuklu'B steht nekre bir adam (eine ko- 
mische Figur) und wie eine unserer Zeichnungen zeigt (S. 39), 
wurde vom Kopfe des Kavuklu die grosse Turbanmütze, das 
eigentliche Kavuk beseitigt, und an seine Stelle trat der hohe 
und langquastige Fez der Komiker. 

G. Jacob wohnte noch im Jahre 1894 im vor dem Dolma- 
-Bagce befindlichen Kaffeehaus derartigen OrjCa- Aufführungen bei, 
obwohl dieser Fall dem allgemeinen Gebrauch widerspricht, 
wonach diese Spiele auf einem, eigenst diesem Zwecke ent- 
sprechenden, freien und ovalen Platze aufgeführt werden. Eine 
noch weiter ausgebildete Art dieser neueren Mode hatte ich 
Gelegenheit im Frühling dieses Jahres in Stambul zu beobach- 
ten. In dem Theater der Strasse Direkler-arasi waren Auffüh- 
rungen Orta ojnu'B angezeigt unter der Direktion des bekannten 
Kel-Hasan, also im Theater auf einer ganz neuzeitlich einge- 
richteten Bühne. 

Ebenfalls auf dieser modernen Bühne sah ich den Spieler, 
welcher die Bolle des Kavuklu machte, unter dem Namen Ibii 
{Volkstümliche Verkleinerungsform für Ibrahim) auftreten, als 
wollten sie auch durch dies das Niveau und den literarischen 
Wert der zur Aufführung gelangten Spiele erhöhen. 

Die scenische Einteilung des Spiels selbst gleicht der des 
Schattenspiels. Neben den zwei Hauptfiguren: Peschekjar und 



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1%«aterzettel eines Orta-spieles. 



27 

KavuklUf Hadschejvat und Karagöz entsprechend, hat noch die 
Frau, die Zenne,*) eine führende Bolle. Der früher erwähnte 
Peschekjar ist das Factotum des Spieles, der Vorspieler, der 
Arrangeur, der Leiter und die Hauptperson. Er eröffnet die Vor- 
stellung und schwindet nur selten von der Bühne. Wenn er 
nichts zu tun hat, kauert er sich auf der Erde nieder oder setzt 
sich zwischen das Publikum und wartet, bis die Beihe an ihn 
kommt. Im Schauspiele führt er gewöhnlich den bürgerlichen 
Namen Tosun efendi. Der Namen Pesekjar ist eine Zusammen- 
setzung aus dem Persischen pese: vor, Anfang von etwas und 
kjar (kar) : der Tuende, Handelnde. (Vgl. pesekjar: Orta ojun- 
larinda Eavuklu ile muhavere ederek ojunu acan ojun^i. Sämi: 
KamuS'i tilrki. Der in der Orta ojnu vorkommende, mit Ka- 
vuklu sprechende und das Spiel eröffnende Schauspieler.) Die 
andere Hauptfigur KavukU, der Grossmützige ist der Komiker. 
Er erscheint in der Begel als Krämer, Handwerker oder Diener. 
Der Grossmützige macht gewöhnlich mit Peschekjar dasselbe, 
was Karagöz mit Hadschejrat vorzuführen pflegt. Für gewöhn- 
lich wird er Hamdi genannt. Auch unter den anderen Figuren 
der Orta ojnu ist viel Ähnlichkeit mit denen des Karagöz, was 
gegenseitige Einwirkung verrät. Dem berühmten Bekri Mustafa 
des Karagöz entspricht im Orta ojnu der Tuzsuz Mustafa, der 
auch als »Trunkenbold*, ,ßäuber', ,ZejbekS ,Arnaut* oder ,Mu- 
hadschir* erscheint. Die Ähnlichkeit ist manchmal so gross, dass 
oft auch die Phrasen ganz dieselben sind. Ebenso ähnlich sind 
einander die nationalen Typen beider Spiele. Diese Erscheinung 
findet meistens darin ihre Erklärung, dass die aus der Mode 
kommenden Orta ojundschy'?^ ihren Beruf mit dem beliebteren 
Karagöz vertauschten, oder dass die KaragözdschVs hie und da 
Orta- Vorstellungen zur Aufführung brachten und in Folge dessen 
die karakteristischen Züge ihrer Bollen aus einer Kunstgattung 
in die andere übertrugen. Die wichtigste neben den zwei Haupt- 
figuren ist die Zenne, das Weib. Die Weiberrollen spielen aus- 
schliesslich Männer in Frauenkleidern, die Stimme der Frau 



*) Zenne, eigentlich zene resp. zen ist nach Analogie von Wörtern 
wie arme gebildet. 



28 

nachahmend. Das Personal weist also, von den beiden Haupt- 
figuren abgesehen, folgende Typen auf: 

Zenne, das Weib (halajyk ve uiak), die Sklavin und 
Dienerin. 

Sarhoi, der Trunkenbold ; (hamal) Lastträger. 

Ajem, der Perser (ial^i ve cariida zennejijf Schalverkäufer- 
Frauenkleider- Kaufmann im Bazar. 

Laz, der Läse. Aus der Gegend von Trapezunt (bakir 
satar, hnllaclik japar, jähod kalajßj, Kupferverkäufer, WoU- 
krämpler oder Verzinker. 

Kajsarly, aus dem Gebiete von Kajseri. (bakkal, kavvaf, 
nakkas). Krämer, Schuster, Anstreicher. 

Arnaut, der Albanese; (^elep jähod kojun til^ari), Tier- 
händler oder Schafhändler. 

Ajvaz, der armenische Diener ; ((vde täblakjär, hizmetci), 
Zuhause Tafeldiener, Diener. 

Zampara oder schikk, auch sik bej genannt, Frauen- oder 
Modeheld ; (kjätib) Schreiber. 

Jahudij Jude, (eski^t, basma^ Tandler, Kurzwarenhändler. 

Kurdy der Kurde; (bekci) Nachtwächter. 

Türk^ der Bauer ; (tarm^u, ahci) Sauerkrauthändler, Koch. 

Ermeni, der Armenier; (tuhaf^i, kujum^u) Antiquitäten- 
händler, Juwelier. 

Eginli, aus der Gegend von Egin , (kasap) Fleischhauer. 

Frenk, der Europäer (a lafranga doktor), europäischer Arzt. 

Arab, der Araber (tüßar), Kaufmann, Eeisender. 

Zejbek, kleinasiatischer Bauer. 

Ausser diesen Figuren sind noch andere, die jedoch nicht 
mehr so stereotype, sondern eher gelegentliche sind. Das Stück 
besteht in der Eegel aus zwei Hauptteilen. Der erste, welcher 
sich hauptsächlich zwischen Pesekjar und Kavuklu abspielt 
Und gewöhnlich die Neckereien und den Zank zwischen den 
beiden Helden zur Darstellung bringt, wird zeitweise durch das 
Auftreten der Zenne etwas lebhafter gestaltet, bildet für sich ein 
abgesondertes Ganzes. Der zweite Teil ist der eigentliche Gegen- 
stand des Stückes. In diesem treten auch die anderen Mitspie- 
lenden auf, um das zur Darstellung bestimmte Thema zur Ab- 
wickelung zu bringen. Die einzelnen Schauspieler insgesammt 



fassen ihre Bollen, wie aus dem beigelegten Theaterzettel er- 
sichtlich ist, als taklid, A. h. Nachahmung auf. Sie stellen näm- 
lich in der Begel einen Typus des Volksstammes vor, den sie 
sowohl in der Tracht, -wie in der Sprache nachahmen. 



Die Form der Bühne kunn zwar auch viereckig sein, ist aber 
meistens oval. Die Bübne (mejdim), auch meik-i temäiä genannt, 
befindet sich in der Be^el unter freiem Himmel. Der Fusshoden ist 
die Erde. Der Baum ist in der Begel eine dreissig Meter lange 



30 





Die Bühne (mejdanj. 

und zwanzig Meter breite Fläche, durch einen Strick oder eine 
Kette eingezäumt; rings um diesen Eaura sitzt oder hockt das 
Publikum auf Sesseln oder Holzbänken. Der ganze Eaum hat 
einen Eingang. Ausserhalb der Schranke befindet sich noch eine 
kleine Holzbude, die Garderobe (sandik odasi). 



31 

Auf der Bühne sind zwei GegeoBtände, welche immer auf 
demselbea Platze aufgestellt sind. Der eine, der in der Nähe 
des Einganges befindliche dükjan [S. Teil 1) der Zeichn.]> Er sym- 
bolisiert ein Gewölb und jedes mögliche Verkanfslokal. Auf die 
Fläche desselben setzt sich der Eigentümer. Der zweite Gegen- 
stand ist die jeni'dünjä [S. 2) der Zeicbn.] oder ev. Das bildet 
die Dekoration und zugleich die Kulissen. Jede Bühne hat zwei 
solche jeni-dänjä'a mit je zwei Flügeln A und B (kanad). Die 



1. dükjan i. jmi-dünja oder ev 

mit a und b bezeichneten leeren Plätze werden mit Papier be- 
klebt und auf dieses Papier werden Bäume, Gesträuch, Türen, 
Fenster etc. gemalt, je nachdem die jeni-dünjä einen Wald, ein 
Wohnhaus, Bad, Festung etc. Torstellt Die zwei jeni-dünjä'a 
können, wenn es nötig ist, zu einer einzigen Baulicbkeit zu- 
sammengestellt werden und eo stellen sie einen viereckig ge- 
formten geschlossenen Platz vor. (Z. B. wenn sie ein Haus oder 
ein Bad symbolisieren wollen.) Der Kafes oder der Platz der 
Frauen befindet sich immer auf der Seite der jeni-dünjä. 

Andere als diese beiden Vorrichtungen : dükjan und jeni- 



32 

dünjä kennt die Bühne nicht. Zu den Gerätschaften gehören 
noch : Fässer, Gefässe, Marktkorb (zemhil), liegenschirm (jedes 
Zwickel ans anderfärbigem Stoff) und die unausbleibliche sehak- 
schak, der Frügelstock des Peschekjar. Die zur Orta ojnti gehö- 
renden Musikinstrumente sind die zurna (Oboe) und die tschifte 
nära (Doppeltrommel).*^) Diese befinden . sich ausserhalb der 
Bühne, hinter dem Publikum, und dienen hauptsächlich dazu, 
den einzelnen Bchauspielern beim Stichworte das Zeichen zum 
Betreten der Bühne zu geben. Da es keinen eigentlichen Re- 
gisseur gibt, ersetzt einigermassen die Musik dessen Bolle. Den 
Auftritt jedes einzelnen Schauspielers meldet eine besondere 
Arie (hava); so gibt es Kavuklu-Arie, Peschckjar- Arie etc. 

Das beigegebene Bild(S. 28) zeigt die Bühne des Orta ojnus, 
wie dieselbe in ihrer Eigenart auf uns blieb. Die einzelnen 
Buchstaben bezeichnen folgende Teile : 

A Sandy k odasy, Garderobe, wo die Kleider der Schau- 
spieler aufbewahrt werden. 

B kapu, Eingang, durch welchen die Aufführer verkehren. 

C öalgi^ilar, Platz der Musikanten. 

D dükjan, das Gewölb, ungefähr eine Elle (arSin) hoch. 

E mejdan, der Platz, wo das Spiel stattfindet, ungefähr 20 
ariln breit und 30 arsin lang. 

F jeni'düvjä oder ev, das Haus, 1 Vj Meter hoch. 

G mevki, Sitzplätze für Männer. 

H kafes, Plätze für Frauen. 

I parmakltk, Rampe, Va Meter hoch. 

Der Verlauf des Stückes ist folgender: Vor Beginn der 
Vorstellung kommen sämtliche Schauspieler, mit Ausnahme Pe- 



*) Bei der Orta sind verschiedene Musikinstrumente im Gebrauch. 
In den gewöhnlichen Oi'ta qjmi spielen nur zwei Ccdgl^^Vs (Musiker): 
der eine auf zurna (Oboe), der andere auf dümbelek (Trommel). Aber 
wenn in den Spielen grössere feierliche Scenen, z. B. düjün (Hochzeit) 
vorkommen, dann spielen noch ud (ein zitherartiges Saiteninstrument), 
keman (Violine), känun (zimbelartiges Saiteninstrument, auf welchem mit 
den Fingern gespielt wird), dajre (Handtrommel), lavuta, lauta (üd-artiges 
Saiteninstrument), nej (Flöte), in^e saz (langstieliges Saiteninstrument 
und auch Orchester). Die Benennungen üd, lauta, lavuta aus dem arabi- 
schen &>yJI. 



33 



8chekjar'8 und KavukluQ und der Zennen, in langen Papier- 
mützen herein und im Takte der Musik tanzend umkreisen sie 
den Spielraum (dschurdschuna teperler) und ziehen dann wieder 
alle hinaus. Das eigentliche Spiel beginnt erst dann, wann 
Peschekjar erscheint (er betritt immer zuerst die Bühne), stets 
mit dem schakschak in den Händen, an das Publikum ein 
temennä (Gruss) richtet, den Namen des Stückes meldet, und 
den Musikern zuruft: ,0h, mein Held !* Die Musiker antworten: 
»Befiehl, mein Held!' Darauf fährt Peschekjar fort: tDas ist auch 
eine Absicht*. Die Musiker fragen: ,Was ist denn deine Absicht?* 
Darauf erwiedert Peschekjar : ,Ich nahm die Nachahmung dieses 
und dieses Stückes vor (er nennt den Titel des ojun, z. B. Efen- 
dim, ojnumvz ,sarhosa hille'), spielet es, damit unsere Zuschauer 
zufrieden seien*. Nun beginnen die Musiker. Peschekjar erscheint 
und beginnt sein Gespräch (muhävere) mit Kavuklu. Hernach 
kommen die übrigen Schauspieler nach der Eeihenfolge, wie es 
ihre Bollen erfordern. Wenn jemand seine Bolle abgespielt hat, 
geht er zeremoniös ab. In der Eegel ist es Sitte, dass die spie- 
lenden Personen einander gegenüberstehend sprechen und nach 
Beendigung ihrer Bede die 
Plätze stets mit einander 
wechseln. Mit diesem 
Wechseln der Plätze wird 
bezweckt, dass das Publi- 
kum die Schauspieler von 
jeder Seite gleich gut se- 
hen und hören könne. Auf 
diese Weise umkreisen die 
Darsteller nach und nach 
die ganze Bühne. (Siehe 
Abbildung.) 



Kav. 




Pes, 



Ein Schauspieler pflegt manchmal mehrere Bollen zu spie- 
len, natürlich immer neu kostümiert. Das Schauspiel ist nicht 
in Aufzüge geteilt, sondern wird ohne Unterbrechung zu Ende 
gespielt. Als Bast benützen sie gewöhnlich die Zeit, wo die Musik 
spielt, und tanzen dazu im Takte. Zu dem Spiele Kaviiklns ge- 
hört auch noch, dass er bei seinem Erscheinen zwei oder drei 
Kerzenlampen mit gebrochenem Glase in den Händen hillt. 

Das türkische Volksach auspiel. 



•i 



34 

Die zu den Spielen notwendigen Kleidungsstücke, welche 
in der Garderobe aufbewahrt werden, entsprechen heute zumeist 
der gegenwärtigen allgemeinen Tracht, aber in der Tradition 
lebt noch heute das Bewusstsein, dass die älteren Kostüme ganz 
verschieden von den heutigen waren und dass dieselben infolge 
eines behördlichen Verbotes abgelegt wurden. Hie und da sieht 
man noch einige ältere Trachten.^) 

Der Vollkommenheit wegen teilen wir im folgenden die 
Beschreibung der heutigen Tracht einiger Schauspieler-Typen 
mit, zugleich auf unser Bild (S. 21) hinweisend, welches die pri- 
mitive Zeichnung eines stambuler Orta ojundschy^a darstellt. 

Die auch heute gebräuchlichen Trachten sind die fol- 
genden : 

Peschekjar : am Kopf aus Stücken zusammengenähte Nacht- 
kappe, j^elber Kaftan und rote Hose**) 

Kavuklu: am Kopf eine grosse, auch aus Stücken zasam- 
mengenähte Kappe, welche von einem Schal zusammengehalten 
wird. Am Rücken roter Kaftan, er trägt rote Hosen und einen 
aus arabischem Stoffe verfertigten gestreiften Mantel. Dieser 
Mantel kann aus Wolle und Seide sein.^) 

Der Perser trägt ein Fantalon und schalartiges Oberkleid, 
welches bis zum Knie reicht. Seine Hüften umfasst ein weisser 
Gürtel, auf der Brust trägt er eine weisse Weste, am Kopf eine 
schwarze persische Kappe, am Bücken einen bläulichen oder 
schwarzen Mantel.*) 

Der Läse trägt einen gelben, gefalteten Mantel, welcher 
bis zum Knie reicht; die Hose hat zwischen den Füssen keinen 



^) Wie mir von massgebender Stelle mitgeteilt wird, wirkt im 
Jyldyz auch noch heutzutage eine Orta Truppe, welche die ursprüngliche 
Kostüme beibehalten hat. 

*) haschynda dilimli gedschelik kavü, arkasynda sary dschübbe, iistünde 
Hchalvar bulunadschah. 

^) baschynda kodschaman dilimli^ büjük kavün scheklinde bir kavuk. 
Üzerine schal saryladschak, Arkasynda kyrmyzy dschübbe^ kyrmyzy schalvar 
ve bir arab kamaschyndan tschybuklu joUu entän bulunadschak, Bu entän 
ketenden-de ola bilirj ipekten-de. 

*) bir pantalon, üstüne bir schal örenek entäH^ boju diz kapäna kadar. 
Bdine bejaz kuschak, göjsüne bejaz mintariy baschyna adschem papäy arkasyna 
lädschivert ve sijah dschüppe oladschak-tyr. 



35 

Anbang. Beide Kleidungsstücke sind gelb. Am Eopf trägt er 
eine gefärbte Eassacke mit einer Borte oder einem Tscber- 
kessenbut.^) 

Der Albanese trägt eine weite, weisse Leinwandbose und rote 
Gamascben^ rote Weste, welcbe keine Ärmel bat und ein weisses 
Scbäferbemd. Anstatt der Weste und Gamascben tragen sie aucb 
Hosen^ welcbe am Fusse anspannen. Dieselbe Kleidung trägt der 
Betrunkene, der Bauer von Klein-Asien oder aucb der Dieb.^) 

Der Araber tiägt ein bis zum Knie reicbendes arabiscbes 
Hemd und rote Leinwandbosen. Um die Hüfte bat er einen 
Gürtel, um seine verscbiedenen Gewebre bineinzustecken. Am 
Kopf bat er ein scbalartiges Tucb, am Fuss mit Biemen ver- 
sebene Pantoffeln.^) 

Der Armenier trägt scbwarze Hosen, ein scbwarzes kurz- 
armiges Leibeben mit rotem Gürtel, am Kopf eine scblafkappen- 
artige Mütze. An der Hüfte trägt er eine rot gestreifte Scbürze.*) 

Die Zenne (Frau) trägt einen Damenmantel, dessen Farbe 
verscbieden sein kann. Am Kopf bat sie einen weissen Scbleier^ 
blauen Kopfscbmuck, am Fusse Pantoffel, in der Hand einen 
Sonnenscbirm. — Die alte Frau bat einen gewöbnlicben, roten 
Mantel, vor dem Gesiebt einen scbwarzen Scbleier, in der Hand 
einen Stocks am Fusse bat sie gelbe Pantoffeln, welcbe aber keine 
Absätze baben. — Der arabische Sklave, wenn es keinen ara- 
biscben gibt, färbt er sieb das Gesiebt mit gebranntem Kork und 
ziebt scbwarze Handscbube an. Sein Überrock ist rot, die Kopf- 
bedeckung weiss, seine Pantoffeln rot.^) 



^} sary arkasy kyi^mly entäH, diz kapäna kadar, Ajända zypka, 
jähat äsyz schcdvar, her ikiside hir renkte (sary). Baschyna renginde hir 
sargy, tepesi päsküllü, jähot tscherkes kalpä. 

*) elhüesi bejaz fistan ile kyrmyzy tozluk, kyrmyzy tschepken^ kyrmyzy 
jelek ve bejaz tschohan yömleju Fistan ve tozluk jerine potur-da gijile bilir. Schu 
elbiseji sarhosch vb anadollu bir türk, jähot hyrsyz baschy olan-da gije büir. 

^) arabes gÖmle diz kapä kadar, badschaklarynda kyrmyzy bezden birer 
echalvar. Bellerinde süahlyk ve envä silah btdunadschaJc. Baschlarynda keßje, 
ajaklarynda tscharuka. 

*) sijah schaivar, sijah salta, kyrmyzy kuschak, haschynda araktschyn, 
belinde bir peschtamal. 

^) ferädsche, hangy renkte ola büir, Baschyna b^az jaschmak, mävi 
bir hotos, ajända iskarpin ve jähot pandofti^ elinde bir schemschije. Ihtijar 

3* 



86 

Der arabische Diener bat schwarze Kleider, Hosen, kurzes 
Jäckchen, roten Gürtel, rote Halbschuhe, roten Fez, welcher 
eine blaue Quaste hnt.^) 

Der Bauer von Kajseri trägt rote Hosen, schalartigen Mantel, 
in der Hüfte einen Waffenhälter, am Kopf einen langen^ hohen 
Fez mit weissem Turban. Sein Jäckchen ist rot. Der Ajcaz be- 
kleidet sich ähnlich.^) 

Der Zampara oder Schik trägt einen hübschen Anzug, 
schönes Augenglas, Spazierstock, am Fuss aber zerrissene, schmu- 
tzige Pantoffeln.^) 

DeiJahudi trägt schwarze Hosen, Leinwandüberrock, schwar- 
zen Eaftan, am Kopf einen schwarzen Hut. welcher in einen 
blauen Turban eingehüllt ist. Am Bücken hat er einen Sack. 
Der eine Flügel seines Kaftans ist immer auf seinem Arm.*) 

Der Kurde trägt eine Filzmütze, in der Hand einen langen 
Knüttel, am Fuss mit Bindfaden befestigte Sandalen.^) Er hat 
blaue Hosen, bunten Überrock, am Bücken einen wollenen Kaf- 
tan, welcher keine Aermel hat.®) 

Der Armenier hat einen schwarzen üeberrock, am Kopf 
einen ungebügelten Fez, an den Beinen Pantalons, in der Hand 
einen Sonnenschirm, dessen Stiel gebrochen ist.') 



zennede kifrnu/ztj ädi bir ferädftehe, haschyna hasch örtü, eline hir d(jnA\ 
ajäna tschedik pahutsch, sanj renkte oladschak. Arab zenn^, arab bulim- 
massa, jüziinü mantartj jahjp sijaha hojajijp, eline-di sijah eldiven ffijer, 
Ferädsche kynni/zy, bauch örtü bejaz, pabiUsch kifrmyzy, 

^) sijah elbine^ scliaha}\ salta, kifrmyzy kuschak, kyrmyzy jemenu kyr- 
viyzy fesy man piiskül. 

') kyrmyzy ichalcar, txhaJ örenek entän, belinde s-ilahlyk, bascfnpida 
uziin ve jüksek /ftv, bcjaz 8aryh\ omzunda bir kyrmyzy salta. 

^) schikväri l/ir kat yäjet giizel elbiset yüzel bir yözlüky baston^ ajända 
jyrtyk ve gäjet pin ajak kaby. Nekre olan zät ondan a^aj ededschek. 

*) djah schahar^ bir basiim entäri, bir sijah dschüppe, baschynda 
kavfza. Arkasi/uda Uchuval. Dschüppenin bir eteji dajma elinde buhinadschak, 

^) ba-Hchi/nda bir ketsche külah, elinde bir uzun sopa^ ajända Urhiftschi 
tschar'y, mävi schalvar, jollu (tschizgili) entäH, syrtynda bir maschlak (jarym 
d>ichiippe^ kolsiizj jünden. 

«) Über caryq vergl. Türk. Bibl. VII. S. 43 Anm. 2. 

') arkasj/nda sijah dschüppe, baschynda kalypsyz fes^ ajända pantolan, 
elinde hir sapy kyryk «ehern ^c/iije. 



37 

Der Eginer trägt rote, enge Hosen, Waflfenbehälter, in 
welchem er seine Fistole bat. Er hat ein rotes, kurzes Jäckchen, 
am Kopf einen Fez.'^) 

Der Frenk trägt einen zerrissenen^ eigentümlich gefärbten 
europäischen Bock, am Kopfe einen Hut, in der Hand einen 
Stock.*) 

Der Zejbek trägt kurze, bis zum Knie reichende Hosen, 
aus Schafwolle gemachte Gamaschen, rotes TuQ|i, um die Hüften 
einen Tripoliser Gürtel, im Waffenbehälter ein langes Messer, 
am Kopf einen hohen Fez, welcher mit einer Tripoliser Schleife 
umhüllt ist. Auf der Schulter hat er einen Überrock und ein 
Gewehr.^) 

Der Zigeuner hat am Pusse schwarze Halbschuhe. Er trägt 
einen schwarzen Gürtel, ein schwarzes, kurzes Jäckchen, am 
Kopf einen gewöhnlichen Fez mit grossem Turban. In der Hand 
hat er einen Tschibuk. — Die Frau trägt ein blaues, Weites 
Oberkleid, am Kopf eine Decke, in der Hand einen Korb mit 
Blumen. In die Kopfdecke sind auch mehrere Blumen gesteckt. 
Im Spiele kommt der Zigeuner meistens mit einem Esel oder 
Affen hinaus.*) 

Ausser den mitgeteilten ganzen, und am Ende dieser Arbeit 
auszüglich angeführten Orta's, gelang es mir, noch die Titel der 
folgenden Oria- spiele zu notieren: 

Jaziß (der Schreiber), 

Sandikli (der Kastenmacher), 

ödüllü Pehlivan ojnu (das Spiel des Helden von Ödül), 

Mahalle baskini (das Stürmen des Ortes), 



^) hyrmyzy potur, süahlyk, tahandsclm, kyrmyzy salta, baschynda fes, 

*) arkasy jyrtmatschlyy tuhafrenkli basmadan frenk paltosu, baschynda 
schapka, elinde baston. 

^) kysa topuz schalvar, jün örme tozluk, kyrmyzy Jemenit beide tara- 
bolos kuschak, dlaklyk, uzun bir pytschak, baschynda jüksek fes, üzenne 
tarabolos kuschak saryladschak. Omzunda bir dschüppe, birde tüfek, 

*) erkek ajända sijah potur, koptschal y, sijah kuschak j sijah salta, 
baschynda ädi fes, üzennde kodschaman saryk. Elinde tschybuk. Kaiyda 
mävi bir jeldirnie, baschynda örtü, elinde bir sepet, itschinde Uchitschek. 
Örtüsü üzerine dahi bir takym tschitschekler takadschak. Bäzi ojunda tschin- 
(jene escheklen ve jähot majmunnan tschykadschak. 



38 

Ni^jdr (Nigjar), 

Hamam ojnu (Bade-Spiel), 

Timar häne (das Narrenhaus), 

Älyk (die Aga-heii), 

Bahtsche sefäsy (Garten-Unterhaltung), 

Ters evlenme (Verkehrte Ehe), 

Sünnet ojnu (Spiel der Beschneidung), 

Mejhäne ojnu (Spiel des Wirtshauses), 

Jalva sefäsy (Jalovaer Unterhaltung)*) 

In der Zusammenstellung dieser Daten und in der Auf- 
zeichnung eines Teiles der mitgeteilten Stücke unterstützte mich 
mein im Orient weilender ausgezeichneter Schüler Eminuddin, 
welcher mir mit seltenem Fleiss mehrere wertvolle Daten zur 
Verfügung stellte. Die in meiner Arbeit vorkommende Bilder 
habe ich mir zum grössten Teil in Eonstantinopel verschafft. 
Die Bühne wurde an Ort und Stelle skizzirt, ebenso die Bühnen- 
einrichtungen, welche nach einem Spiel in Eski-Schehir ver- 
fertigt wurden. Die übrigen einzelnen Gestalten sind aus den 
neuesten Or^aspielen, wie mir dieselben ein armenischer Zeichner 
namens Savayan, herstellte. 



*) Die noch heute berühmteren Orta ojundsckCB sind die folgenden: 
Komik kavuklu Hamdi efendi, Komik Abdul Rezak e/endi, Kädm-paschaly 
Sali ef. (zenne), Üsküdarly Samail ef. (zenne), Meddah Mustafa Aschki ef. 
(adschem, laz), Meddah Sururi ef. ftürk, arah), Redscheb ef, (zenne, kürdj, 
Said aga (jahudiy sarhoschj^ Kodscha-ka^-y Ahmed aga (ihtijar ve kodscha 
karyjy Komik Hassan ef. (Kajserli, Kavuklu), Schäir Ömer ef. f zenne J^ 
Radschi ef (frenk), Kjätib Sälih ef (ihtijar ve eschkiä), Ali Rizä ef (kavuklu 
ve budala), Räfet bey (schikk ve budalaj, Memduh bej kjätib (EgiuliyfrenkJ, 
Asim ef (Kodscha kary, schikk), KüUchük Hamdi ef ( Peschekjar), Böjük 
Ismail ef (peschekjar), KiUschük Ismail ef (peschekjar, komikj, Tezgjahtschy 
Mehmed bej (zenne, tatar ve muhadschir), Näzif b^ (zenne). 



S9 



1. 

Kundura^i ojunu. 

(Calgi terennilm ettikten sonra mevk-i-temäsäje JPeSeJcJar cikar. 
JPeSekJar kirmizi ^üppeli ve-kirmizi tivri külahli olup^ elinde 

Saksak^) jänl jarlk bir dejfiBk bulunur.) 

Pes. Amma benim pehlivanim. 
Icevden birisi. Bujur benim pehlivanim. 
JPes. 0-da hesab dejil-dir. 
Icerden. Ne-dir hesabin? 

PeS. Kunduraji ojununun taklidini aldimy^) caUin ialgi^i* 
lar, nuzzärä temähä ettirejim. 

(Calgi arab havasi^ calarak, ve Zenite tabir olunan, üzerinde 

fere,je bulunmajup, jaliniz jasmakli ve müzejjen Bürette kadin 

urubasini läbis bir hanim, ortada bir miktar raks ettikten sonra 

calgi sükjüt edüp. JPeSekjar kemäl-i nezäketle.) 

JPeS. Ha , ,.ha ,. .hajy gülme benim gamzekjärim, tabl gilzd 
nazli ^anim. Aman näzenlnim^ bu ge^enin nisfinda böjle takmii 
takistirmissiniz jakmis jakiStirmissiniZy ufak-ufak raks ederek, 
nerden gelüp nereje gidijorsunuz ? 

Zen. Aman Hiisejn efendi, hälimi nasil arz ede^emi 
bilemijoruni . 

Pes. Aman hanlm kizlm, bir feläket gecirmis olmall-Biniz. 

Zen. Sorma Hiisejn efendi, sorma. Bizim välidenin häli 
mälüm ja, 

Pes. Hajr ola ^anlm; bendinizi-de merakta braktinlz, 

Zen. Efendim, ne ola^ak? Bizim ihtijäre välide*) sabah 
akiam komsa-komsu dolasir, Mälüm ja, hänede benden baika 
kimse olmadl icün herbir iileri bendenize haväte eder. 



^) Schakschak (ar. Sdkka spalten), gespaltener Stab. Dient dazu, um 
damit zu knallen. Dasselbe finden wir auch beim Spiele Hokka-bäz 
(Schwarzkünstler-Spiel), bei einem der beiden Darsteller, der damit auf 
den kahlen Schede! seines Gefährten schlägt. 

') Konduradschy ojununun taklidini aldym. Ich nahm den Vortrag 
des Schuhmach er Spiels vor (ich begann). Das Wort taklid bedeutet hier 
das Spiel des Darstellers. 

8) Ardb hava^lf weiter unten sarkos havasl arabische Melodie, Lied 
der Betrunkenen. (Die Trunkenen werden gewöhnlich mit dem Worte 
küp küp gehetzt.) 

*) Ihtijäre valide: fehlerhafte arabisierende Zusammenfügung, hie 
und da im Munde des Volkes und der gelehrten Bechtsschriftsteller vor- 
kommend. Z. B. in iDürer-ül-hükjamt: valide daha soyire dir Die Mutter 
ist noch nicht majorent. Vgl. mahdschube fem. v. mahdschub. 



40 

Pes» Bir hizm^tci ohun tutaanlz, olmaz-mi? 

Zeil. Hiiisejn^nif bilmez gibt aöjlijorsun. Bizim vatidenin 
dlrdirliia hangt hizrnetci katlana bilir ? 

PeS. Evet evet, bendeniz oraslnl düsünememistim. Hei' 
nejue, lutf etseniz-de 8U felähetin neti^esini anlatsanlz, 

Zen. Hergün jalniz otura otura göjnüm istiräb icinde 
halijor. Genclik älemi bu ja. Herkesin kizi gibi, ben-de biraz 
hara almak, eträfi görmek, komm klzlarile ejlenmek arzu edijo- 
rum. Hidbu'ki välidem bunlara rüj-u rizä göatermedikten baika, 
hergü'i'de dirlltisina dajanamijorum. 

Pen. Evet hanlm hizim, dörusu pek mejus-sunuz, Keski 
välideniz jukin vakitte där-i bekäja äzimet bujursa-da siz-de 
istediniz gibi giilüp ojnasaniz. 

Zen, Keski Hiisejn^m, keski. 

Pei* Herne hol ise hanim kizim, sonra ? 

Zen. Jine hergün-kü gibi gecen gün-de etde kern isimi 
görmek hem-de eträfi temäsä etmek üzere pen^erenin önüne otn- 
rup, dikis dikme basladim. Karsidan-da kücükten berll mektebde 
ders okudümuz komsunun co^ü, elinde bir dtkin geldlni görünße : 
bäri sununla biraz görüsejim-de jesimi izäle edejim de je, co^un 
penjereden ses verdim. 

PeS. Aman hanim kizlm, korkarlm-ki co^uk bir den bire 
kapiija acik hulup-ta iceri girmis olmali. 

Zen* Jok ä ^anim, jok, Öjle zann etttniz kadar ärsiz 
dildir. 

Pes. Äferim coßaa. 

Zen. Herne hal ise, coßuk: kapuja gel-de su mendilde-ki 
jemislerden hem sana verir hem-de biraz görüsärüz, demesi ilzerine 
^ärijeniz derhal kapuja gittim. Co^uk-ta bize bir iki elma armvd 
Verdikten S'mra^ cojün janinda mahcübe kalmamak icün : bu 
verdin jemislere mukabil, ben-de size ne takdim edejim, deje 
sual ettim, 

PeS. Ne istedi bakalim, hanim klzim. 

Zen. Ne isteje^ek, iki taue seftali^) verirseniz kifäjet eder, 
ßevabini verdi. 

Pen. Hemen seftalileri verdiniz-mi ? 

Ze'n. Tohaf sin Hiisejn^im. Seftali gebimde dil ja. 
Bizim bahcede bildin seftali äji jok-mu ? Co^ua dedim-ki : iceri 
gel'de, äßdan sana koparup verejim. 

PeS. Ej hanlm kizim, demek-ki co^uk seftali koparmak 
üzere derhal häneden icerije girdi. 



*) Scheftali. Die ursprüngliche Bedeutung tPfirsich», wird in der 
Sprache des Volkes im poetisch übertragenen Sinne auch zur Bezeichnung 
des «Kusses» angewendet. 



Raitticlu oder Ibii. 



Zen, Öjle ja. Derken Hilsejn^in, xeftäli ääinin jantna 
varir varmaz, io.iua: ben Hkaiim; cojuk: jok, ben cikajim deje, 
hiTbirimizi ceküp sarsmä bailadtk. 

^S. Birbirinizi jere jaüramadinh ja, kanim kizim. 



42 

Zeti. Hemen o raddelere gelijordu. esnäda välidemle 
birlikie kurmu Sa^e moUa^) iceri girmezler-mi ? 

PeSm Aj, korkarlm-ki münäzäji büjilttänüz. 

Zen. Münäzä büjümedi amma, eli kirilasi^a välidem, zavaUt 
co^ua elinde-ki dejnekle hajU^a vurduktan aonra, cojuk güc hol 
ile disari kaca bildi. 

Pe6m Demek'ki tehlikeji savaiturdunuz. 

Zen. Tehlikeji savasturduk amma, o bizim Ila^e molla 
ötede beride : bizim komsunvn kizi Fehime tnollanln ölunu 
i^eri almls deje, can can can eträfa jajmä^) baüajin^a, artik 
tehammül edemejüp, baska bir mahallede iskjän etmek icün size 
viüra^ät etmeklije me^bur oldum. 

PeS. Pek güzel etmiisiniz hanim kizim, Hazir simdi-de 
elimin altinda bir häne mev^ud-dur, size o häneji istikrä edehm. 
Läkin hem häne sähibinnen görüsmek, hem-de vakit gecirmek üzre 
biraz raks ederseniz-de ben-de iindi size anahtari bvlur getiririm. 

(Calgi ojun havastJiP) caldiktan ve Zenne dahi biraz raks ettik- 
ien sonra PeSekJar gelüp, calgi sükjüt eder,) 

PeS. Bujurun hanim ktztm, Ute häne (dejüp jokarda tärif 
olunan iki kanadll evi*) gösterir, dejerek hänesine girer). 



(Bu esnäda calgi terennüme baslar. leer den uzun ve üstüvänevi 
ve dilimli, kirmizi koja bir kavü, ve üzerinde kirmizi ,^ilppe ile 
kirmizi salvar ve sari mest pabußu läbis, kisa bojlu, gäjet tohaf 
tabijätli bir herif bir kac defä sendelejerek, eträfi dolasirken, 
PeSeJcjav elinde-ki saksä kavüna vurur vurmaz, KavuJdu 
kemäl i tä^üble Pesekjarin jüzüne bakar.) 

PeS. Vaj, hofi geldin sefä geldln, derisi patlamiSf ipi kasnä 
kirilmis, derüni tozla dolmus, kenef aralarina atilmis bekci davulu. 

Kav. Vaj, hos bulduk sefä bulduky kajiklarda kalmis, idini 
dlsini sicanlar jemis, pis-pis kokmus, her taraft delik-desik olmus 
lapseki kavutm.^) 



^) Hadschdsche moUa, zusammengezogen aus Hadtdsche. Der Titel 
molla wurde früher auf jeden gebildeten Mann oder Frau angewandt» 
heute wird derselbe bloss für Weissagerfrauen und ältere Männer ge- 
braucht und in dieser Eigenschaft; nur im Munde des Volkes. 

') Tschan tschan eträfa jajmak viel schwätzen, aussprengen. 

^) Oiun havonsy Melodie, die im Spiele angestimmt wurde. 

*) ifci kanadly ev. Ein Haus, dessen Thor aus zwei Flügeln besteht. 

^) Lapseki kavunu. Lampsaker Melone. Ausserdem bekannt: Vzun 
köprü kavunu (Ort bei Edirne), top atan (Um atar Winde lassen) kavunu 
(längliche gelbe Melonenart), Hassan bej fcavunu (gelb), Izmir kavunu 
(grosse Melone mit gestreifter Schale). 



Pe4. Vaj uian. henim lapgeki kaviinuna nerenii beazettin f 
JCav. Ja, sen-dn beni hekci davuluna neremi henzettint 
IPeü. Ildhi ünrntli, öjle kirmiziU sarUi, orlada geündini 



44 

görünße^ bajram gelmis-te üzeri vergilerle setr olunmus bekci d-a- 
vuluna*) benzeti verdim. 

KaVm Ja, ben-de seni sip-sivri ortada görün^e, lapseki ka- 
vimuna benzettim. 

Peim Herne hol ise ^anim, zann edersem siz beni tantja- 
madiniz. 

Kav* EWette birez güclükle tanidim, cilnkü biraz tüjlerin 
dökiUmüi. 

Pei» Ulan, hajdi ordan ; ben köpehmi-jvn ? 

Kav* Dianim, hattä aiz jedi kardastiniz-da senin gözlerin 
ötekilerden cabuk aHldi. Bidäre kardaslarinin gözleri henüz kapalt 
oldü mimäsibetlef zavaUUarin altirini-da araba cijnedi. 

Pei. Stn ädetä edebsizlenijorsun. Ben seni eski dostlarim- 
dan ve hattä pederlerimiz dahi kardas gibi gecinirlerdL 

Sav. Pek cUä. Böjle oldü halda, gelir gelmez, sille tokat, 
bir takim sejUre benzetmenin ne münäsibeti var. Hie hol hattr 
sormak jok-mu ? 

PeS* Korkarimki Hamdi^nif bir feläkete ducär oldun. 

KaVm Sorma biläder, sorma. 

Pei. Aman ^anim, hajr ola, Ne oldu? 

Ka/V. Ne ola^ak? Bilirsin ja, bizim peder pek zengin-di, 
hattä ölürken bir dilim ekmek deje, bärdi, 

PeS* Evet evet, bilirim, Zannima göre, peder den kalan 
miraslari ötede beride zevk äleminde jejüp ictiniz-de, simdi biraz 
joksuUuk cekijorsunuz. 

Sxiv* Nasll'da bilirsin, Iste, bu joksulluk sebebine geje 
gündüz diisünüp dururken, artik zihnimde, bäri bir jere ölrak 
olmä karär verdim. 

PeS. Äferim Hamdi^ iSti sindi seni bejendim. 

ILav. Zäten benim akilll oldüm, kijäfetimden annasilijor. 
Her nejse, bu karärin üzerine bizim mahaüede meshur olan ve 
cok miisterisi bulunan käve^i Ahmed Äji görmeklije nijet ettim. 
D erhol süppeji salvari sirtima, kavü basimay pabu6larimi-da 
ajäma qecirüp käveß Ahmed Anin dükjanina. 

Pes. Iste karärinda durdündan dolaj, seni sindi pek 
bejendim. 

KaVm Ahmed Änin dükjanina girer girmez, selam-kelamdan 
sonra hälimizi kendisine anlattik. Ahmed Ä-da henüz ciräni def 
ettinden benim su fikrimi tahsln etti. 



*) Üzen vergilerle setr olunmusch bektschi davulu. Ein alter Volks- 
gebrauch, dass die Bektschi' s die Nachtwächter, die mit einem dicken 
Knüttel auf das Pflaster klopfend die Nachtruhe sichern, zum Bamazan 
von Haus zu Haus ziehen und mit Trommelbegleitung verschiedene Wei- 
sen (bektschi türküsü) singen. Die Belohnung besteht in allerlei Geschen- 
ken, welche auf die Trommel geworfen wird {Vergi = hedije Geschenk). 



45 

PeS. Eh, sonra} 

Kav. Sonrasi ne ola^ak? Biz derhal peitamali belimize 
takup, öteje her i je käve ates verme bailadik. 

PeS. Allah vere-de hizmette hir kusur etmejejdin. 

Kav» Jok ä partim y jok. Hie bende kusur ede^ek surat 
lar-mi? Hattä birisi: Bamdi hir ates al, der demez, biz atik- 
llmizdan*) atesi herifin ciarasina tuta^ak-keriy hurnuna tutup-ta 
zavalli adamgäzin hurnunu jakmajalim-mi ? 

PeS. Aman Samdi^ eji bil-ki kovuldun. 

Kav. Jok ä 3anim, jok. Öjle ufak-tefek kusurlarla hie 
udam kovulur-mu ? 

PeS. Ä ^anim, herifin hurnunu jakmak ufak-tefek kusur- 
lardan-mi-dir ja ? 

Kav. Tesekkür etsin-ki suratini büs-bütün tutu stürm adik. 

PeS. Ask olsun, Hatndi. 

KaVm Hä, mälüm ja, ustamiz evli oldü iciln her ge^e evine 
gider, hen-de sabalajin Öteheri isleri görür ve atesi jakup sabä 
müsterilerini heklerim, 

PeS* Ejy demek-ki kävenin hizmetlerini artik eji^e öjrendin. 

Kav* Adam sen-de. Bir günde derken, hir sabah erkenne 
ujanup her hir islerimi gördükten sonra haSka isler aramä has- 
laAini, Bir-de düsänürken, öteden hir elmas trasli bir nargile el 
etmü baslamastn-mi?^^) 

PeS. Aman Hatndif hie nargile insana el eder-mi? 

Kav. Dsanim, iste bize etti ja. 

PeS. Orasi baska. 

JKxiv. Derken, öteki nargile : vaj, sen onu istejüp-te beni 
istemijorsun gibi, hir taktm sitemlere kalkin ja, o nargileninde 
elmas tras kismi7ii, öteden berü cok ri^ä ve nijäz eden cihuklarin 
kelibarli parcalarini hir er -hir er hajdi jehe, 

PeS* Hanidif sen ädetä hirsizlik edijorsun, 

Kav. Jok a janim, ne htrslzll? Onnar hana jalvardi, hen-de 
onnnri gezme götüre^em. 

PeSm Ja jebinde iken, ustan iceri gii'erse? 

Kav, Iste, benim düsändümde asil orasi ja. Derken 
tamani'dir kapuji aötim, oradan disari dikmak üzere idim. Hemen 
ustam-dir bir den bire karsulajinja, biz hajdl tekrar käveden 
icerije. 

PeS. Iste, hurasi pek müdhis. 

Kav. Bereket versin-ki sabä kejfine, ustam nargile ve 
cibuklara dikkat etmeksizin : Hamdi, hana bir käve pisir, deje 



*) Ätyklyk Hastigkeit, vergl. atyk davranmak hastig aufspringen. 
**) Nargile el etme haschlady. Das Nargile fing an zu winken (el 
etmek ungebräuchlich). 



46 

emr edin^e, ben käve kutusunun kapänt a&upf ^ezve indirmek 
üzere basamä basarak jokarija cikmakta iken, korku ile ajaklari' 
min titremesinden dolaj, ajaklarim basamaktan kurtulur kurtuL- 
maz, hajdi käve kutusunun icine. 

PeSm Aman Sci/mdi^ hie insan käve kutusunun icine 
siar-mi ? 

Kav* Dsanim, bizim käve kutusu epej büjiik-tü, hattä bir 
okka käveji birden alirdi. 

Pei. Eh sonra? Seni käve kutusundan disari cikarma- 
dilar-mi ? 

Kav. Nastl öikara^aklar ? Ustam kutunun basina gelir 
gelmez, biz kutunun bir kösesinde gizlendik. Artik kasl ne tarafa 
salarsa, biz öbür tarafa filan derken, kasik-tir bize tesädüf 
edinje, hajdi biz jiezvenin icine.^) 

PeS* Läkin insanin-da jezveje si^dlni senden isidijorum. 
Bakalim bunun sonu neje vara^ak? 

Kav. Derken üzerimize si^ak suju döker dökmez, heme 
kadar hajli haslandimsa-da, ustamin haberi olmamak icün ses 
ctkaramadik. 

Pei. Demek-ki ädetä sujun icinde müzmii-hal oldunuz. 

JKav. Hajt haj. Oradan 50p, ko^a tiräki fil^aninin icine^) 
giriip, u^tamiz bizi herife fil^anla toka etmez-mi?^) 

PeS. Vaj basina gelenler. 

KaVm Käveji bir jutuin, iki jutum, derken äcünsü jutumda 
herißn äzindan ve boazindan asä dar sokaktan gecereky mlde 
mahallesi dedikleri jere väsil olduk. Ne dersin, orada bir cok 
arkadaslar. 

PeS. Aman Hamdif bu ne bicim arkadafilar? 

Ka/v. Ne bicim olagak? Meselä bir tavuk budu, bakla, et 
parcalari ve bunun gibi bir takim ädi adamlar gülüsüp ojnasir- 
kenj geriden dir bir alaj kuru fasulja : varda, icerde kimse kal- 
masin, efendinin veßäsi geldi, deje bizi bärsak sokändan Herd 
döru itme bailamazlar-mi ? 

PeS* öjle ise, hajli hale^ana üradlnizi his edijorum. 

Kav. Säde biz-mi ja? Diger arkadaslar-da ßan ^ana, 
bas basa, göz gözü görmez bir halda idiler. Ar ad an bir müddet 
geöer gecmez, bir gürültü bir patirdi koptu-ki kendimizi kuburun 
idinde bulduk. 



*) Anspielung an jene Art des Kafifebereitens, dass man das in 
dscJiezwe befindliche Zuckerwasser siedend in die Schale schüttet. 

*) Oradan dschop kodscha tiräki fildschanynyn itschine, Dschop laut- 
nachahmendes Wort, gebräuchlich um den Fall eines Dinges ins Wasser zu 
bezeichnen. Vergl. schrak (Schlag mit Peitsche, Stock); tak^tyk (klopfen). 

^) Toka etmek die Hand reichen (elleschmek), prosit sagend die Gläser 
zusammenstossen (aus dem Italienischen). 



47 

JPeS* Iste hepsinden basklni, iu kvhura düsümnüz, 

KaVm Ne cäre? Oradan-da büjilk ve kemerli bir jerden 
ßüräklenerek, dorn deniz önüne ciktim. 

PeSm Demek-ki kuburdan läma^ lämdan denize clkmis ve 
artik selämetle irmiitiniz, zann ederim. 

Kav. Ne siktirir ? Ola^ak bu ja. esnäda janlmizda bir 
jangin zuhur ettiiiden, sakalar sa alalim derkeh ve ben-de alik 
alik baktnirken, saka bizi kirbaja, ktrbadan-da tulumbaja boiat- 
masin-mi ? 

FeS* Aman SamcH, iste buradan kurtulmasi haßt mmküL 

Kav. Herne häl ise, tulumba kollarini bir iki basar bas- 
maz, hortumun idinden 8u kavvettle hajdi evin tepesine. 

Peim Sakin ev janarken, birlikte janmajasin, 

Kav. Hajr. Ber^ket versin-ki jangindan häneji kurtarmak 
icün heniiz janmamiS bir konä sikilan tulumba hortumundan cik- 
timizdan, artik janmak belijesinden kurtvlduk. 

PeS. Pek giizel ammay janginin hitämindan sonra nasil 
damdan aiä inegeksin ? 

JSmv. Dsanim, vakit kalsajdi, bärir cärir kendimizi ja 
merdüven ve ja bir iple asäda bulurduk. Läkin biz öjle kirmizi 
güppe ve knvuklu sir-siklam islanmU bir holde gören cajlan gijer 
zann etmesi, in büs-bütün fenälastirdi. 

PeS. Korkarim-ki karada sejähatl braktiniz-da birazda 
havada sejähat ede^eksiniz. 

Kav. Tarn eji söjledin. Mähud cajlak ^üppenin ense tara- 
findan jakaladl gibi hajdi biz havaja. Jüksel jüksel daha jüksely 
hemen bei on minäre boju jükaeldik. 

Pei. Masallah, eji-ki asä baktikca gözünüz kararup, mlde- 
niz bulamijor. 

Kav. Nasil bulanniijor? Bir parca daha jühseldikten sonra 
bir gasjan, bir güriUtiL bir kijäviet, artik bar bar bärmä basla-. 
dlmda, cajlak ürkerek^ bizi asä brakmasin-mi? Brakir brakmaz, 
birde ujanajim-ki, henüz jatän icinde sicramis oldümdc.n, kendimi 
jatä diiser buldum. 

Pes9 Vaj ulan, simdije kadar ^an kulaj-ile*) dinnedlm sej- 
lerin demek-ki kjaffesi rujädan tbäret idi. 

Kav. Ä avanak, senin hie aklin jok-mu, ki hie ivisan 
käve ^ezvesine ve oradan herißn boazlna ve kuburla denize, ve 
hortumdan dama cika bilmesi mümkün-mü-dür ? 

PeS. Öjle ise, uzun uzadija gördüvüz bir rujäji benden 
baska annatagak bir adam bulamadiniz-7ni ? 



*) Dschan kulä fkulayy) ile dinnemek. Mit grosser Aufmerksamkeit 
zuhören. Vergl. ez dschän u dil äschik olmak sich mit dem ganzen Wesen 
verlieben. 



48 

KaVm ^anlm,Ä senin evvelden berü akilli oldwnu bildim' 
den ve iniallah m zürtlük vaktinda hu rujänln netißesi hajirll 
bir Sej olur deje, sana cmnatmä geldim, 

JPeS. Hajir-dlr insallah. 

Kav* Jallniz hajtr-dir olmaz, Bana hir is bulmali. Haitä 
geöerderde kunduraß Ahnied-üja clrak olduk ve hajli ktmdura 
dikmesini öjrendikse-de, zavalli adam^äz topu atti jäni fniiflüze 
clkti.^) Artik bizim-de durmamlz mümkün olmajaßändan, belki 
haska bir kundura^i dükjanina dlrak ve jähod elinizin altinda 
hos bir dükjan varsa, o dükjani kendin iiletmek üzere^) sana 
mnra^ät ejledim, 

PeSm Pek güzel amma hakalim sen ustanin janinda sökük 
potinneri jähod alti jirtik 'pabu^lari-mi tämir ederdin, joksa 
dörvdan döruja jeni kundura-mi japardln? Evvel^e surasini 
anlajallm, 

Kav. Ben hepsini japarim, Meaelä jeni kundura oldumu, 
altina ciriile potinin altina kalin^a hir deri japistlrdlm-mi, herif 
ajäna xokar sokmaz, ajä bir taraftan clkar. 

Pen* Dörusu, kvnduraßilikta vieharet-i fevktlädeviz oldüna 
simdi Inandlm. 

JKaVm EWette, benim gibt adik göz bir adam höjle kundn- 
raßllik gibi ufak-tefek Sejleri cabu^ak öjrenir. 

PeS. Nejse, iurda elimin altinda güzel bir dükjan var-dtr. 
Artik sermäjesi benden, islemesi senden^ sol sartla-ki kazandlviiz 
paranin jarisi senin . . . 

Kav. Jarisi benim, 

PeS. Bak Hamdi^nif dükjäni sana verejem amma ile- 
rüde : para kazanmadlmy söjle oldu höjle oldu, ham-hum sorolop^) 
istemem. 

Kav, Haj haj hiläder, ti^äret edelim, jarisi senin jarUi 
benim, geciniriz. 

Pes* Aman hiläder, az kalsln onutijordum, sizinkiler ne 
älemde ? 

Kav. Biläder, sen hu jalanjiliktan ne vakit väz geceßen ? 

PeS. Biläder, ne zeman jalan söjledim sana? 

Kav. Hcüä : jalan söjlemedirriy dejorsttn. Benim evim hile 
jok, benim gihi züft herif te kiler mutpak^) ne arar? 

^) Top atty jäni miiflise tschykty (hier fehlerhaft statt iflüsa tschykty) 
er ging zu Grunde. Top atmak Winde lassen. Hier wird dieser Ausdruck 
wahrscheinlich unserem «er liess die Hosen hinunter = er verlor seine 
kraft» entsprechen. 

') Dükjany ischletmek. Ein Geschäft versehen (betreiben), z. B. hen 
hu dükjany Uletirim, Auch alysch vefisch etmek, Handel treiben. 

^) Ham-huni scliorolop etmek. Seitlings stehlen, begaunern. Dieser 
Ausdruck ist hauptsächlich in der Gaunersprache gebräuchlich. 

*) mutpak ist die vulgäre Aussprache anstatt mutfak (ar. matba/). 



49 

FeS» Ä biläder, ben sana kilerden mutpaktan bahs etmijo' 
ruMy familjanlzdan bahs edijorum. 

KaVm El'hamd ül'illah, iki sene dir fanela gijdlm jok.- 
Kisi pamuklu hirka ile cikarijorum , 

PeSm Dianim, sana fanela dejen oldu-mu ? Familja dedim, 
jäni karlni sordum. 

Kav* Sorma biläder. Gecen scnr bei on okka alwiitlm, 
baktim ki havalar sijak gidijor, erimesinden korktwm, dondurma 
japtlm. 

Pei* Of biläder, ßanimi sikmä basladin. Ben sana karint 
dordurmani sormijorum ; ^anim, sizia kasik düsmäni jok-mu ? 

Kav. Onlari kariitirma biläder. Eve kasik dajandirami- 
jorum. Bizim köröW) biraz viundar^ana dir. Kasiklari jäli 
brakijor, kasik düsmälari-da bizim evde pek cok'tur, birer birer 
götürijorlar. 

Pes. Dsanim biläder, senin bti gün sözlerin kep abuk- 
sabuk.^) 

Kav» benim pek ahpabimdir. 

Pes. Kim} 

Kav. Arnaut Sadik. 

PeS. Dsanim, Arnaut Sädt kirn sordu? Sözlerin setrepeki 
diry demek isterim. 

Kav. Ah, simdi sii ä^larin altinda olsa-da bir nargile 
doldursam icsem! 

PeS* Dsanim, nargilenin burda münäsibeti .... 

Kav. Dsanim, sen biläder, sert tömbeki^) demedin-mi? 

PeS* Inan olsun biläder, bu gün senin edeb ile erkjänin jok. 

Kav. Dün gördüm. 

PeS, Neji gördün ? 

Kav. gebe dükjäni. 

l^es. Ulan köftehor, gebe dükjan olür-mi? Sana edeb ile 
erkjändan bahs edijorum. 

Kav* Bir evle iki dükjandan mi bahs edijorsun? 

PeS. Artik ^animt sikmä bnsladin Harndi. Bak jaurum, 
aksam olun^a eve gi der sin, kapiji calarsin; kapiji sana 
kirn äcar ? 



^) Bizim körölu bedeutet hier meine Frau. Dasselbe will auch 
kaschyk düschmany (Löffelfeind) ausdrücken, welcher ausserdem auch 
Maus bedeutet. 

*) Sözlei-vn kep abuk-sabuk. Deine Worte haben keinen Sinn. Das- 
selbe bedeutet sözlerin setrepeki dir. Auch satschma sapan söjlemek zerstreut, 
sinnlos hinschwatzen. 

^) Missverstehen einiger Wörter wie ahvksahuk (sinnlos) und 
Amaud Sädik ; setrepeki und sert tömheki; edeb erkjan und gebe dükjan: 
Derartige Missverständnisse kommen auch in den Karagöz-Spielen vor. 

Das türkische Volksschauspiel. 4 



52 



(Soka Hkarak davul zuma calar, bir kaü kerre mejdani dolasir. 
Kavuklu bunu görmez, nihäjet dükjäninin önüne gelerek:) 

Zem. Bak-sana ähü, siz burada ne^i siniz?^) 

Kav. Neßs dejilim efendim, majis boku-jim. 

Zen» Ah ilähl, ne tohaf adam. Sej, baksaniz-a, siz adarn-mi 
siniz kuzum ^ 

Kav* Hajr adam dtl-im, ejinni-me^inni.^) 

Zen. Aman ejinni baba, beni darpma. 

Kav* Hie tanimam, vallähi carparim. 

Zen. Ilähi pic kurusu.^) 

Kav. Sefä geldin, soba borusu. 

Zen. Aman sen-de, ejlenme dejorum, Hele Su basiui kaldir- 
'da bikerre jüzünü görejim. 

Kav. Kaldirirsam olmaz ktzim, görürsen korkarsin. 

Zetl* Aman sen-de, kaldir jüzünü dejorum. 

Kav* (basini jokarija kaldtrarak, ve Zennenin^ jüzüne 
bakarak) Vaj kajmak vaj. Ulan, ne güzel-mis bu be. Sej, bak- 
'Sana biläder ä, ajäni öpejim, otur-da bir er kahve icelim. 

Zeti. Ah ilähl ne tohaf. Hic-te böjle maskara adam gör- 
medim. Ajol, kadina öjle : biläder ä, otur-da kahve icelim, 
denir-mi ? 

Kav. Ja, ne demeli? 

Zen. Aman nekadar-da güzel, jakisikli delikanlL Aman o 
gözler, o kaslar, o kirpikler, püskürme benner, ^) in^i disler, cekme 
burun, süzme gerdan, bajildim bittim. 

Kav, Hoppalä. AI bundan-da bes paralik.^) Güzel falan 
deje benimle ejlenijor. Hos, ben-de pek cirkin dilim-ä, evveli 
ajnaja bakardim-da kendimi ben bile bejenirdim, Simdi ise, on 
sene dir ajnaja baktlm jok-ki güzel oldümu bilejim. Zann eder- 



^) Nedschi dniz? Ncdschis de^iliw, majys hoku-pwi. Wap' ist dein 
Handwerk? Ich bin nicht schmutzig (ar. nedschü unrein, schÄrtitzig), ich 
bin Maidünger. Majjjs boku Maidünger soll guten Geruch haben, folglich 
wird der Vergleich wie «ich bin wohlriechend» ausfallen. 

*) Edschinni-medschinni. Eine Art von Dschinnen. Anstatt des Aus- 
druckes «dschin» gebräuchlich. 

^) Pitsch kurusu, gemeines, uneheliches Kind, Bastard. Als Schimpf- 
wort gebräuchlich. 

*) Püskürvre henner, tschekme burun, süzme f/erdan. Ausdrücke fü? 
auffallende Schönheit, wie z. B. kara kaschly, kara gözlü, kütschiidschük 
äzly, mini mini hurunht, uzundscha hoj, uzundscha (/erden, püskürme ben, 
etine doUfun, aktsche päktsche, hpjazdsche mejazdsche^ ischveli-mischveli, tschiti 
piti fyndyk kurtu gibt (wird von einem Mädchen gesagt). 

^) Hoppalä, al bundan-da besch paralyk. Höre mal, kaufe mir etwas 
um fünf para ab. Ein Ausdruck zur Bezeichnung der Verwunderung. 



58 

sem, hanim efendi, siz bana abaji jaktlntz.^) Siz bana abaji jak- 
tlnizaa, ben-de sizin iciln kebeji tutusturdum. 

Zen. Ah ilähi^benimneremisevdiniz? Ben öjle ähim-iähim 
giizellerden-mi-jim ? Säjed tenezzülen böjle ara-sira görüsme rrtuvä- 
fakat ederseniz görüsürüz, zirä sizi janlmdan hajätimdan zijäde 
sevijorum. 

Kä/v. Aman sähi-mi söjlijursun ? Senin kimsen jok-mu ? 
Anan, baban, ko^an, filan-falan? 

Zen. Hajr efendim, benim ne anam var, ne babam var ; 
AJlahtan baska kimsem jok, 

Kav. Tipki benimki-de öjle be. 

Zeil. Golünuz'öo^ünuz vardir tabi. 

Kciv. Jok jok\ daha heniiz benim kismetim cikmadi.^) 
Kelepir beklijoruz kelepir.^) 

Zen. Sej, aman utanijorum ; ä^ebä aöjlesem-mi ? 

Kav. Söjle jaurum söjlcy sikilma, söjle. 

Zen. Ä^ebä acsam-mi,*') nereden baslasam? 

Kav. Sinsileden baüama-da, nereden baslarsan baila. 
Hern senin äzinda bir iejler dolasijor^) ninma anlamijorum. 

Zen. Aman ne olursa olsun, söjlerim. Bak kardasim, 
benim- de kismetim cikmadi-da^ onun iöün söjlijordum. Ajib 
amma ne ise, 

Kav. Allah Allah, ßanim böjle sejler hie ajib olurmu ? 
Her ne ise, sen simdi git-te birazdan bizim Hüsejn efendi gelir, 
ona isi anlatlriz ; ne derse, ona göre bir cäresine bakariz (der, 
Zenne gider). jf 

(Gäjet ükk gejinmis, elinde bir baston, gazel okujarak zurna 
calarak,^) mejdana bir JBej gelir, Bir kac kerre dolasttktan 

sonra kendi kendine,) 

JBej. Of, sevgilimi isittim-ki bu semte gelmis, ve burada 
bir ev tutmus, kendi kendine oturijormus. Evinin karsisinda 
riväjete göre bir- de kunduraßi dükjäni varmis, Evet, iste kundu- 



^) Siz bana abqjy jaktynyz. Ihr habt mir den Mantel angezündet. 
(Ihr habt euch in mich verhebt.) Ben-de} dzin iUchün kebeji tutuschtur- 
dum. Auch ich zündete den Mantel für euch an. (Auch ich verliebte mich 
in dich.) 

') Henuz benim kismetim tschykmady. Mein Anteil kam noch nicht 
ans Tageslicht. I^h bin noch nicht verheiratet. 

5) Kelepir beklijoruz kelepir. Wir warten die gute Gelegenheit. Ke- 
lepir bedeutet auch: Zufall. 

*) Adschebä atschsam-my ? Soll ich es eingestehen ? 

^) Senin ayzynda bir schejler dolaschijor. Es geht dir etwas im Munde 
herum (du willst ptwas sagen). 

®) Schikk gejinmisch, gazel okujarak, zwna tschalarak. Elegant ge- 
kleidet, «in Gedicht lesend od. singend, Flöte blasend. 



54 

raß sui'da, karüda-ki bu ev ola^ak. Simdi dörvdan döruja kapiji 
dalmaic olmaz, su kundura^i-da abdal bir herife bemijor. Sana 
gidejim, göjnünü japarak, ^evgilijnin evine kadar gönderirim (der, 
dükjänin önüne gider). Baksan-a efendi bdba^ iurada oturijov' 
sunuzda sizi adama benzettim^ äff edersiniz» 

JKav. Hajr efendim, adam dilim, mola tasi-jim, mola tail^) 

JBej» Dianim baba, mola taii lakirdi söjlermi? 

Kav, Vapor-um ölum, vapor. 

Bej» Pete älä, hajdi dljelim-ki vapor-sunuz. Ne zeman. 
kalka jaksintz ? 

Kav. Javrum, bizim vapor sabäha karii kalkar ; inan- 
mazsan, gel- de su önümde-ki puaulaja bak. 

JBej. Haklkatta tahafsiniz. Size bir sej sorsam, ^evab 
verirmisiniz? ve gönderejem bir jere gidermiainiz ? Säjed benim 
bu iüeriyni göre^ek olursaniz, size bir öok paralar veririm. 

Kav. Para olduktan sonra vizir-vlzlr^) görürüm. 

Bej. Berti dinle. Sana istedin kadar para. Su karsi-ki 
evde kirn oturijor, bana döru söjle. 

KaVm Ölum, o evde oturani karistlrma. Zirä bunun burada, 
ve size en jakin bir jerde sevgilisi var. 

Bej. Kim-mis onun sevgilisi baba? 

Kav. Kir% ola^ak, hajvan öbi, ben-im Ute. 

Bej» Allah bäslasln baba, benim gözüm jok. Läkin benim 
kendisinnen biraz isim var dir, ve benim jabanßm dil, akrabäm-dlr. 

Kav. Vaj köpölu, bana kimsem jok dedtdi, bak akrabäsi 
varmis. Hernie ise, para verirse, bunun iiini görürüm. Bak-sana 
ölum delikanll, isin ne dir, ve kac para verijorsun ? 

Bej. Bahaßm, isim pek kolaj. Hele su bir altlnl bahsiS 
olarak al ve karsida-Jd eve git, kapiji cal, Kinnap^zade bep) 
gelmis de. 

KdV* Ulan, ben bu herifi tanijaßäm, Bak-sana ölum, senin 
bir 'de amußan olarak, zann edersem ismide Halat-zäde dir^ 
Senin bir-de damasir ipl jengen, kvju ipi halan olarak. 

Bej. Hajr baba. hajr. Ben Kinnap-zäde isem, klnnap* 
zädelik bize dedemizdeii mirastir. Anlajamadinmi? 

JSjiv. Af edersin ölum, ben öjle zann ettint. 

Bej» Git karsiki eve, kapuji cal; kapu acllir-acilmaz, 
Kinnap'Zäde bej gdmis de. Herne derlerse, gel bana habet ver» 



^) Mola taschy. Grosser breiter Stein, auf welchen Lastträger um 
Atem zu schöpfen ihre Last eine Weile niederlegen. Wird auch rahat 
tOrSchy Euhestein genannt. 

*) ^^yzyr vyzyr rasch, behende, leicht. 

^) Kynnap zöde, Halat zäde, Tachamaschir ipi jenge, Kuju ipi hala 
Strioksohn, Schiffstausohn, Wäscheseilvetter, Brunnenseiltante. Ausdrücke^ 
welche aus Missverständniss des Wortes hjnnap entstanden sind. 



Kamfiur oder Tirjaki. 

Kav. Peki efendim (der gider. Kapiß calarak, tcerdenj, 
Zeit, Kim dir, kim dir, kiin dir o 9 

kirn dir, kim dir, kim dir o ? 



56 

Smv» Camasir ipi-mi, kinnap-mi-diri o gelmiL 

Zen. Ajol, camasir ipinin faUm hize lüzümu jok. 

SJav, (beje hi täten) Bak-sana bej efendi, senin onlara 
lilzümun jokmus. 

Sejm Neden bildin, budala» 

Kav. öjle söjlediler, ben ne bilejim ? 

Jiejm Sen onlara ne dedin? 

K.at\ Camaiir ipi-mi, kinnap-mi, ne dir, onu getirmiiler, 
uiermixiu dedim. Onlar hajr istemejiz, dediler. 

Bej, Sen janliS aöjlemihin. Git onlara de-ki : 

Karanfilim suja düstü, 

zümbiüüni'SÜn ften benim, 

iki kaiin arasinda, 

bir giUüm-sün sen benim ; de-de geh 

(KavuMuja su bejti bir kac kerre tekrarlatlr, Kavuklu 

giderek Zenneni/n kapisini dalar.) 

Kav. Bak'Sana ähü, sej dedi. 

Zen, Ne dedi, ajol. 

Kciv. Kara esek suja düstii, 

siimümü je sen benimm 

iki kasik Ute al-da, 

götümü jesen benim. 

Zen. Ä ilähi, öjle dememis-tir ajol. 
Kav. Ja ne demis-tir? 

Zen. Karanfilim suja dästäy 

zümbülüm-sün sen benim, 
iki kasin arasinda, 
bir gülüm-siln sen benim, 
demis-tir. 

Kav. Vaj köpölu, sen ne bilijorsun onun söjledini ? 
Zen. Bak'Sana kuzum, bu lakirdilari sana kirn söjledise, 
sen-de benim icün de-ki : 

Karanfil-sin karärin jok, 
kon^e gül-8Ü7i morärin jok, 
ben seni severdim amma, 
senin ondan haberin jok. 

Kav. Peki efendim (der gider). 

Bej. Ne dedi? 

Kav. Sej dedi. 

Bej. Ne söjledi, cabuk ol, söjle. 



57 

Kav, Karanßl'sin karärin jok, 

kof eSek'Sin timäriti jok, 
hen seni sevmem ämma 
senin benden haherin jok, 
dedi. 

JSej* Hajdi oradan mundar herif, öjle dememis-tir. 

Karanßl-Bin karärin jok, 
konße gül-sün morärin jok, 
hen seni severdim amma, 
senin ondan haberin jok, 
demis-tir. 

Kav. Vaj köpölu köpekler, haj. Bunlar birbirlerinin lakir- 
dilari hilijorlar be. 

JSej» Git söjle, K.inna]}^9^ö,de gele^ekmis, de; ne söjler- 
Urse, gel hana haber getir. 

KaVm Peki efendim (der gider, kapijt calar). 

Zen» (ideriden co^uk ujutur gibt ninni söjlejerek)^) 

e — e—e — eje, 
hol sovanli börülße, 
jesin javrum dojun^a, 
karga aeni tutarim, 
kanadint jolartm, 
jelpäzeler japarim, 
ktsin niangal jakarim^ 
jazln sinek korartm; 
ninni. 

Kav* Haj köpölu, hani bunmi kismeti cikmamisti ; gäUbä 
hu'da kismeti cikmadan döranlardan olmali (tekrar kapijt calar), 

Zen» (icerden) Ajol, ne istijorsunue, co^uk ujutijordum, 

K.av. Kinnajy-zäde-mi dir, H.alat'Zade''mi dir, 
eiek-zöde-mi dir ne dir, buraja gelmek istijor, ne dersiniz? 
Bak'Sanä, buraja geldi, bir Sej dil, iderde ajiblik falan japTnaja- 
siniz hä. 

Zen» Hajdi oradan utanmaz, söjledl lakirdija hak. Ben 
senin bildtn, bir takim vjgnnsuz makülesi gibi fenä kadinlardan 
dejil'im. Aliin allah, senin äzini tutun^a jirtarim. 

Kav* Ulan, benivi äzim mutpak pacaurasi-mi-dir ? 

Zen» Aman sende vzatma. Cabuh söjle-de gelsin. 

Kav, Sej efendi bnjurun, cärijorlar. 



*) Ninni söjler. Singt ninni. Ninnilied, Schlaflied, um Kinder zu 
beschwichtigen und einschläfern. Dazu dienen ganze volkstümliche Lieder. 



58 

Bej» Tesekkür ederim^ hu hizmetinizden memnün oldum. 
Su bei altini aliniz-da har^lik ediniz (dejerek Kavukluja bei 
altin vererekf evden iöerije girer), 

(Davul zurna calarak, Kavuklunun ustasi olan PeSekjar 
Siisejfi efendif elinde biraz kösele ve säire oldü hcdda mej- 
dana gelir. Bir kac kerre dolaitiktan sonra dükjäna geler ek ve 

Kavukluja hitäben:) 

PeS. Ute geldim, istedln kösele, civi ve sair iejleri getir- 
dim, Görejim seni, güzel-güzel kunduralar ve fotinler jap, ßamak- 
iana koj. Ben-de sana müsteri bulurum, birer bir er satariz, Se- 
rbinnen geciniriz, 

Kav. Baksanä Hiisejn efendi biläder, ben bu sanättan 
väz gectim. 

Pes» Väz geömenizin vechi? 

Kav» Burnuna sok kirecli üstübe^i, 

Pes* Ulan, kireö laktrdtsi falan jok ; jäni sebebi ne, derinu 
Mädem-ki kundurajilik bilmijorsuv , ve japmaja^aksin, bana bvti- 
lari ne icün aldirttin ve ne icün masraf ettirttin ? 

Kav» Biläder, ben sana kandura^ilik Hmem, bilmijorvm 
demedim, Bugün sen kösele almä gidin^e, su karii-ki evden hir 
kadin cikti, ilkön^e benimle bir müddet ejlendikten sonra benim 
kimsem varmi jok-Jim deje sordn; ben-de tabi jok-tur dedim. 
Sonra kendisi-de bana kimsesi olmadlndan bahs etti, benim gö- 
zilmil kaiimi ve säir äzälarlml ajrl-ajrl meth ederek ballandirdt, 
halbu-ki hesapca benim on sene dir ajnaja baktlm jok-tir. Güzel- 
-mijim, öirkin-mtiim bileviem. Herne hal ise, böjle bir taklm lakir- 
dila/rla benimle ejUnilp alaj ettikten sonra kalkup evine gitti, Bu 
gittikten ve aradan bei dakika gectikten sonra uzun^a bojlu, kara 
kas, kara göz, kara bijildi gäjet tenik ve sikk gijinmis bir bej 
geldi, geldi ve bizimle bir müddet alajdan sonra : efendi baba, 
sana bir sej söjlejeßem, eger japarsan, sana bir cok para veririm 
dedi. Ben-de ne jalan söjlejim Hiisejn^itn^ para bu, dajana- 
madtm. Gittik klza, herißn geldini haher verdik, o ona o ona 
bir takim bejt laMrdilar gönderdiler, nihäjet hanimin izninnen 
bej efendi evden icerije girdi. Biz burda bojnuz dikemejiz,^) 
herif evde rahat-rahat karlle muhabbet etsin, biz burda äzimizin 
sujunu akttalim. Karija söjlersin, arada-sirada beni-de icerije 
alir, joksa ben burada kalmam, döru^a giderim, kapusinin cer- 
cevisini taslarla kirartm, 

PeS. Aman biläder väz gec, masa dururken atei elinen 



*) Biz burda bojnuz dikemejiz. Wir werden hier nicht die Kuppler- 
rolle spielen. Bojnuz dikmek bedeutet wörtlich «ein Hörn stecken«. 






59 

tutuLmaz. Bu karinin Tuii^suz MuMaja^) isminde gäjet sarhos, 
kestl kestik biöti bictik^ bir dostu var-dir ; gidejim ona haber 
verejim, o gelsin^ m ana haväie edelim. Sen üst taraßna kariimaä 

Kav* Biläderf döru söjlijorswn amma bu seferde o herif 
iierije girer, onu hie öxkartamxijiz. Jol jakin-ken atei sacä gar- 
madan^) gidejim ben, su iöerde-ki herifi cikari-verejim. 

JPeS, Hajr hajr biläder, ilisme. Ben iimdi gider TuüfSUa^it 
haber veririm, o onun kakkindan gelir (der gider). 

(Aradan biraz vakit geder, JPeSekjar gelir. Arkasindan davul 
zurna, sarkos haväsi calarak, uzun bojlu, sijah iri bijikli, basinda 
kefije sarili, ajända potin, äzerinde salta,*) belinde kuiak, ve 
icinde büjük bir jatän picäf elinde daki bir binlik iise^) oldü 
halde nära atarak Tuiüsuz Mustafa mejdäne gelir* Bir iki 
kerre dolastiktan sonra FeSekJara hitäben:) 

T* Mu8t* Buraja bak be, Hüsejn efendi. Benim sevgi- 
Urne kirn iftirä atijor ? Eve jaban^i erkek alijormus deje kirn 
sö'jlijor ? 

JPeS» Aman efendim, bendenizin bu bapta isjänim jok-tur. 
Bana mälumät veren, su karsida kundura^i dükjanda-ki kundu- 
raß-dir, ismi-de Kavuklu Hamdi dir. 

T» Mvst* (Kavukluja hitäben :) Buraja gel be, domates 
kafali herif. 

ILav. Aj anneßm, herif belinde-ki picä ve omzunda-ki 
tüfeje bak. Kerata, raki kunturaccisi^) gölibä. Elinde bir binnik 
dolu, äzi-da les gibi raki kokijor. 

T. MMSt. Buraja bak be. Sen benim ^änänlmin evine 
JSjin/nap^äde girdi, demisin. Ulan habis, benim evime dejil 
kinnap, makara tiresi bile girmez be. 

Kav. Öjle amma biläder ä, herif iderde, derdini ona anlat. 

T. MJust, Vajy demek sen benimle ejlenijorsun Ää, ad su 
äzini, tüfeji bir patlajojim, karnini dumanla dojurajim. 



^) Tuzmz Mustafa auch Tuzsiiz Bekri Mustafa ist eine Volkstype 
des besoffenen Schmarotzers. 

*) Kestiji kejftik bitschtiji hitschtik bir adam. Mordskerl (sein ge- 
schnittenes geschnittener, sein Gemähtes gemähter Mensch). Der, wenn 
er etwas sagt, es auch thut. 

^) Ätescli satschä samiadan. Bevor das Feuer das Gesims erreicht 
(bevor die Sache offenkundig wird). 

*) Salta kurzes Wams, welches besonders von Handwerkern (esnaf) 
getragen wird. 

^) Binlik schische. Eine Tausend Drachmer Flasche, die 1000 Drach- 
men Wein oder raki enthält. 

*) RaJci kunturatschtf:chi/si/. Süffle, Sauffer. Es muss irgend eine ver- 
deckte Bedeutung unterliegen. Keinesfalls ist dieselbe: Schnapsagent. 



60 

Kav* Zähmet etme biläder ä, simdi karnimi dojurdum. 

T. Must* öjle dejil he, in pidä jeni Mlettim, ej baüm-da 
bakalim hir vuruita kestire bile^ekmijim, te^rübe edejim. 

Kav. Aj basi*) gelmedi daha biläder, hem-de tesräbe ede- 
^ek bir iej bulamadin-da benim basimi-mi buJdun? 

T. JÜIust. Ulan bana bak be, senin baiin kad para eder 
be? Demek'ki bir öätlak baü^ benden s^ktijorsun ha? ölümler- 
den öläm bejen be. 

Kav. Jaurum ölum, imie git iiine, Catlak-matlak ben hu 
kafaji eilt sene dir kullanijoruni, iimdilik'te benim isimi görijor. 
ölümlerden ölüm bejen dejorsun ; daha benim genclim var. Hajdi 
jidim iiine. 

T.^JUCust. Ulan, buraja bak be. Benim näzenlnim Äk- 
sarajli CUhorozun kizi, Salklm In^ ha/nlm buraja gelmii 
ve karsida-ki evde dejoraunuz. Söjle-de geUin. 

Kav* Peki efendim (der gider). 

T. Must. Buraja gel. 

Kav. (gelir). 

T. Must. Benim aldhn lahöri sali bälasin-da geUin. 

Kav. Peki (der gider). 

T. MvsU Buraja gel. 

Kav. (gelir). 

T. Mtist. Benim aldlm küpeleri taksin-da gelsin. 

Kav. Peki efendim (der gider). 

T. Must. Buraja gel. 

Kav. (gelir). 

Tn M!ust. Benim aldlm ipekli salvari gijsin-de gelsin. 

Kav. (durur gitmez). 

T. Mvst. Ne durijorsun be? 

Kav. Ulan kerata, sirket vaporu**) gibi beni seksen kerre 
jnldan cevirdin. Daha baska söjleje^en varsa, hepsini birden 
söjle-de, ona göre gidejim. 

T. MlMSt. Daha durijorsun burda, dabuk ol bS. 

K.av. (gider, Zennenin kapusunu calarak) Buraja bak 
hö, salkimli ingi-mi-sin ne sin, mandirali Tv/ZSUii^ Bekri 
Mustafa gelmis, seni mejdanda beklijor. Taksin takiSürsin, 
caksin caktstirsin-da gelsin, dedi. 

Zen. (iderde-ki K.innap'^ädeje hitäben) Aman bejim, 
ri^ä ederiin, bizim kör olasi herif gelmii, savusunuz, size zijäni 
dokunmasin bejim. 



*) Aj haschy der Erste des Monats. (Bei Frauen die monatliche 
Reinigung.) Ausdr.: hnnun aj hanchy var er ist im Monate einmal verrückt. 
**) Schirket vaporu gibi. Wie ein Propeller, der nämlich immer von 
einem Ufer zum andern fährt. Zugleich Name einer Schififsgesellschaft. 



Sej. Aman, öjle ise iu benim elbiselerimi getir-de ben 
gavuiajim. 

Kuv. Haj köpölu, hak soru görän^e naxil savuSijor, 
Ka&ma-da bak, Tussu« MtiMajä tenin hattlul belli etsin. 



Zen, (Kavuhluja hitäben) Bak-sana ajol, aen git aeläm 
söjle, ben gidijorvm. 

ILav. (mejdänn gelir, Tuzsuza hifäben) Seläm söjledi, 
gelijor, der, 

(Davul zur na cnlarak, Zenne gelir, Tu»su»a hitäben.) 

Zen. Vaj blvefä, artlk beni imuttun, öjle ja. Kim bilir 
hangt güzel kadinlarla zevk-ü sefä edüp ejlenijorsun, JazikLar 
olsun. Ben-de seni bir vefäli zann ederdim, Inan olsun, sen 
blvefä imiisin. Sizi hangt rüzgiar bnralara atti? 

T, Mu8t. Ah ana^lni, senin üzerine gül koklajanin gül 
kadar ömrü olaun."^) Ben senin icün geje-gündüz älijorum, Evden 
taünmUsin, bir kerre mälumät vermeU jok-mu ? Ben seni bir 
dok kerreler aradim, nihäjet bulamadim, Bereket versin^ JPe- 
SeJeJar Müsejn efendi, senin benim dostum oldünu bilir. Senin 
€ve jaban^i erkek aldlni haber verdi ve evi tärif etti. Ouun üze- 
rine geldim ve sana havuStum, 

Zen» Öjle ise, bujurunuz efendim, burada uzun uzadija 
görüsmek olmaz. Eve gidelim-de muhabbetimizi orda ederiz (der, 
calgl calarak Mvstafä ile birlikte ece giderler). 

Ka/v* (kendi kendine) Haj köpöllar, ben-de size rahat 
verirsem, bana-da KamiMu Samdi demesinler. Ben-de iimdi 
mahalle kävesine gider, mahalleli getirir ve bu heriß burdan 
4ikar%rim (dejerek gider, calgi calarak JPeSekJav gelir). 

PeS» (kendi kendine) A^äjib, bizim Hamdi efendi nereje 
gitmis? Dükjanda jok. Herne hal ise, beklerim. Simdi nerede 
ise, gelir. 

(Davul zurna calarak, K.€t/vukiu önde, arkasinda Kinnap- 

^i^ade, daha arkasinda Pepeme tirjakif onun arkasinda 

tTahtidi ve säir mahalleli, sekiz on kiii gelirler.) 

PeS» (Kavukliija hitäben) Biläder, bunlar kirn ? 

Kav. Sorma, karslda-ki Salklm In^i Tu»suz MustU' 
J'äji iderije aldi, simdi gidüp mahallellle beraber evini basa^äz, 
o herifi'de ordan cikarta^äz. 

Pei* Hajdi, öjle ise ben-de sizinnen beraber giderim. (Calgi 
-calarak ve ,jümlesi birden tiirkü söjlejerek, mejdäni dolasarak, 
Jcapunun önüne giderler.) 

Sej. (kapuju calar) Bak-sanä Tuzsuz Mustafa^ ma- 



*) Senin üzerine gül koklajanyn gül kadar ömrü olsun. Dessen, der 
nach dir eine Rose riecht, soll das Leben wie das der Böse kurz sein. 
Liebe ich (nach dir) von nun an eine andere, soll mein Leben wie die 
Hose hinwelken. 



63 

haUe arasinda böjle kej olmaz, cekersem hancerimi stnende alt- 
rim 8olü. 

Ti/rjähi. Bak-sanä Tuzsui^ 3Iustafä hö, atarsam enßje 
kutv^unu, bejninde alirim solü. 

Jahudi. Bak'Sanä TurSu^u Mustafa, alirsam pabuß- 
lari koltÜTnun altina, JBalatta^) alirim solü (dejerek ^ümlesi 
birden kapuju calarlar. Tu»suz Mustafa elinde pidä oldü 
halde disarija clkar, mahalleli bundan korkarak, her birisi bir 
tarafa koiarlar, mejdan bos kallr. 

Zen* Aman, baslma bir belä gelmeden ben-de savmup gi» 
dejim (dejtrek savuiur gider ; calgi calarak Kavuklu ile JPe^ 
Sekjar gelir). 

JK.av. Biläder, ben artik bu belcUi jerde kunduraßlik 
^tmem. 

PeS. Dorn biläder, ben-de artik bu dükjäni uguz-pahali 
demejüp, satip su mahalleden gide^em, 

Kav. Ho8 olsun, bugün elimden u^uz kurtuldun, kerne 
kadar suc-i lisanda buLunduksa-da off da. InsaUah ßumä günü 
Sandikli ojnunda, jakan elime gede^ek olursa, ben bilirim 
Sana japaßämi (dejerek, her ikisi-de jerden temennä ederek, calgi 
Calarak, mejdändan öekilirler, ojun-da hitäm balur). 

Das Schuhmacher-Spiel. 

(Nachdem die Musik gespielt hatte, tritt Pesekjar auf den Schau- 
platz. Pciekjar trägt einen roten Kaftan, rote spitzige Mütze, in 
«einer Hand hält er ein Sakiak, nämlich einen gespaltenen Stab.) 

PeS. Nun, mein Held? 

Jemand von Innen. Zu Befehl, mein Held. 

PeS. Auch das ist nicht die Bechnung. 

von Innen. Was ist deine Bechnung? 

PeS. Ich habe mir die Aufführung des Schuhmacher- 
spieles vorgenommen, die Musiker sollen spielen, dass ich es 
den Zuschauern aufführen kann, 

(Die Musik spielt eine arabische Melodie, und nachdem eine 
Zenne genannte, ohne Mantel, bloss in Schleier und geziertem 
Prauengewande gekleidete Frau in der Mitte eine Weile getanzt 
hatte, hält die Musik inne, und Pesekjar beginnt mit voller Zärt- 
lichkeit.) 

*) BalaU Jüdisches Stadtviertel in Stambul, am Goldenen Hom 
gelegen. 

**) onun hakkyndan gelir. Er kann ihn bestrafen, rügen, er ist es 
Imstande zu thun. 



64 

JPeS, Ha • , . ha . . . haj. Lach' doch nicht mein lieber Schatz» 
mein schönes, zierlich' Täubchen. Mein Schmuck, warum kleide- 
test du dich um Mittemacht so prunkhaft an, so tanzend 
hüpfend? von wo kommst und wohin gehest du? 

Zen. Ach mein Hüsejn efendi, wie soll ich meine Lage 
dir erzählen, ich weiss wahrlich nicht. 

JF^. Ach mein gnädiges Mädchen, dir muss ein Unglück 
zugestossen sein. 

Zen, Frage nicht, Hüsejn efendi, frage nicht, unserer Mut- 
ter Lage ist ja stadtbekannt. 

Pes. Es werde gut, mein Täubchen ; du liessest auch mich 
im Kummer. 

Zen. Was sollte sein, mein Herr? Unsre alte Mutter 
geht Früh und Abends bei den Nachbarn herum, und da ja 
ausser mir niemand im Hause ist, überlässt sie mir alle Arbeit. 

Pßi. Könntest du nicht einen Diener aufnehmen, ist es 
nicht möglich? 

Zen, Mein lieber Hüsejn, du sprichst als wüsstest du nichts.. 
Welcher Diener kann sich der Zanksucht unsrer Mutter fügen ? 

JPeS. Ja, ja, ich habe das ausser Acht gelassen ; doch wie 
immer, wärest du doch so gnädig mir den Ausgang deine» 
Unglücks verständlich zu machen? 

Zen» Jeden Tag sitze ich allein, mein Herz ist so beklom- 
men. Es ist doch die Welt der Jugend. Auch wollte ich wie die 
Mädchen anderer ein wenig Luft schöpfen, mich umschauen, 
mit den Nachbarmädchen mich unterhalten. Meine Mutter statt 
sie diese Wünsche mit Befriedigung billigte, kann ich ihre Zän- 
kerei nicht ertragen. 

Jpieä» Ja, meine Tochter, du bist wahrlich sehr abgeschla- 
gen. Möge deine Mutter in Bälde in die andere Welt scheiden,, 
dass auch du nach deinem Wunsche dich belustigen und unter- 
halten könntest. 

Zen. Wäre es, mein Hüsejn, wäre es ! 

Peä. Nun also, meine Tochter, und dann? 

Zen. Vergangenen Tag sass ich wie gewönlich um meine 
Arbeit im Hause zu verrichten und die Umgebung zu betrach- 
ten am Fenster und fing an zu nähen. Gegenüber kam der 
Sohn des Nachbars, mit dem wir noch als kleine Kinder in die 
Schule gingen, mit einem Beutel in der Hand ; als ich ihn er- 
blickte, dachte ich, ich werde mit ihm ein wenig plaudern und 
meinen Schmerz verstummen und rief ihm zu aus dem Fenster. 

Fes. Aber ich befürchte, meine Tochter, dass, da der Knabe 
das Tor offen fand, sofort eintreten musste. 

Zen, Nein, mein Lieber, nein. Er ist nicht so ungezogen 
wie es du vermutest. 



l 



f)5 



JPeS. Bravo dem Knaben ! 

Zen. Nun, wie es auch sei, der Knabe sprach : «Komm zum 
Tore, ich werde dir von dem Obst, das ich im Taschentuch trage, 
geben, und ein wenig plauschen«; auf das ging ich sofort zum 
Tore. Der Knabe gab mir ein-zwei Äpfel und Birne und da ich 
nicht hinter ihm beschämt bleiben wollte, fragte ich was ich 
ihm für sein Obst anbieten sollte. 

FieS. Wohlauf, was wünschte er? 

Zen. Was soll er wünschen? «Gib mir zwei Pfirsiche, es 
wird genügen» gab er zur Antwort. 

Peä^ Und du gabst ihm die Pfirsiche? 

Zen. Du bist komisch, mein Häsejn. Ich habe doch keine 
Pfirsiche in der Tasche. Kennst du nicht den Pfirsiclibaum in 
unserem Garten? Ich sagte zum Knaben: «Komme herein, ich 
werde dir vom Baume pflücken und geben». 

PeS. Ej, meine Tochter, das will nicht wahr bedeuten, 
dass der Knabe sofort ins Haus trat um Pfirsiche zu pflücken. 

Zen, Es ist so, mein Hmejn, Kaum gelangten wir zum 
Pfirsichbaum, sprach ich zum Knaben: «Ich klettere hinauf»; 
der Knabe erwiderte: «Nein, ich will liinnuf klettern») und so 
fingen wir an uns zu reissen und zu zerren. 

JPeS. Habt euch doch nicht zur Erde geworfen, meine Tochter. 

Zen, Ja, es kam auch bis dahin. Und treten unter dessen 
meine Mutter und die Nachbarin Ha^r^e Mulla nicht in den 
Garten ? 

jFte«. Ach, ich fürchte ihr vergrössertet noch den Streit. 

Zen. Der Streit vergrösserte sich nicht, doch meine Mut- 
ter, möge ihre Hand zerbrechen, schlug den armen Knaben mit 
dem Stock der sich in ihrer Hand befand, so dass sich der 
Knabe mit schwerer Mühe retten konnte. 

Pes. Der Gefahr entkämet ihr also. 

Zen. Der Gefahr wichen wir aus, unsere Ha^^^e Molla 
spricht es überall, dass die Tochter unseres Nachbars, nahm den 
Sohn der Fehime Molla zu sich und das Gerücht verbreitete 
sich in der Umgebung, jetzt kann ich es nimmer ertragen und 
bin gezwungen mich an dich zu wenden, um mich in ein ande- 
res Stadtviertel niederzulassen. 

JPeS* Du tatst gut, meine Tochter. Gegenwärtig befindet 
sich ein Haus unter meinen Händen, dies werde ich dir pach- 
ten. Aber wegen der Besprechung mit dem Hausbesitzer und 
Zeitvertreibs tanze ein wenig, ich verschaffe derweil den Schlüs- 
sel und bringe ihn. 

(Nachdem die Musik eine Tanzmelodie intoniert und Zenne ein 
wenig getanzt hat, kommt Pesekjar wieder und die ^f usik hält inne.) 

Das türkische VolksschauspieL 5 



66 

PeS. Befiehl, meine Tochter, hier ist das Haus. (Zeigt auf 
das oben beschriebene zweitörige Haus und tritt ein.) 

(Unterdess- setzt die Musik ein. Aus innen kommt, eine lange 
vielfarbige und zusammengestoppelte rote grosse Mütze auf 
seinem Haupte, in einen roten Mantel, rote Hosen, gelbe Leder- 
Pantoflfeln gekleideter, kurzleibiger sehr komisch aussehender 
Kerl taumelnd hervor. Als Pesekjar mit dem sakiak auf seine 
Mütze schlägt, schaut Kavuklu mit voller Verwunderung ins Ge- 
sicht Pesekjars.) 

PeS. Ach, sei willkommen, grüsst dich Gott, Du Wächter- 
trommel, deren Haut zerrissen, Strick und Reifen zerbrochen 
und das Innere mit Staub gefüllt ist und die in den Abort 
geworfen wurde. 

KavuMu. Ach, sei gegrüsst und willkommen, du Melone 
aus Lapaeki, die in den Kähnen geblieben, deren Inneres, Äusseres 
Mäuse ausgefressen und eklig stinkt und durch und durchlocht ist. 

PeS» Ach, Kerl, was Vergleichtest du mit einer Melone 
aus Lapseki? 

Kav* Ja und was Vergleichtest du mit einer Wächter- 
trommel ? 

PeS. Bei Gott Hamdi, als ich dich so rot und gelblich 
in der Mitte umhergehen sah, vergleichte ich dich mit der 
Wächtertrommel die zur BajramBzeii mit Steuerscheinen be- 
deckt ist. 

Kav. Ja und als ich dich so hochspitzig in der Mitte 
erblickte, vergleichte ich dich mit der Melone aus Lapseki. 

Pes. Wie auch immer, mein lieber, ich glaube, du hast 
mich nicht erkannt. 

Kav* Gewiss erkannte ich dich schwer, da deine Haare 
ein wenig ausfielen. 

Pes, Kerl, höre auf; bin ich denn ein Hund? 

Kav. Mein lieber, ihr wäret sogar sieben Geschwister, 
und deine Augen öflFneten sich eher als den übrigen. Da die 
Augen deiner armen Brüder noch blind waren, zerstampfte 
sechs ihrer ein Wagen. 

Pes. Du bist schon ungezogen. Ich betrachtete dich als 
meinen Freund, sogar unsere Väter lebten wie Brüder. 

Kav. Sehr gut. Wenn dem so ist, wozu gehört es, dass 
kaum du kommst, Ohrfeige, Schnalze und mit allerhand Din- 
gen mich vergleichst. Nach meinem Befinden kannst du dich 
nicht erkundigen ? 

PeS. Ich fürchte, mein lieber Hamdi, dass du einem 
Unglücke ausgesetzt warst. 



68 

Kav. Frage nicht, Bruder, frage nicht. 

Fe&» Aber, mein lieber, — es vergehe. — was geschah? 

Kav. Was soll geschehen sein? du weisst es ja, unser 
Vater wahr so reich, dass als er starb, er um ein Bissen Brot 
schrie. 

Pei. Ja, ja ich weiss es. Meines Wissens, vergeudetest 
du das Erbe deines Vaters überall in der Welt der Wonne durch 
Lustigkeiten, und jetzt befindest du dich einwenig in Not. 

KaVn Wie du es weisst. Nun eben infolge dieser Bedürf- 
tigkeit dachte ich Tag und Nacht nach, bis ich in mir beschloss, 
dass ich mich wenigstens als Diener verdingen werde. 

PeS. Sehr wohl, Hamdi, jetzt gefällst du mir. 

Kav. Dass ich zum Verstände kam, ist aus meinem Äus- 
seren ersichtlich. Kurz ich wollte auf diesen Beschluss, den in 
unserem Viertel berühmten, vieler Gäste sich erfreuenden Kaflfee- 
sieder Ahmed Aga sprechen. Ich zog sofort meine Hosen und 
Mantel an, drückte die Mütze auf meinen Kopf, die Pantoffeln 
zog ich auf die Füsse und ging zum Laden des Kaffeesieders 
Ahmed Aga. 

PeS* Also, weil du bei deinem Beschluss so ausharrtest, 
gefällst du mir sehr. 

Kav. Kaum ich in den Laden Ahmed Agas eintrat und 
nachdem ich ihn begrüsste, machte ich ihm meine Lage ver- 
ständlich. Ahmed Aga, da er seinen Burschen entlassen hat, bil- 
ligte meinen Gedanken. 

PeS. Eh, und? 

Kav. Nun wass soll weiter sein? wir banden an der 
Stelle das Tellertuch um die Lenden und begannen jedem Katfe 
und Feuer zu geben. 

Pei. Gott soll es geben, dass du im Dienste keinen Feh- 
ler begehest. 

Kav. Keine Spur, mein Lieber. Ist in meinem Gesiebte 
etwas, was Fehler begehen könnte? Schon beim erstenmal: 
«Hamdi nimm Feuer» — kaum sprach er es, als ich die Glut in 
meiner Hastigkeit ihm zur Zigarre stecken wollte, und sie zu 
seiner Nase hielt, nun hatte ich nicht die Nase des armen Men- 
schen angebrannt? 

PeA. Aber Hamdi, jetzt wisse, dein Herr hat dich fort- 
gejagt. 

Kav. Nein, mein lieber, nein, wegen solcher geringer Feh- 
ler wird niemand fortgejagt? 

Pes. Ach lieber, die Nase jemanden anbrennen ist also ein 
kleiner Fehler? 

Kav. Er soll Gott danken, dass wir nicht sein ganzes 
Gesicht verbrannten. 



69 

JPeSo Prächtig, Hamdi. 

Kav. Es ist ja bekannt, dass unser Herr, da er verhei- 
ratet ist, jede Nacht nach Hause geht und ich in der Frühe 
alle Arbeit verrichte, Feuer anzünde und die Morgengäste warte. 

JPeSm Also, du erlerntest schon vollkommen den Eaffeedienst. 

K.av* Lasse doch. Eines Tages erwachte ich früh Mor- 
gens und nachdem ich alle meine Arbeit verrichtete, fing ich 
eine andere Arbeit zu suchen. Als ich da nach^itine, fängt nicht 
ein Nargile mit Diamantansatze auf mich zu winken ? 

I^eS. Aber Hamdi, winkt denn ein Nargile einem Menschen ? 

Kav. Mein lieber, ja, uns tat es so. 

PeS. Das ist was anderes. 

Kav. So sagend, beginnt das andere Nargile: «Ach dieses 
willst du und mich nicht?» und begann mit dergleichen Flu- 
chen, so dass ich den Diamantansatz jenes Nargiles, und die 
verschiedenen Teile der, um mich herum überall flehenden und 
bittenden Nargilen ergriff und rasch einzeln in die Tasche steckte. 

PeS. Hamdiy du begingest also einen Diebstahl. 

K.av. Aber lieber, was für einen Diebstahl? Sie lagen 
mir doch an, ich sollte sie spazieren führen. 

PeS. Ja, wenn aber, als sie in deiner Tasche waren, dein 
Herr eintritt? 

K.av Was ich dachte, ist eben das. Ich dachte, ich habe 
sie alle, öffnete das Tor, und war im Begriffe hinauszugehen, 
als ich plötzlich meinem Herrn begegnete, und wir traten wie- 
derum ins Eaffehaus. 

Pei. Nun das ist sehr traurig. 

Kav. Zum Glücke, war mein Herr in Morgenstimmung 
und achtete nicht auf die Nargilen und Tschibuke. Hamdi koche 
mir Kaffee, gab er mir Befehl; ich öffnete den Deckel des 
Eaffeefasses und kletterte, um die Kanne herunterzunehmen, die 
Leiter hinan, infolge meiner Furcht und Fusszittern, verliessen 
meine Füsse die Leiter, und ich fiel in die Kaffeedose. 

PeS. Aber Hamdi, geht ein Mensch in ein Kaffeefass ? 

Kav. Mein lieber, unsere Kaffeedose war ziemlich gross, 
sogar ein Okka Kaffee nimmt es in einem auf. 

PeS. Und, zog man dich nicht aus der Kaffeedose ? 

Kav. Wie hätte man mich herausgezogen ; als mein Herr 
zur Fassöffnung kam, versteckten wir uns in eine Ecke des 
Bottichs. Wir wandten uns immer auf die gegenüberige Seite, 
als er mit dem Löffel umherrührte. Kaum uns aber der Löffel 
berührte, schnell hinein in die Kanne. 

PeS. Aber, das ein Mensch in eine Kanne geht, höre ich 
von dir zum erstenmal. Wo wird das enden ? 

Kav. Nun kaum er auf uns heisses Wasser schüttet, sie- 



70 

dete ich, doch> damit mein Herr nichts erfahre, liess ich kei« 
nen Lant hören. 

PeS. Du wurdest also aufgelöst im Wa-sser ? 

K.av. Haj, haj ! Von dort kamen wir in die Schale eines 
alten Opiumrauchers, und gibt mein Herr mich nicht dem Kerl 
in der Schale? 

Pei. Ach^ was dir nicht zugestossen? 

Kav. Mit ein, zwei, drei Schlucken gingen wir durch 
den Mund und Kehle hinunter in einer enge Strasse und ge- 
langten in einem, Magenviertel genannten Orte an, was sagst 
du nur, dort fanden wir eine Menge Genossen. 

JPßS. Aber Hamdi, welche Art Genossen? 

Kav. Welche Art ? Zum Beispiel ein Henneschenkel, Gemüse 
und Fleisch-Teile und dergleichen Leute zerstreuten sich und 
spielten, als von rückwärts eine Schar trockner Fasohlen heran- 
schreitete: «Gebt Acht! niemand bleibe darin, der Herr bekam 
Bauchschmerzen», und begann uns durch die Darmgasse vor- 
wärts zu drängen. 

Pei. So verstehe ich, dass du in schöne Gefahren 
gefallen bist, 

Kav. Nur wir allein? Auch de äderen Genossen waren 
in einem, Seele die Seele, Kopf den Kopf, Auge das Auge nicht 
sehenden Zustande. Nach einer Weile entstand ein Gepolter 
und Lärm und wir befanden uns in dem Kanäle. 

Pei. Das Schlechteste von allem ist euer Fall ins Kanal. 

Kav. Was nützt das ? Von dort wurden wir durch einen 
grossen und (gewölbten Gang weitergestossen und ich kam gerade 
vor das Meer. 

PeS. Da kamst vom Kanal in die Ableitung, von da ins 
Meer, und gelangtest mit Glück an, meine ich. 

Kav. Was bedeutet es. das kann doch geschehen. In die- 
ser Zeit brach in unserer Nähe eine Feuerbrunst aus. Die 
Feuerwehr nahm Wasser und als ich einfältig umherblickte, 
liess uns die Feuerwehr in den Schlauch, vom Schlauch in die 
Wasserpumpe. 

Ped* Nun Hamdi, die Bettung von da ist sehr schwierig. 

Kav. Kurz, kaum drückte man ein-zweimal die Pumpen- 
stangen, strömte das Wasser mit Gewalt aus der Giessröhre auf 
das Hausdach. 

JPe^. Gib acht, dass du mit dem brennenden Hause nicht 
zusammen verbrennst. 

Kav. Nein. Zum Glücke wurde ich aus dieser Pumpe 
herausgespritzt, die man, um das Haus vor dem Feuer zu ret- 
ten auf das noch nicht brennende Haus gerichtet hat, und so 
entkam ich dem Feuer. 



7t 

JPes. Sehr schön, wie stiegst du aber nach der Feuers- 
brunst vom Hausdache? 

Kav. Mein lieber, hätte ich Zeit gehabt, hätte ich ge- 
brüllt, geschrieen und mich entweder an der Stiege oder an 
einem Seil hinuntergelassen, hätte nicht ein Storch, der uns so, 
in rotem Mantel und Mütze, in pudelnassem Zustande für eine 
Leber ansah, das ganze verdorben. 

Pen. Ich fürchte, dass nachdem du die Beise auf dem 
Festlande unterlassen hattest, wirst du ein wenig in der Luft 
reisen. 

Kav. Du sprachst ganz richtig. Der verfluchte Storch er- 
griff mich bei dem Mantel und wir flogen in die Luft. Höher, 
höher, noch höher, wir waren bereits in der Höhe von fünf 
bis zehn Minares, 

PeS. Grosser Gott, es ist gut, dass es vor deinen Augen 
schwarz wurde und sich dein Magen nicht umdrehte. 

Kav. Wiedoch nicht ? Als wir noch ein wenig höher flo- 
gen, entstand ein Lärm, Donner, ein letztes Gericht, ich fing an 
fürchterlich zu brüllen, der Storch erschrak, und lässt mich 
hinunter sinken. Kaum lässt er mich los, erwache ich und da 
ich im Bette gesprungen bin, war ich ins Bette gefallen. 

PeS. Ach du Kerl, also all das, dem ich bisher so ge- 
spannt zugehört habe, war nichts als ein Traum? 

Kav. Oh Einfaltspinsel, hast du keinen Verstand, ist 
denn möglich, dass ein Mensch in die Kaffeekanne, von dort in 
den Schlund jemanden, und durch das Kanal ins Meer, und 
aus der Pumpe aufs Dach kommen kann? 

PeS. Also, konntest du ausser mir niemand finden, dem 
du deinen in die Länge gezogenen Traum einschwärzen konntest. 

Kav. Ach lieber, ich kam auf den Gedanken den Traum 
dir mitzuteilen, weil ich dich schon lange als einen verständi- 
gen Menschen kenne, und dachte, dass in der Zeit eines solchen 
Elends der Erfolg des Traumes nur gut sein kann, wenn es 
Gott gefällt. 

Ped. Es wird frommen, wenn es Gott gefällt. 

Kav. Mit dem Frommen hat's kein Bewenden. Ich muss 
mir eine Arbeit finden. Unlängst war ich bei dem Schuhmacher 
Ahmed ein Gehilfe, und obwohl ich gut das Schuhnähen erlernte, 
machte der unglückliche Mann Bankerott, er ging zu Grunde. 
Da jetzt wir nicht weiter bleiben können, wende ich mich an 
dich, vielleicht könnte ich in einem anderen Schuhmacherladen 
Gehilfe werden, oder wenn du unter der Hand ein leeres Lokal 
hättest, könntest du selbst darin arbeiten lassen. 

PeS. Sehr schön, aber hast du an der Seite deines Mei- 
sters zerrissene Schuhe oder Pantoffeln, deren Sohlen abgerissen 



72 

waren, ausgebessert, oder direkt neue Schuhe verfertigt? Erst 
seien wir über das im Klaren. 

Kav. Ich mache alles. Zum Beispiel war es ein neuer 
Schuh, strich ich an dem Unterteil des Schuhs dick Pappe, so 
dass kaum jemand seinen Fuss hineinschob, kam derselbe an 
der einen Seite schon hinaus. 

PeS. Wahrlich, ich glaube jetzt, du gelangtest zu einer 
ausserordentlichen Geschicklichkeit im Schusterhandwerke. 

Kav. Natürlich, ein Mensch, mit meinem Scharfsinn, 
erlernt solch Schusterwerk ähnliche Kleinigkeiten im Nu. 

Pei* Also ich habe da eben einen hübschen Laden. Das 
Kapital kommt von mir, die Arbeit von dir; unter der Bedingung, 
dass die eine Hälfte des^ Verdienstes dir gehört . . . 

Kav. Die andere Hälfte mir. 

PeS. Schaue, mein Hamdi, ich gebe dir den Laden, doch 
im vorne: ich gewann kein Geld, so und so war es, ham-hum, 
Betrügereien will ich nicht. 

Kav. Ach, ach Brüderchen, wir machen Handel, die Hälfte 
gehört dir, die Hälfte mir, so leben wir. 

PeS. Aber, Brüderchen, nicht viel hätte gefehlt, hätte ich 
es vergessen, wie sind die Eurigen. v 

Kav. Brüderchen, wann wirst du von diesen Lügen nach- 
lassen? \ \ 

Peä. Bruder, wann habe ich dich angelogen? 

Kav. Und du: du sagst noch immer, du hast nicht ge- 
logen. Ich habe nichi; einmal ein Haus, was suchen bei einem 
meinesorleichen Armen, Keller und Küche? 

Peä. Ach Brüderchen, ich sprach nicht von Kellern und 
Küchen, ich frug nach deiner Familie. 

Kav. Gott sei Dank, seit zwei Jahren trage ich keinen 
Flanell. Den Winter verbringe ich in einem Wollmantel. 

PeS. Mein lieber, sprach ich dir über Flanell? ich sagte 
Familie, nämlich frug ich nach deiner Frau. 

Kav. Frage nicht, Brüderchen, ich kaufte voriges Jahr 
5 — 10 Okka, und als ich sah, dass das Wetter wärmer wird, 
fürchtete ich mich vor dem Zergehen und machte Gefrorenes 
daraus. 

PeS. Ach, du wirst schon langweilig. Ich frug nicht nach 
deinem Schnee und Gefrorenes ; Lieber, hast du keinen Löffel- 
feind ? 

Kav. Lasse die ruhen. Lieber. Die Löffel kann ich nicht 
im Hause behalten, unser Weib ist ein wenig schmutzig. Lässt 
fett die Löffel, und da sich in unserem Hause viel Mäuse be- 
finden, tragen sie einen nach dem andern fort. 

PeS. Mein Lieber, deine Worte sind alle fuss- und kopflos. 



73 

Kav. Der ist mein guter Freund. 

Pes. Wer? 

Kav. Arnaut Sädik. 

Pes. Wer sprach da über Arnaut Sädik? Deine Worte 
sind ohne Verständnis, das wollte ich sagen. 

Kav. Ach, wäre es unter jenen Bäumen, könnte ich mein 
Nargile füllen und rauchen ! 

JPeä. Mein Lieber, wie kommt das Nargile hierher? 

Kav. Mein Lieber, du, hast du nicht über starkes Tönt- 
beki gesprochen? 

PeS. Glaube doch, Brüderchen, heut hast du mit deinem 
Benehmen keinen Anstand. 

Kav. Gestern sah ich ihn. 

Peä. Was sahst du? 

Kav. Den schwangeren Laden. 

PeS. Kerl, Knödelfresser, gibt es einen schwangeren Laden? 
Ich sprach dir über Anstand und Benehmen. 

Kav. Du sprachst von einem Hanse und zwei Laden? 

PeS. Du fängst an mich zu langweilen. Schau, mein 
Kind. Wenn du Abends nach Hause gehst und am Tore pochst: 
wer öffnet dir das Tor? 

Kav. Ich öffne es. 

Pes. Du hast also den Schlüssel bei dir. Wer nimmt dir 
aus den Händen dein Taschentuch und Beutel? 

Kav. Ich nehme es. 

PeS. Kerl, begegnet dir niemand von Deinen auf der 
Treppe ? 

Kav. Jawohl. 

PeS. Wer? 

Kav. Ich begegne. 

PeS. Sehr gut. Wenn es Abend wird, wer bereitet das 
Mahl? 

Kav. Ich bereite es. 

PeS. Wer macht die Betten? 

Kav. Ich mache sie. 

PeS. Wer weckt dich? 

Kav. Ich wecke. 

PeS. Wer fegt aus? 

Kav. Ich fege. 

PeS. Wer sagte es ? 

Kav. Ich sagte es. 

PeS. Wem sagtest du es ? 

Kav. Mir. 

PeS. Wer sah es? 

Kav. Ich sah es. 



74 

FeS» Wer hat Dreck gefressen? 

Kav. Ich, Dreck . . . haj Hundskerl, nicht viel hätte ge- 
fehlt, dass^ du mich Dreck hättest fressen lassen. Als wüsste ich 
jetzt förmlich nicht, was ich sagen wollte. Er spricht über un- 
sere Frau. Kurz, wozu ist das gut? Wenn ich diesen Laden be- 
sitze, werde ich mit meiner Arbeit beschäftigt sein. 

Pes. Wohlauf, mein lieber Hamdi, gehen wir schön lang- 
sam zu deinem Laden. 

(Die Trommel und Flöte spielt ein Tanzstück, Pesekjar in der 
Vorderseite, Kavuklu hinter ihm durchschreiten ein paarmal den 
Platz. Dort befindet sich der Schuhmacherladen, welcher aus 
kleinen Latten erbaut ist und zwei Gitterfenster hat; vor dem 
eine Schuhmacherwerkstätte, ein paar Nägel, ein-zwei Hämmer 
und einige alte Schuhe. Als sie vor dem Laden ankommen, zieht 
Pesekjar mit dem ÄaWa/cstabe, der aus Holz gefertigt und un- 
gefähr eine Elle misst, an dem Gitter und öffnet so den Laden.) 

FeS. Schaue, mein Hamdi, wir sind jetzt beim Laden. Die 
Luft dieses Ladens ist ausserordentlich gut, ober ihm sind Zim- 
mer, unter ihm eine Zisterne, seine Fenster blicken aufs Meer. 

Kav. Ich belog dich, doch über dich kann kein Lügner 
sein. Denn der Ort, zu dem du mich als zu einem Laden führ- 
test, ist keiner und ähnelt einer Hütte aus dem Gestrüpp, in 
welchem die Hundjungen auf der Gasse hausen. Da werde ich 
kein Schusterhandwerk betreiben. Denn ich gehe da nicht hinein, 
du sagtest auch, dass ober ihm Zimmer seien, und dass die Luft 
ausserordentlich gut sei, auch die See sei sichtbar. Kerl, erbar- 
mungsloser Mensch, hier ist nicht nur keine See, das Tal von 
Gö'k'Su ist nicht einmal zu sehen. Ober dem sind keine Zimmer, 
nicht einmal ein Obergatter. 

FeS. Brüderchen, was sprichst du? Schaue, wenn du an 
dem rechtseitigen Tore eintrittst und ungefähr fünfzehn Ellen 
vorwärts gehst, musst du auf der linkseitigen Stiege hinaufstei- 
gen. Gehe aber behutsam, die Treppen sind etwas steil, deine 
Füsse und Augen sind noch ungewohnt. Wenn du in Hast hinauf- 
steigst, da im Kopfe Unerfahrenheit ist, kannst du hinunterfallen 
und dich beschädigen. 

JRav» Auf, mein Gott, Brüderchen, ich werde dich tot- 
stossen. Dann werde ich von einem Städter Auskunft einholen 
und dich ins Irrenhaus führen, oder sprich wie ein verständiger 
Mann. Auf solche lügenhafte Weise sprich nicht über Laden- 
zimmer und Stiegen. 

JPeS. Wie auch immer, Brüderchen, das ist hier. Gefällt 
es dir, setze dich, gefällt es dir nicht, setze dich nicht. 



75 

Kav. Es gefällt mir. Von beute an beginne icb hier zu 
arbeiten. Wir sind doch Genossen, gehe, bringe Sohlen, Nägel, 
Leisten und anderes, und schauen wir nach unserer Arbeit. 

PeS* Sehr gerne, Brüderchen. Ich gehe jetzt und all das, 
was nötig ist, kaufe ich, und bringe es nach einer Stunde (sagt 
und entfernt sich). 

Kav. (Allein.) Dieser dumme Narr Hess mich hier für einen 
Schuhmacher, obwohl ich nicht einmal flicken kann. Was, der 
Mensch verbringt manchmal auch so seine Zeit (geht in seinen 
Laden und setzt sich). 

(Dem Laden gegenüber befindet sich das Haus, welches Peiekjar 

der Zenne gemietet hat.) 

Zenne (aus dem Fenster schauend). Ah mein Gott ! Wo- 
hin ich immer gehe, kommen mir tausenderlei Gedanken in den 
Sinn. Ich dachte, hier ist Buhe und mietete dieses Haus; ich 
wollte ruhig wohnen und mich mit Kinnap-zäde Bej unterhalten. 
Nun wohnt diesmal im gegenüberliegenden Laden ein, einer 
Feuer-Lampe ähnlicher Mensch. Der wird wahrscheinlich der 
Geschäftsinhaber sein. Ich möchte ein wenig auf die Gasse gehen, 
vielleit^ht könnte ich mich mit ihm ein wenig zerstreuen. 

(Sie geht auf die Gasse; die Trommel und Flöte spielt; sie 
umgeht einigemal den Platz. Kavuklu bemerkt sie nicht; end- 
lich kommt sie vor den Laden.) 

Zen» Ha, schau' 'mal, was bist du da? 

Kav. Ich bin kein Darmkot, meine Dame, ich bin ein 
Ochsendünger. 

Zen. Ach mein Gott, ein komischer Mensch. Ding, sage 
mal, mein Lieber, bist du ein Mensch? 

Kav. Nein, ich bin kein Mensch, ein Edschinni-MedschinnL 

Zen. Mein Edschinni-YKier, bezaubere mich nicht. 

Kav. Ich kenne dich nicht, bei meinem Gott, ich be- 
zaubere dich. 

Zen. Mein Gott, trockne ter Bastard. 

Kav. Sei willkommen, Ofenröhre. 

Zen. Du, ich sage dir scherze nicht. Hebe nur deinen 
Kopf, ich möge einmal in dein Gesicht blicken. 

Kav. Ich kann ihn nicht aufheben, wenn du mein Gesicht 
siehst, wirst du erschrecken. 

Zen. Hebe ihn nur, sage ich. 

Kav. (erhebt seinen Kopf und schaut ins Gesicht Zenne 8). 
Ach Bahm, ach. Kerl, wie schön ist diese, wie. Dings, schaue, 



76 

Bruder, ich küsse deine Füase, setze dich, trinken wir eine 
Schale Kaffee. 

Zen» Ach mein Gott, wie komisch. Nie sah ich solch einen 
sonderbaren Menschen. Einer Frau sagt man : Brüderchen, setze 
dich, trinken wir Kaffee? 

Kaiu Was soll ich denn sagen? 

Zen. Ach, wie hübsch, schön, artig, jung. Ach, diese Augen, 
Wimper. Brauen, angemalte Muttermale, feine Zähne, schönge- 
formte Nase. Schwanenhals; ich wurde ohnmächtig, mit mir 
ist aus. 

Kav. Sehr gut. Nimm von da etwas um fünf Para. Du 
spottest mich, sagst mir schön und dergleichen. Übrigens bin 
ich nicht so sehr hässlich ; als ich vordem in den Spiegel blickte, 
gefiel ich sogar mir selbst. Jetzt sind es schon zehn Jahre her, 
dass ich nicht in den Spiegel blickte, und so soll ich meine Schön- 
heit kennen. Ich vermute, meine Herrin, du zündetest meinen 
Mantel an (entbranntest für mich). Wenn du meinen Mantel 
anzündetest, werde ich für dich die Decke in Flammen stecken. 

Zen» Ach, mein Gott, was liebst du an mir ? Gehöre ich zu 
jenen ausserordentlichen Schönen? Wenn du gnädig einwilligst, 
dass wir uns hie und da begegnen, werden wir uns treffen, denn 
ich liebe dich mehr als meine Seele und Leben. 

Kav. Sprichst du die Wahrheit? Hast du niemand? Mutter, 
Vater, Gatte, undsoweiter? 

Zen. Nein, mein Herr. Ich habe weder eine Mutter, noch 
einen Vater; ausser Gott habe ich niemand. 

Kav. Das Gleiche ist mein Schicksal. 

Zen. Natürlich hast du Kinder. 

Kav. Nichts, nichts, meinen Anteil bekam ich noch nicht. 
Eine Gelegenheit warten wir, eine Gelegenheit. 

Zen. Ding, ich schäme mich, soll ich es sagen? 

Kav. Sage es, Kindlein, habe keine Angst, sprich. 

Zen. Soll ich es veröffentlichen, wo soll ich es beginnen? 

Kav. An den Urahnen beginne nicht, ausser ihnen kannst 
du es wo immer beginnen. In deinem Munde drehen sich Wörter, 
doch kann ich sie nicht verstehen. 

Zen. Geschehe was immer, ich werde es sagen. Schaue, 
mein Bruder, auch mein Anteil kam noch nicht an, darum 
sprach ich. Es ist eine Schande, aber was soll ich tun. 

Kav. Allah, Allah, mein Täubchen, sind denn solche 
Sachen ein Fehler? Nun gehe du jetzt, nach einer Weile kommt 
unser Hüsejn efendi, dem werden wir die Sache verständlich 
machen ; was er sagen wird, demnach werden wir unser Heil 
suchen. {Zenne entfernt sich.) 



77 



(Ein sehr elegant gekleideter Bej tritt auf. In seiner Hand ein 
Spazierstab, liest Gedichte; die Musik spielt. Nachdem er ein 

wenig umhergeht, spricht er zu sich.) 

Sej» Ach, ich hörte, dass mein Schatz in dieses Viertel 
kam und sich hier ein Haus mietete und allein für sich wohnt. 
Nach ihrer Beschreibung ist ihrem Hause gegenüber ein Schuh- 
macherladen. Ja, der Schuhmacher ist hier, das gegenüberlie- 
gende Haus wird jenes sein. Doch am Tore ohne weiteres zu 
pochen geht nicht an, dieser Schuhmacher ähnelt einem blöden 
Menschen. Ich werde zu ihm gehen, ihn bewegen und ihn zum 
Hause meines Schatzes schicken (geht vor das Geschäft). Schaue, 
mein efendi, ihr wohnet da, ich verglich euch mit einem Men- 
schen, entschuldiget. 

JKav» Nein, mein Herr, ich bin kein Mensch, ein Kuhe- 
stein bin ich, ein Kuhestcin. 

Bej. Mein Väterlein, kann denn ein ßuhestein sprechen? 

Kav. Ein Dampfer bin ich, mein Sohn, ein Dampfer. 

JBej. Sehr gut, nun sagen wir's. ihr seid ein Dampfer. 
Wann werdet ihr aufbrechen? 

Kav, Mein Kindlein, unser Dampfer fährt gegen Morgen 
ab; glaubst du es nicht, komm', schaue auf den Kompass vor mir. 

SeJ. Wahrlich, ihr seid komisch. Ich frage dich um etwas, 
werdet ihr mir antworten ? Und wenn ich euch irgendwohin 
schicke, werdet ihr gehen? Wenn ihr meinen Auftrag gut ver- 
richtet, werde ich euch viel Geld geben. 

K.av. Nachdem Geld kommen wird, werde ich es gut 
verrichten. 

Sej. Höre mich an. Du kriegst Geld, wieviel du willst. Wer 
wohnt in diesem gegenüberliegenden Hause, sage mir die Wahrheit. 

Kav, Mein Sohn, kümmere dich nicht um den Bewohner 
jenes Hauses. Denn die hat hier, und an einem dir sehr nahen 
Orte ihren Schatz. 

JSej. Wer ist dessen Geliebte, Väterchen? 

Kav. Wer sollte sein, Kindvieh, ich bin es. 

Sej» Gott soll dich belohnen, Väterchen, ich habe keine 
Augen, ich bin aber kein Fremder, ich habe mit ihr selbst zu 
tun, ich bin ein Verwandter. 

Kav. Ach Hundebrut, mir sagte sie, sie hat niemand, 
sieh', sie hat Verwandte. Was, er wird mir Geld geben und 
ich verrichte seine Arbeit. Schau, mein Sohn, Jüngling, was 
willst du, und wieviel gibst du? 

Bej. Mein Väterchen, meine Sache ist sehr leicht. Nimm 
dieses Goldstück als Geschenk, gehe ins gegenüberliegende Haus, 
klopfe am Tore und sage : Kinvap-zäde Bej ist gekommen. 



Kav. Kerl, ich werde den kennen. Ich glaube, du hast 
auch einen Oheim, wie ich mutmasse, ist sein Name Schiffsseil- 



79 

zade. Du wirst auch einen Vetter Wäschestrick, und Base Brun- 
nenseil haben. 

Sej, Nein, Vater, nein. Ich bin Kinnap-zäde, der Name 
ist von meinen Ahnen her ein Erbe. Hast es nicht verstanden? 

Äav. Entschuldige, mein Sohn, ich meinte es so. 

Bej. Geh' ins gegenüberliegende Haus, klopfe am Tore; 
wenn man es öffnet, sage, Kinnapzade sei gekommen. Was man 
dir sagen wird, verständige mich davon. 

Kav. Sehr gut, efendim (geht, klopft am Tor. Von innen) 

Zen. Wer ist's, Wer ist's, Wer ist es? 
Wer ist's. Wer ist's. Wer ist es? 

Kav* Wäscheseil oder Faden, der kam. 

Zen. Kerl, an Wäscheseil ist bei uns keine Not. 

Kav. (zum Bej), Hörst es, Bej efendi, sie haben nach dir 
kein Bedürfnis. 

Sej. Wieso wusstest du es, Dummkopf. 

Kav. So sagte man, was soll ich wissen. 

Bej. Was sagtest du ihnen? 

Kav. Ich sagte: Wäscheseil oder Faden brachte man, 
wollt ihr ? Sie sagten : nein, wir brauchen nichts. 

Bej. Du hast es irrtümlich gesagt. Gehe, sage ihnen : 

Meine Nelke fiel ins Wasser, 
Meine Hiazynthe bist du mir; 
Zwischen deinen Augenbrauen, 
Eine Kose bist du mir. 

Sage und komm'. 

Kavuklu wiederholt diesen Vers einigemal. Kav, geht und pocht 

an Zenne's Tor.) 

Kav. Schau mal, was Dings sagte. 
Zen. Was sagte er? 

Kav. Schwarzer Esel fiel ins Wasser, 
Wenn du issest meinen Kotz ; 
Zwei Löffel nimm dazu. 
Meinen Hintern wenn du issest. 

Zen. Ach mein Gott, so was hat er nicht gesagt. 
Kav. Ach, was hat er gesagt? 

Zen. Meine Nelke fiel ins Wasser, 
Meine Hiazynthe bist du mir; 
Zwischen deinen Augenbrauen, 
Eine Rose bist du mir. 

hat er gesagt. 



80 

K.av. Ach, Hundebrut, wie weiset du, was er gesagt hat? 
Zeti» Mein Täubeben, dem, der dir die Worte gesprochen, 
lass ich sagen: 

Du bist eine Nelke, hast keine Standhaftigkeit. 
Du bist eine Bosenknospe, hast keine blaue Farbe ; 
Ich liebte dich, doch du 
Hast keine Ahnung davon. 

Kav. Sehr gut, mein Herr. (Geht.) 

JSej, Was sagte sie? 

Kav. Ding. 

Jiej. Was sagte sie, rasch, lass mich hören. 

Kan^ Du bist eine Nelke, hast keine Standhaftigkeit, 
Ein alter Esel, hast keine Pflege ; 
Ich liebe dich nicht, doch du 
Hast keine Ahnung davon 
sagte sie. 

Sej. Gehe, Kerl, Schmutzkerl, das hat sie nicht gesagt. 

Du bist eine Nelke, hast keine Standhaftigkeit, 
Du bist eine Bosenknospe, hast keine blaue Farbe ; 
Ich liebte dich, doch du 
Hast keine Ahnung davon 
sagte sie. 

Kav. Ach, Hundesohn, Hundebrut, ach. Die beiden wissen 
ihre Worte. 

JBej, Gehe, melde an, dass Kinnap-zäde kommen wird. 
Was sie sagen wird, komm', verständige mich. 

Kav» Sehr gut, mein Herr. (Geht und pocht am Tore.) 

Zen. (von innen singt ein Wiegenlied, als ein Kind ein- 
schläfernd) : 

e— e — e — liebchen, 
Pfeffer mit fetter Zwiebel, 
Iss, mein Kindlein, bis du satt, 
Krähe, dich werde ich fangen, 
Deine Fliigel ausreissen. 
Und daraus Fächer machen, 
Im Winter Mangal anzünden. 
Im Sommer Fliegen jagen, 

ninni. 

Kav* Ach Hundebrut, sie sagte doch, sie hätte noch nicht 
ihr Glück gemacht; wahrscheinlich gehört auch die zu denje 
nigen, die schon gebären, bevor sie ihr Glück erreichen. (Pocht 
wieder am Tore.) 



81 

Zen. (von innen): Kerl, wa? wünschet ihr ; ich schläfere 
das Kind. 

Kav. Der, sei er Schnur^äde, Schiffsseikärfe, Eselssohh, 
oder was, will hieherkommen, was sagt ihr? Schau nur, er kam 
her; macht dort drinnen nicht etwas Schändliches. 

Zen. Geh von hier. Unverschämter, höre seine Worte. 
Ich gehöre nicht zu den unzüchtigen Weibern, die du kennst. 
Grosser Gott, ich nehme deinen Mund und zerreisse ihn. 

Kav. Kerl, ist mein Mund ein Küchenfetzen? 

2^n. Ja, dehne es nicht, sage ihm schnell, er mag kommen. 

Kav. Mein Bej efendi, geruhet, mnn ruft euch. 

Bej. Ich danke euch, euer Dienst hat mich zufriedenge- 
stellt. Nehmt diese fünf Goldstücke, und verwendet sie. (Gibt 
Kavuklu fünf Goldstücke und geht ins Haus.) 

(Trommel und Flöte spielen, der Meister Kavuklu'a, Pesekjär 
Hüsejn efendi, kommt mit einigen Leisten und anderen Dingen. 
Nachdem er ein wenig umhergeht, gelangt er vor den Laden 

und spricht zu Kavuklu.) 

Pes. Nun, ich bin da, die gewünschten Leisten, Nä^^el 
und andere Sachen brachte ich. Jetzt lass' dich sehen, mache 
schöne Schuhe und Pantoffeln und lege dieselben in die Aus- 
lage; ich werde dir Kunden finden, wir verkaufen sie einzeln, 
und leben so zusammen. 

Kav. Schaue mal, Hüsejn efendi Bruder, ich verlor meine 
Lust zu dem Handwerke. 

PeS. Und die Ursache dessen? 

Kav. Stecke in die Nase das kalkige Bleiweiss. 

PeS. Kerl, von Kalk war ja keine Eede; ich frage die 
Ursache. Denn wenn du das Schuhhandwerk nicht verstehst, 
und nicht ausüben wirst, warum betrügtest du mich, warum 
lässt du mich das einkaufen und die Auslagen machen ? 

Kav. Bruder, ich spiele dir keine Schusterei, ich sagte 
nicht, ich verstehe es nicht. Heute, als du die Leisten zu ver- 
schaffen gegangen bist, kam aus dem gegenüberliegenden Hause 
eine Frau, erst unterhielt sie sich mit mir eine Weile und fragte, 
ob ich niemand hätte; ich antwortete, natürlich habe ich nie- 
mand. Dann sprach auch sie, dass sie niemanden hat, fing an, 
meine Augen, Brauen und andere Glieder einzeln zu loben und 
mit Honigworten zu bestreichen, obwohl ich ungefähr zehn Jahre 
in keinen Spiegel blickte. Ich weiss nicht, bin ich schön oder 
hässlich. Kurz, sie unterhielt sich und spöttelte mit mir mit 
diesen Worten, dann ging sie zurück in ihr Haus. Nach fünf 
Minuten, dass sie sich entfernte, kam ein hagerer, schwarzäugiger. 

Das türkische Volksschauspiel, 6 



82 

mit schwarzen Augenbrauen und Schnurbart, sehr elegant und 
fein gekleideter Bej, der, nachdem er über uns spottete, sprach : 
efendi baba, ich werde dir etwas sagen, wirst du es machen, 
gebe ich dir viel Geld. Was soll ich lügen, mein Hüsejn, es ist 
doch Geld, ich konnte nicht widerstehen. Wir gingen zum Mäd- 
chen, und ich verkündete das Ankommen des Bejs, sie sprachen 
zu einander einpaar Verswörter, endlich betrat der Bej efendi 
mit Erlaubnis des Fräuleins das Haus. Wir spielen da nicht 
die Kupplerrolle, der Kerl soll sich im Hause schön mit der 
Frau unterhalten und uns soll das Wasser vom Munde rinnen? 
Du sagst der Frau, bisweilen soll sie auch mich hineinlassen, 
sonst bleibe ich nicht da, ich gehe ganz einfach weg und zer- 
breche mit Steinen den Torrahmen. 

Pes. Aber, Brüderchen, lasse das ; solange das Schüreisen 
bei der Hand ist, greift man nicht mit der Hand das Feuer. 
Diese Frau hat einen Tuzsuz-Mustafa genannten, betrunkenen, 
verwegenen Freund; benachrichtigen wir ihn, soll er kommen, 
überlassen wir ihm die Sache. Du mische dich nicht in die 
Angelegenheit anderer. 

Kav. Brüderchen, du sprichst die Wahrheit, aber wenn 
der Kerl so hineinfährt, können wir ihn nicht herausziehen. 
Da der Weg nicht weit ist, gehe ich, bevor sich das Feuer ver- 
breitet, ich werde den Kerl rasch aufs Tagelicht befördern. 

Pen* Nein, nein, Bruder, rühre ihn nicht an. Ich gehe 
jetzt und benachrichtige Tuzsuz, er wird mit ihm schon um- 
gehen. (Entfernt sich.) ^ 

(Dazwischen vergeht eine Weile, Pesekjar kehrt zurück. Hinter 
ihm spielt Trommel, Flöte ein Trinklied, indem ein hoher Mann, 
Tuzsuz Mustafa mit dickem schwarzen Schnurbart, der auf sei- 
nem Kopfe einen Bund, auf seinen Füssen Schuhe, über ihm 
eine Jacke, um seine Lenden einen Gürtel gebunden trägt, in 
welchem sich ein langes Jataganmesser befindet, und in seiner 
Hand eine tausend drachma Flasche hält, heulend auftritt. Er 
geht eine Weile in der Runde, dann wendet er sich zu Pesekjar,) 

Tv/Z» M. Schaue, Hüsejn efendi. Wer beschimpft meine 
Geliebte? Wer sagte, dass sie einen Fremden zu sich nahm? 

JPes» Aber, efendim, ich habe in dieser Sache nichts ein- 
zuwenden. Mich verständigte dieser Schuhmacher im gegenüber- 
liegenden Laden, sein Name ist Kavuklu Hamdi. 

Tu&. M. (zu Kavuklu). Komm her, du paradeisköpfigerKerl. 

Kav. Ach Mütterchen, schau das Messer in seinem Gürtel 
und die Flinte an seiner Schulter, der Schurke ist wahrschein- 
lich ein Schnapsagent. In seiner Hand eine tausend drachma 
Flasche, auch sein Mund riecht wie ein Aas nach Branntwein, 



83 

Tu», ÜT. Höre nur, du sagtest, dass ins Haus meiner 
Geliebte Kinnap-zäde sich einscblieb. Ekeliger Kerl, in mein 
Haus gebt kein Spulenzwirn, geschweige denn ein Seil. 

Kav. Ja so, Bruder, der Kerl ist drinnen, mache dein 
Leid ihm verständlich. 

Tu^m Mm Ab, du willst dich also mit mir unterhalten, 
öffne deinen Mund, ich soll meine Flinte abschiessen können 
und deinen Magen mit Bauch füllen. 

Kav. Bemühe dich nicht Bruder, eben jetzt füllte ich 
meinen Magen. 

Tuz, M» Oder nicht so, ich Hess jetzt dieses Messer 
schleifen, beuge deinen Kopf, versucben's wir, ob ich ihn auf 
einen Hieb abschlagen kann. 

Kav. Der Anfang des Monats kam noch nicht. Bruder, 
hast du nichts anderes gefunden zu versuchen, nur meinen 
Kopf? 

Tu»» M. Hörst du, Kerl, wieviel ist dein Kopf wert? 
Willst du solch einen gespaltenen Schädel vor mir verstecken? 
Einen Tod wähle dir von den Toden. 

Kav. Mein Kindchen, schau nach deiner Arbeit. Gespalten, 
geborsten, ich benutze schon fünfzig Jahre diesen Schädel, und 
noch gegenwärtig verrichtet er meine Sachen. Du sagst mir, ich 
soll mir einen Tod wählen ; ich bin ja noch in meiner Jugend. 
Geh, mein Degen, nach deiner Arbeit. 

Tuz» M. Kerl, wisse nun, du sagst, dass mein Schatz die 
Tochter Cilhoroz von Akseraj, Salkim Indachi hierher kam und 
im gegenüberliegenden Hause ist. Sage, sie soll kommen. 

Kav. Sehr gut, efendim (geht). 

Tu». M. Komme her! 

Kav. (kommt). 

Tu». M. Sie soll den Schal aus Labore, den ich ihr kaufte, 
aufbinden und kommen. 

Kav. Sehr gut (sagt und geht). 

Tu». M. Komme her! 

Kav. (kommt). 

Tu». M. Sie soll die Ohrgehänge, die ich ihr kaufte, an- 
ziehen und so kommen. 

Kav. Sehr gut, mein Herr (sagt und geht). 

Tu». M. Komme her! 

Kfiv. (kommt). 

Tu». M. Sie soll die Seidenhosen, die ich ihr kaufte, 
anziehen und so kommen. 

Kav. (steht und geht nicht). 

Tu». M. Was wartest du? 

Kav. Kerl, Schurke, du drehtest mich sechzigmal hin 

6* 



84 

und her wie einen Propeller. Hast du noch was zu sagen, sage 
es auf einmal, demnach werde ich handeln. 

Tuz. M. Stehst du noch, beeile dich doch ! 

Kav. (geht und pocht an Zenne's Tor). Höre mal, Trauben- 
juwel oder was du bist, Tuzsuz Be.kri Mustafa aus Mandira 
kam und wartet dich auf dem Platze unten, er sagte, du sollst 
dich anziehen, ankleiden und kommen. 

Zen. (spricht zu Kinnap-zäde). Ach., mein Bej, ich bitte 
dich, unser Kerl (möge er blind werden) kam, fliehet, dass euch 
kein Schaden zugefügt werde. 

JBef, Ach, wenn die Sache so steht, bringe meine Kleider, 
dass ich mich retten kann. 

Kav. Ach Hundebrut, wenn er die Gefahr sieht, wie er 
sich flüchtet. Laufe nicht, Tuzsnz Mustafa soll deiner Spur 
sicher werden. 

Zen, (zu Kavuklu). Höre mal du, gehe, begrüsse ihn, ich 
gehe schon. 

Kav. (kommt auf den Platz und spricht zu Tuzsuz). Sie 
lässt dich grüssen. sie kommt. 

(Die Trommel und Flöte stimmen an, Zenne sagt zu Tuzsuz). 

Zen. Ach, Treuloser, du hast mich vergessen. Wer weiss, 
mit welchen schönen Frauen du dich unterhieltst. Schade, ich 
dachte dich treu, ich glaube, du warst treulos. Welcher Wind 
jagte dich her? 

T'Mä:. M. Ach. mein Mütterchen ; dessen, der nach dir ein 
Rose riecht, soll das Leben wie das der Böse kurz sein. Ich weine 
nach dir Tag und Nacht. Du siedeltest aus, konntest du mich 
gar nicht verständigen? Ich suchte dich so oft und konnte dich 
nicht finden. Zum Glücke weis?s Pesekjar Hüsejn efendi, dass 
ich dein Freund bin. Er benachrichtigte mich, dass du einen 
Fremden in dein Haus liessest, und zeigte mir das Haus. Auf 
das kam ich und fand dich. 

Zen. Wenn dem so ist, befiehl, mein Herr, da kann man 
es nicht in die Länge austragen. Gehen wir nach Hause, dort 
werden wir unsere Besprechung pflegen. (Spricht, die Musik spielt, 
beide gehen ins Haus.) 

Kav. (zu sich). Wartet, Hundebrut, gebe ich euch Buhe, 
soll ich nicht Kavuklu Hamdi heissen. Ich gehe ins Stadtkaffee- 
haus, rufe die Städter und ziehe diesen Kerl heraus. (Geht, die 
Musik spielt, Pesekjar tritt auf.) 

FieS. (zu sich) Wunderbar, wohin ist unser Hamdi efendi 
gegangen? Im Laden ist er nicht. Ich werde ihn warten, er 
wird doch kommen. 



85 

(Trommel und Flöte spielen. Im Vordergrund Kavuklu, hinter 
ihm Kinnap-2äde, hinter dem Pepeme der Opiumraucher, hinter 
dem der Jude und mehrere Viertelbewohner, ungefähr acht — 

zehn Menschen.) 

JPeS. (zu Kavvklu), Brüderchen, wer sind die ? 

Kav. Frage nicht, die Salkim Indschi da drüben nahm 
Tuz8uz Mustafa zu sich, wir werden jetzt mit diesen Viertel- 
bewohnern sein Haus erstürmen und den Kerl herausziehen. 

Pies. Nun, wenn es sich darum handelt, gehe ich auch mit. 

(Die Musik spielt, alle beginnen zu fingen, gehen um den Platz 

und kommen vor das Tor.) 

ßej. (klopft am Tore). Schaue mal, Tuzsuz Mustafa, so 
etwas kann nicht bleiben in der Mitte von der Stadt, ich ziehe 
mein Handschar und schöpfe in deiner Brust Atem. 

Tirjäki. Höre mal, Tuzsuz Mustafa, wenn ich die Schnupf- 
tabakdose werfe, nehme ich in deinem Schädel Atem. 

Jude. Höre nur, Tuzsuz Mustafa, wenn ich meine Pan- 
toffeln unter meinen Arm nehme, atme ich in Balat, (Alle klopfen 
am Tore. Tuzauz Mustafa hält in seiner Hand ein Messer und 
tritt hervor, die Viertelbewohner erschrecken, und jeder läuft 
in eine andere Kichtung, der Platz wird leer.) 

Zen. Aber bevor mich irgend ein Ungemach trifft, rette 
ich mich und gehe. (Flüchtet sich, die Musik setzt ein, Kavuklu 
und Pesekjar kommen.) 

Kav. Brüderchen, ich werde auf diesem schrecklichen Orte 
kein Schuhmacher bleiben. 

Pes. Eecht. Bruder, auch ich werde diesen Laden ohne 
vieles Handeln verkaufen und aus diesem Viertel gehen. 

Kav. Bravo, heute errettest du dich leicht aus meiner 
Hand. Welche Sprachfehler wir auch immer begangen, sei es 
verziehen. Wenn es Gott will und deinen Kragen im freitägigen 
Spiel in meine Hände bringt, weiss ich, was ich zu tun habe 
(beide machen einen temenna Gruss) und entfernen sich unter 
den Musikklängen vom Platze; das Spiel ist aus. 

2. 
JBahöe ojmi. 

Iranli Appaz ä näminda bir zät usä, birde nükeri oldü 
halda Rum dijäri nämile Istambola zijäret icün gelmistir. 

Ajemler Pesekjavln, meshür olan bahcesine misäßr ola- 
^ak tir, KavuMu JPeSekjardan, bahceje girmek isterse, dajak 
jer atilir. 



86 

Zenneler hdhdeje sejr icin gele^ekUr, bir me^Us-i äräm 
edwp otura^aklar. Kavuklu zenne kijäfetine girüp zennelerlen 
muhävere ederken, kirn oldü anlaJiilip döväp ata,^aklar. 

La» bahdeje misafir, Kavuhlu peiinden beräber, eUne 
ajäna iple bälanip bahcenin disnrisina ata^aklar. 

Arnaut geliiinde Kavuklu dahi Amautla ojun ojna- 
jarak ve sohpet ederek bahceje beräber gir erler, A^emUrin janina 
sokulup nargilenin külähini calar. Kojnuna Boka^ä esnäda düSü^ 
rür. Bunan jaban^i oldü anlaiilmasile bojnuna bir zin^ir takar- 
lar, Kavukluju kapinin önÜ7Ui bälarlar. Bah^eden bir köpek 
dikar, KavuMuja hirlar ; Kavuklu köpeji döver, alt alta üat 
üste köpekle kavga japarlar. PeSekjar gelir, biöäre Kuvukluja 
aiarken köpejin elinden kurtarir. 

Kajsevli bakkal ve Mginni kasab beraberße ili zät hoi 
äräm icün bahceje girmek arzu ed erler, biraz ejlenmek isterler^ 
Icki iiret esnäsinda Kavuklu dahi o kijäfete girerek gider, 
janlarindan jemek tepaisini calar, Jemeji jijerek bahceden cikar- 
ken Pesekjära rast gelir, satin aldim mänäsini ihtär eder ; 
halbuki dalinan tepsi kasabla bakkalin olup, hemen Kavukluji 
döverek tepsiji alirlar, 

Jahudi bir tabakdi-dir, Bahcevan taraftndan bahceje ^elb 
olunarak, ufak-iefek almak esnäsinda Kavuldu gelir, küfenin 
iöiue saklanir. Jahudi küfeji kaldira^ä esnäda Kavuklu 
küfeden bärir, jahudi korkar, tabaklar kirilir, Kavuklu ßrlißp 
8okä kacar, FeSekJar dahi Kavukluja hitäben : 

— Agjah efendi,^) ne zevzek adam-sin, hiö utanmazsin^ 
senin serrinden ve edebsizlinden bahceme müsteri gelmesin-mi ? 

Ka/v. Aman Tähir efendi**) bahcede ben jaban^l-mi-jim ? 
Ne olur, iki marol-da ben jemejim-mi ? 

PeS. Zikkim je pis mundar, her bir sej jersin, baho'je 
girersin, cicekleri dijnersin, her kesin ötcsini berisini calarsin,. 
köpekle bile kavga edersin, senden usandim, bäri bahdeji satajim-da 
kurtulajim. 

esnäda a^emler PeSekjara hitähen : 

— Bägibä7i baba, özüm Irandan geldim, jorgun-um, ejleni» 
isterem. köcek isterem, cengi istereniy calgi isterem, 

Galgi ve köcek häzir olarak, raks etmeje baslarlar. Ka^ 
vuklu dahi bir köhne zurna bularak, bahcenin kapu önünde 
calmä baslar. Hemen a^emler dujarak, bahcevandan calgi, ^i bir 
^elb, icerije cärdikta Kavuklu oldü anlasllarak, Peiek^ar 
tarafindan bir taktir gene bahceden dUarlja atarlar. 



*) Der Name Kavuklu' & in diesem Spiele. 
**) Der Name Pe^ekjur^. 



Bu gibt diger taklidler dahi, gurek linn'.nrdan evvel gerek 
bunlardart »oiira bakceje duhül va Kaeukluniii efkjärl da/ma 
bakieje girmek iater. Kinne bun<i bahccje kabül etmijerek, en so- 
nunda kendi kanit iktijar jnlla bir Zennc olap, bir-de nfak 



88 

^o^uk janinda, birde taklid co^uk ku^ända, ve kendisi-de kadtn 
kijäfetinde olarak ez sümle herkes sejirßler ve misäßrler hahce- 
den giderken bahcevana bahsislar vererek giderler. 

Kavuklu karisi ve co^uklarl beräber oldü halda, bir sar^ 
hoS^ elinde ko^aman iise icki olarak ve icerek bahceje girer, 
Bahcede bir gürültü cikarup sarhoi PeSekjarlc. bir suzz-i mu- 
hävereden sonra bahce kapisini kapajarak, sarhoi u kovar. Ka- 
vuMiija hitähen : 

— Ben gidejim, evime cekilejim, bu bahce bana jaramadi, 
häneme cekilejim, istirahatima bakajim, der gider, 

Kavuklu dahi zennelerin birine harfendäziik japar, ev- 
lenmeje kalkar, zennenin birini alir. Iki evli oldü Halde iki kari 
bir olup Kavuklujl döverek diger eve götürürler, mejdanda-ki 
ev häli kalir, ojun hitäm bulur. 



Garten-Spiel. 

Ein Diener und zugleich Page eines gewissen Perser Appaz-ä 
kam Besuchs halber nach Stambul, im Lande Rum. 

Die Perser werden im berühmten Garten des Peschekjar 
als Gäste erscheinen. Kavuklu wird von Peschekjar, als er in den 
Garten eintreten will, geprügelt und hinausgeworfen. 

Die Zenne's werden, um spazieren zu gehen, in den Garten 
kommen und sich niederlassend sitzen. Kavuklu zieht sich Zenne- 
Kleider an, und als er mit den Zenne's Gespräch anknüpft, 
verrät sich sein Wer sein, und wird geprügelt und hinausgeworfen. 
Der Laze als Gast im Garten, nach ihm Peschekjar, nachdem man 
ihm seine Hände und Füsse mit Strick gebunden hatte, wird er 
hinausgeworfen. 

Als der Albanese erscheint, unterhält Kavuklu mit ihm 
Gespräch und spielt mit ihm, indem sie den Garten betreten. 
Er schleicht sich zu den Persern und stiehlt den Feuerbehälter 
des Nargile. Als er denselben in seinen Busen stecken wollte, 
lässt er ihn fallen. Als es auf diese Art bekannt wird, dass er 
ein Fremder sei, legt man an seinen Hals Kette, und man 
bindet den Kavuklu hinaus vor das Tor. Aus dem Garten kommt 
ein Hund hervor, blafft Kavuklu an. der schlägt den Hund, und 
es beginnt eine Balgerei mit dem Hunde. Peschekjar kommt, 
nimmt den armen Kavuklu und rettet ihn vom Hunde. 

Der Obsthändler aus Kaiserie und der Fleischhauer von 
Egin kommen zusammen und wollen Vergnügen halber in den 
Garten treten und sich dort aufhalten. Während des Trinkens 
tritt auch Kavuklu in derselben Gestalt ein und stiehlt von 
ihnen die Speiseschüssel, und als er sich satt essend den Garten 



89 

verläset, begegnet er Peschekjar und sagt ihnj, er habe es ge- 
kauft, obwohl die gestohlene Schüssel dem Obsthändler und 
Fleischhauer gehört. Sie prügeln den Kavuklu durch und neh- 
men die Schüssel zurück. 

Der Jude ein Tellerhändler. Er wurde seitens des Gärtners 
eingeladen und als man sich Kleinigkeiten ankauft, kommt Ka- 
vnklu und versteckt sich hn ßanzen. Als der Jude den Korb 
heben wollte, brüllt Kavuklu aus dem Korb, der Jude erschrickt, 
die Teller zerbrechen, Kavuklu entwindet sich und läuft auf 
die Gasse. 

Peschekja?' zu Kavuklu: Agjah efendi {Kavuklu^s Name in 
diesem Spiele), was für ein liederlicher Mensch bist du, schämst 
dich nicht, wegen deiner Schlechtigkeit und Ungezogenheit soll 
meinen Garten kein Gast besuchen ? 

Kavuklu: Aber Tähir efendi (Name Peschekjar* s), bin ich 
denn ein Fremder im Garten? Warum soll ich nicht zwei 
Marol essen. 

Peschekjar: Friss mein Gift, Schmutzkerl, alles frisst du 
auf, betrittst den Garten, zernagst die Blumen, bestiehlst einen 
jeden, sogar mit dem Hunde raufst du dich, ich hab dich genug, 
ich möge den Garten verkaufen, dass ich los bin. 

Indessen die Perser zu Peschekjar: 

Gärtner- Väterchen, ich kam aus Iran, ich bin müde, ich 
will Unterhaltung, einen Tänzer will ich, eine Tänzerin will ich, 
Musik will ich. 

Als der Tänzer und die Tänzerin erscheinen, beginnen sie 
zu tanzen. Kavuklu fand eine alte Pfeife und fängt vor dem 
Tore des Gartens zu spielen. Die Perser hören es sofort und 
lassen ihn durch den Gärtner rufen. Als sie erfahren, dass es 
Kavuklu sei, erhielt er von Peschekjar abermals Rüge und wird 
hinausgeworfen. 

Ähnliche Nachahmer wollen sowohl vor, als nach diesem 
Einlass in den Garten, und Kavuklu's Absicht ist immer in den 
Garten zu treten. Niemand will aber ihn hineinlassen. Endlich 
geht neben seiner Frau, die schon alternd war, und mit einem 
kleinen Kinde und einem Nachahmerkinde auf ihrem Arm, zwi- 
schen anderen Spaziergängern und Gästen auch er in Weiber- 
kleider verkleidet in den Garten, indem sie dem Gärtner Ge- 
schenke geben. 

Kavuklu befindet sich mit seinen Kindern und Gattin, als 
ein Besoffener, in seiner Hand eine riesengrosse Flasche haltend, 
trinkend den Garten betritt. Im Garten entsteht ein Gepolter, 
der Besoffene, nachdem er mit Peschekjar ein wenig plauschte, 
schliesst das Tor Pechekjar, verjagt den Besoffenen und sagt zu 
Kavuklu: 



90 

Ich gebe, ich ziehe mich in mein Haus zurück, dieser 
Garten tat mir nichts zum Guten, ich gehe in meine Behau- 
sung und ruhe mich aus — sagt und geht. 

Kavuklu schäkert mit einer der Frauen, er will heiraten 
und nimmt sich eine Frau. Da er zweimal verheiratet war, ver- 
einten sich die beiden Frauen, prügeln Kavuklu und führen ihn 
in ein anderes Haus, dasjenige am Schauplatze bleibt leer, und 
das Spiel endet. 

3. 
Kaie ojnu. 

Avnaut bejlerinden Tähiv ä näminda bir bej, mäjetinde 
külli zevat bulunuVy kirda gezmek esnäainda bir köje dähil olur. 
Meskjur köjde köj äsinin kizina alaka t alebinde kizi^ kiziii ptderi 
vermez. Tähir U ise, kendi adamlarini altp beraber gajri bir 
gün kizi häneden calarak, kendi öiftline götürär. Kizin tara/l 
köj älarina ahälisini toplajarak^ müsellah btUundü halde, ciftlije 
hä^um ederler. 

Pesekjar Tähir fmin mäjetinde kjäja olur, KavuMa 
dahi köj ahälisinin mejäninda bir nekre. sahis ve demirßi esna- 
finda bulunur. Ahälinin elinde bvlunan silahlar, kimi kazma 
kimi kiireky kimi balta kimi satir, kimi dapa ve tirpan ve Oven- 
dire dejwji ve dibek eil olduklari halde ciftlije hü^üm ederler, 

Kizin bulundü mevki Tähir ä/nin öiftUnde kalemai bir 
kut'^ir icinde olup, ojun hälinde dort eträfi kjätla donanmiS ka^ 
pali, dipten bir kapi ve cukiir olarak kutur alti kisi almaz, hal- 
buki jer ojuk olarak, icerisiiide jirmi-otuz kisi muhafaza olmalL 
Ve kalenin eträfinda ses öika,^ak dereßede kjättan fisek donadil- 
malt, Ärnautlarin elinde hü,jüm esnäsinda birer picak, birer de- 
jirmi kalkanla kaleden di^ari clkarak kavga ederler. Bu sirada 
Kavuklu vurulur, ahäli kacar. Kavukluji kaleje götürürler. 

Kavuklu jarasi eji olduktan sonra kizi bir un cuvalina 
sokarak, ciftlikten diiari cikarirken, Tähir änin adamlari : 

Nereje götürijorsun unlari ? 

Kav. Ekmek japmaja, jok jok satmaja, jok sej sej be . , » 
hani ja gözleme pide japa^äz, 

Adamlar. Getir bakajim, eji un-niu? 

Kav» Sana jaramaz, bö^ekli un, 

Adam, Dsanim, bir kerre bakajim, 

Kav. Of cnk söjlendin, zäten jorgun-um, 

Adam. Peki, jorgun-san bana ne. Dur bakajim. 

Kavuklu durdu, cuvali actilar, icinden kizi buldvlan 
Kiza hitäben Tähir ä: 



91 

Nereje gidijordun? 

Ki». Efendim, ben-mi? 

TcAir. Evet sen ja: kirne sorijorumf 

KI&. (iaürarak iejden ieje) bilmem, bu adama sorun. 

Tahir (KavuMuja), Ulan budala^ aUak jüksek, orta 
kat herif, seni dl ci jerim. 

Kav» Efendim tuzlu'iim, girtlända kalirim, hekim perhiz 
ettirdi, kimsenin girtläna girme dedu 

Tühir. Döru söjle, nereje gide^ektiniz ? 

Kav» Efendim, bahcede azi^ik oturagaktik. 

Tahir. Peki, kizi nereje götürijorsun, kimden izin aldin^ 
sen kim-sin, ben kim-ini ? 

Kav. Ben ben-im^ gene ben-im, sen sen-sin kujvja düser' 
sin (dijerek ^ümlesi toplanip kaleje gir erler), 

Kavuklu eji olduktan sonra arnautlar bir teivik, kizin 
pederinin bulundü häneje tärüz ederek, validesini hemsiresini 
biläderini pederini ßebren ciftUje götürüp düjün japarlar» 

Sonda intikäm icün kizin pederi Tähir aji bir bardak 
zehirle telef edip kizini alir, köjüne gider. Tähiv änin adam- 
lari mudähala ettnejüp, ciftliji kapatup memleketlerine giderler. 
JKavuklu ve Penekjar dahi : Gördün-mü hdspa, senin jazün- 
den oldu bu mundarliklar, biz-de savusalim, kimse bizi görme- 
sin, dejüp giderler, ojun hitäm bulur. 



Festuugrsspiel. 

Es befinden sich alle Personen im Gefolge des Tähir ä, 
eines der Albanen bej's; er kam während des Lustwandeins auf 
dem Felde in ein Dorf. Im nämlichen Dorfe wirbt er um die 
Hand der Tochter des Dorf-ä's, ihr Vater gibt jedoch das Mäd- 
chen nicht. Tähir ä aber nahm seine Leute und stiehlt an einem 
anderen Tag das Mädchen aus dem Hause und führte es in seine 
Meierei. Die Partei des Mädchens sammelte zu dem Dorf-a die 
Bevölkerung und greifen die Meierei bewaffnet an. 

Pesckekjar ist im Gefolge des Tähir ä Diener, Kavuklu ist 
unter dem Volk eine komische Person und ist nach Beschäfti- 
gung Schmied. Das Volk richtet, mit Spaten, Buder, Hacke, 
Fleischmesser, Hechel, Sense und Jochnagel, Mörserramme etc. 
bewaffnet, Angriff auf die Meierei. 

Der Ort, wo sich das Mädchen in der Meierei des Tähir ä 
befand, war ein festungsähnlicher Hügel, im Spiel waren die 
vier Seiten mit Papier umgeben, von unten öffnete sich das 
Tor in einen Graben, der untere Teil des Hügels nimmt keine 
sechs Personen auf, obwohl, da der Ort hohl war, derselbe 20 



92 

bis 30 Personen beschützen sollte. In der Umgebung der Festung 
soll man blos Laut gebende Patronen anzünden. Als das Volk 
die Festung angreift, muss man dieselben anzünden und ab- 
feuern. Während des Angriffes kämpfen die Albaner, in ihrer 
Hand ein Messer oder runder Schild, hervorstür^eiod. Inzwischen 
wird KavaJdu verwundet, das Volk flieht. Kavuhlu wird zur 
Feste gebracht. 

Nachdem die Wunde Kavuklus geheilt wurde, steckt er 
das Mädchen in einen Mehlsack und bemüht sich, es aus der 
Meierei zu schaffen. Die Männer Tähir ä's: Wohin trägst du 
das Mehl? 

Kavuklu : Brot zu machen, nein, nein, zu verkaufen, nem, 
ding, ding, wir werden ja mit Käse gefüllte Mehlspeise machen. 

Tähir' 8 Leute: Lass sehen, ist es gutes Mehl? 

Kavuhlu: Du kannst es nicht brauchen, käfriges Mehl. 

Tähir' s Leute : Aber, lass mal doch sehen. 

Kavuhlu: Ach, was sprichst du, ich bin schon müde. 

Leute : Gut, bist du müde, was geht's mich an, lass sehen. 

Kavuklu blieb stehen, der Sack wird geöffnet, und das 
Mädchen gefunden. Tähir zum Mädchen : 

Wohin gehet du? 

Mädchen: Mein Herr, ich? 

Tähir: Ja, natürlich du, wen frage ich sonst? 

Das Mädchen in ihrer Verlegenheit zögernd : Ich weiss es 
nicht, diesen Mann frage. 

Tähir zu Kavuklu: Kerl, Dummkopf, niedriger, hoher, 
mittlerer, dich fress ich roh. 

Kavuklu : Mein Herr, ich bin salzig, ich bleibe in deinem 
Schlünde, der Arzt hat es verboten und sagte, gehe in nie- 
mandens Schlünde. 

Tähir: Die Wahrheit sage, wohin wolltet ihr gehen? 

Kavuklu : Im Garten wollten wir ein wenig sitzen. 

Tähir: Gut, wohin führst du das Mädchen, von wem er- 
hieltest du Erlaubnis, wer bist du, wer bin ich ? 

Kavuklu : Ich bin ich, wieder ich, du bist du, fällst in 
den Brunnen. — Bei diesen Worten raffen sich alle zusammen 
und betreten die Feste. 

Nachdem Kavuklu sich erholte, brechen die Albaner auf 
Ermunterung ins Hans des Vaters vom Mädchen, führen die 
Mutter, Schwester, Bruder, Vater des Mädchens mit Gewalt in 
die Meierei und machen Hochzeit. 

Später tötet der Vater des Mädchens aus Rache mit einem 
Glase Gift den Tähir, nimmt seine Tochter und führt sie ins 
Dorf zurück. Die Leute des Tähir'8 mischen sich nicht in die 
Sache, sperrten die Meierei ab und kehren in ihr Land zurück. 



93 

Kavuklu und auch Peschekjar : Siehst es, Schwa<::er, diese 
Dupimbeiten sind deinetwegen geschehen, schauen wir weiter 
zu kommen, damit uns niemand sieht — sagend entfernen sie 
sich und das Spiel endet. 

4. 
Sandlkll baskin^ jähod sarhoSa hüle. 

JPesekJar cikip mejdana zapt eder. 

Kavuklu cikar, tatli-tatll hirbirinnea konuiurlar. 

Zenne (iki kisi) ko^asindan hacip, Peiekjavdan ev 
tutarlar. Sarhos ko^alari dir. 

Sarhos gelir, PeSekjardan arar karilarini. Bulumrlar 
barUirlor. 

Aßetn häneje alajak näm ile gelip iceri gelir, oturur, 

SarhoH gelir, ^ümlesi korkup bir jere saklanirlar. 

IJaz bakir satmaja gelip hänede kalir. 

SarhoS gelir, ^ümlesi korkup bir jere saklanirlar. 

Kajserli bakkal dir, o-da häneje duhül, defätle Sarhos 
gcbnesinden biri sandä, biri sepede, biri jüke saklanir. 

Avnaut kojun tüß^arly zennelerle hcmede kalip, 

SurhoS eve geldlnde ^iimlesi korkup bir kÜlm altina sak- 
lanirlar. SavhoS karisindan raki parasi ister. 

Ajva» evvelje usak-mis, para istemek icün hanimla müra- 
^ätla O'da hänede kalip sarhos geldlnde a^ele ilen camasir ka- 
zanina girer. 

Sikk hanimin sevgilisi häneje gelip, ^jümlesi sarki okur- 
ken^ calgi calarak esnäsinda, 

SarhoS gümlesini kapi önünde dinlejerek, iceri girip hep- 
sinnen baslar beräber ojun ojnamaja. O esnäda akli basina gelip 
bir nära atar, hepsi birer jere ajri-ajri saklanirlar, halbuki 
Kavuklu bicäre minder altina girerek Sa/rhoS üzerine oturup, 
kipirdanmaja baslar baslamaz, kuländan cekereh disari cikarir. 

SarhoS. Ne dir bti hol? 

Kav. Burda düjün var zann ettim. 

SarhoS» Benim evimde düjün ne gezer ? 

Kav. DsümUmiz burda mev^üd-uz. 

SarhoS. Kimler var? 

Kav. Efendim, aßem, laz, arnaut, kajserli, ajvaz, sikk 
Zifos bej, hepimiz burda-jiz. 

SarhoS ßümlesini cikarir, silaha davranir, hepsini döver 
kovar, karilari dahi terk eder. Ojun hitäm bulur. 



Der Ansrriff oder Betrug: Ar den Betrunkenen. 

Peschekjar erscheint und tritt auf. 

Kavuklu kommt hervor, und beide plaudern gemütlich mit 
einander. 

Zenne (zwei Personen) fliehen von ihren Gratten und mieten 
bei Peschekjar ein Haus. Sie haben Besoffene als Gatten. 

Sarhosch kommt und sucht bei Peschekjar seine Frauen. 
Sie treffen sich und versöhnen sich. 

Perser kommt ins Haus, um es zu kaufen, und setzt sich. 

Sarhosch kommt, alle erschrecken und verbergen sich. 

Laz kommt, um Kupfer zu verkaufen, und bleibt im Hause. 

Sarhosch kommt, alle erschrecken und verbergen sich. 

Kajserli ist ein Fruchthändler, auch er tritt ins Haus, und 
als sich der Besoffene wiederholt nähert, versteckt sich einer 
im Koffer, der andere im Korbe und der dritte im Gepäck. 
Als Sarhosch erscheint, ersckrecken sie. 

Amaut ist ein Schafbändler, bleibt mit den Frauen im 
Hause. 

Sarhosch tritt ins Haus, alle erschrecken und verstecken 
sich unter einem Teppich. Der Besoffene verlangt Schnapsgeld 
von seiner Frau. 

Ajvas war früher Diener, er verlangt von den Frauen Geld 
und auch er bleibt im Hause. Als der Besoffene erscheint, 
schlüpft er rasch in den Wäschekessel. 

Schikk ist der Geliebte der Frau, und als er ins Haus 
kommt, singen sie alle und spielen. 

Sarhosch hörte alle vor dem Tore, tritt ein und beginnt 
mit allen auf einmal zu tanzen. Indessen kam sein Verstand 
in seinen Kopf, er schreit auf, jeder versteckt sich separat. 
Kavuklu der arme schlüpft unter das Sofa und der Besoffene 
setzt sich darauf und als er sich zu rühren anfängt, zieht er 
ihn bei den Ohren hervor. 

Sarhosch : Was ist das ? 

Kavuklu : Ich meinte, hier sei eine Hochzeit. 

Sarhosch : Was sucht in meinem Hause Hochzeit ? 

Kavuklu: Alle sind wir hier anwesend. 

Sarhosch : Wer sind es ? 

Kavuklu: Efendim — der Perser, der Laz, der Albanese, 
der aus Kaiseri, Ajvaz, Schikk Zifos hejy alle sind wir hier. 

Sarhosch zieht sie alle hervor, ergreift seine Waffen, schlägt 
und verjagt alle, verlässt auch seine Frauen. 

Das Spiel endet. 

-K -K -K 



95 

Die letzten drei Spiele, dessen Aufzeichnung ich ebenfalls 
meinem Schüler Eminuddin verdanke, sind Bruchstücke, be- 
ziehungsweise kurze Auszüge. Eins dieser, das Bahce Ojnu 
(Gartenspiel) ist vielleicht das volkstümlichste solcher Spiele. 
Sein Inhalt ist durch die ähnlich genannte und auch der Hand- 
lung nach gleichen Kfiragöz8]ßiele bekannt. Der Bahmen des 
Spieles ist der Lustgarten Pesekjars, wohin die Vertreter der 
verschiedensten Volkstypen Eintritt zu erhalten streben, dass 
sie sich dort herzhaft unterhalten mögen. Jedem Einzelnen steht 
Kavuklu in den Weg, und entweder foppt er sie oder wird er 
durch sie zum Besten gehalten. Der türkische Volkshumor 
offenbart sich in diesem Spiele am karakteristischesten, und 
hier treten auf alljene Mukallid (Nachahmer), die zur Verspot- 
tung seitens Kavuklu passendst erscheinen. 

Der folgende Auszug trägt den Namen Kaie Ojnu (Fes- 
tungsspiel). Dasselbe gehört zu den ältesten Orta-iypen. So sehr, 
dass ein vollständiger Text desselben kaum zu finden ist. Ähn- 
lichgeartete Spiele, deren Ursprung auf die Zeit der Derebej- 
Herrschaft zurückzuführen ist, wird von den heutigen Spielern 
historisches Orta genannt. Es wird behauptet, dass diesen Spie- 
len in der Begel eine historische Tatsache zu Grunde liegt. 
Verschiedene Kämpfe zwischen kleinasiatischen türkischen Stäm- 
men, Mädchenraube, und wie der gegenwärtige Auszug es auf- 
weist, der Blutrache ähnliche Mordtaten bilden den Kern die- 
ser historischen Spiele. Heute ist die Aufführung solcher Spiele 
etwas aus der Mode gekommen, sogar verboten, deshalb wird 
die auszügliche Veröffentlichung von zweifachem Interesse sein. 

Das dritte Spiel, Sandikll Baskin (Angriff) gehört der Art 
der Taklid'Spiele an. Dieselbe wird durch Auftreten der be- 
kannten Gestalten und ihre Verspottung seitens Kavuklu ge- 
kennzeichnet. Die Hauptrolle hat der Betrunkene (Sarhos) 
inne, der über alle Mitwirkende den Sieg davonträgt. Das Spiel 
verbildlicht im übrigen die ÜbermachtJ[der rohen Kraft, deren 
Hauptvertreter die Tuzsuz oder Bekri Mustafa Gestalten sind. 
Früher, wie mir von massgebender Stelle mitgeteilt wurde, bil* 
deten die Befcn- spiele ebenfalls einen besonderen Typus, und 
verschmolzen nur mit der Zeit mit jenem anderen Or^a-typus 
in welchem die Taklid die Hauptrolle führen. 



96 

Wenn wir die Lehre, welche wir aus den bisher bekann- 
ten und aufgezeichneiten Spielen gewinnen konnten, zusammen- 
fassen, können wir drei Orta-typen unterscheiden. Das Taklid, 
dann das dessen Hauptheld Bekri oder Tuzsuz ist und der 
dritte Typus, die Spiele mit historischem Hintergrunde. Wei- 
tere Aufzeichnungen werden uns gewiss noch zu interessanteren 
Ergebnissen führen. 



■ f 



II. 



Während der Zusammenstellung meiner auf die Orta be- 
züglichen Daten, erschien in den Spalten eines türkischen Blattes 
eine auf diese Spiele Bezug habende türkische Mitteilung.*) Ver- 
fasser derselben ist Ahmed Bäsim. Obgleich diese kurze Notiz 
nur wenig Neues enthält, schien sie mir dennoch sehr geeignet» 
in grossen Zügen dem Bahmen meiner Arbeit einverleibt zu 
werden. Er übernahm den auch von uns bearbeiteten Stoflf aus 
dem Werke Evlija, aber er sammelte auch mehrere interessante 
und grösstenteils unbekannte Stoffe vom bedeutendsten Kavuklu 
der türkischen Hauptstadt, Hamdi efendi, der mit seinem Ge- 
nossen Kütschük Ismail der Leiter der berühmtesten Orta-Ge- 
Seilschaft ist. 

Die HamdiBche Gesellschaft hat in vieler Hinsicht die alten 
Traditionen aufgegeben und wird hauptsächlich dadurch gekenn- 
zeichnet, dass sie sich bestrebte, die Orta, sowol in scenischer 
Einrichtung, als auch bezüglich des Gegenstandes, der in euro- 
päischem Sinne genommenen Bühne näher zu bringen. 

Mit diesen Bestrebungen erreichte er in erster Beihe, dass 
die heutige Orta sehr viel von ihrer altertümlichen Färbung ver- 
loren hat, und dass viele solche Motive wegblieben, die mit dem 
Ursprung und der Entwickelung in engem Zusammenhang stan- 
den. So unterblieb vor allem das tanzende Auftreten der Frauen 
(zenne), und zwar mit der ein wenig naiv scheinenden Begrün- 
dung, dass es für türkische Frauen unstatthaft wäre, an einem 
öffentlichen Orte, in Gegenwart des Publikums zu tanzen ; währ 
rend doch bekanntlich die Bollen der Frauen gewöhnlich mit 



^) S. Ikdam, Journal politique, ^conomique et litt^raire. Constanti- 
nople, jeudi 11 Juillet 1907. 

Das türki8(^ Volkaschauspiel. 7 



98 

Männern besetzt werden. Ferner unterblieb bei den Zwiegesprä- 
chen das Gegenüberstehen der handelnden Personen und damit 
auch der Platzwechsel der Spielenden. Und doch hatte dies, wie 
ich oben Gelegenheit nahm zu erörtern, seine ganz begründete 
Erklärung. Die Darsteller der neuen Orta bewegen sich freier, 
weniger an den Ort gebunden, sozusagen europäischer. Zu diesem 
umstände kam noch, dass die Kleidung der spielenden Personen 
sich einigermassen der modernen türkischen Tracht anpasste. 

Wir nehmen zwar seine auf den Ursprung der Orta be- 
züglichen Bemerkungen nicht an, sondern veröffentlichen die- 
selben nur als eine unter den Türken verbreitete allgemeine 
Auffassung. Sie halten die 0/fa-Spiele mit dem Karagöz nahe 
verwandt und sehen den Hauptunterschied darin, dass anstatt 
der Puppen lebende Personen auftreten. Ferner heben sie die 
Dreigliederung der Oria-Spiele hervor, die grössere und tiefere 
Einheit der Handlung und besonders den Mangel jenes grotesken 
Zuges, der im Karagöz die Hauptrolle spielt. Vom Spiele selbst 
haben sie nur eine geringe Meinung und finden ihr grösstes 
Entzücken an geistreichen und schön gesponnenen Dialogen. 
Im Übrigen bekümmern sie sich, wie überhaupt mit den Er- 
zeugnissen der Volksliteratur, nur sehr wenig um die litera- 
rische und sprachliche Wichtigkeit dieser Frage. Es ist ein bei- 
nahe vereinzelt dastehender Fall, wenn sie sich mit derartigen 
Fragen, und sei es auch nur in einer kurzen Notiz, beschäfti- 
gen. Die Notiz Eäsim's enthält übrigens in den Hauptzügen 
Folgendes : 

Die Zahl der Vergnügungsspiele, welche seit altersher in 
unserer Stadt aufgeführt werden, ist nicht grösser als vier. Es 
liind nämlich das Orta ojnu, Karagöz, Kukla (Puppenspiel) und 
HokkabäZ' (Schwarzkünstler-)spiel. Die Spiele Dschanbäz (Seil- 
tänzer) und Pehlivan (Kinger) gehören nicht in diese Kategorie. 
Diese beiden Spiele werden zu den in unseren Tagen Sport ge- 
bannten und zur Mode gewordenen Spielen gezählt. Ausserdem 
giebt es Aufführer solcher Spiele, wie Sänger und Musiker (^ä- 
nende ve säzende), Komödianten (mutrib), Tänzer {rakkas), Pe- 
BchekjarSy Halbtrommelschläger {dajre-zenän), Nachahmer {mu- 
kallid, Harlekine (muzhik), Possenreisser (kasmer). Unter der- 
gleichen Namen sind verschiedene Leute bekannt, unter denen 



99 

die Meddah Genannten eine besondere Klasse bilden. Wenn wir 
sie näher betrachten, so entpuppen sich alle als Karagöz- und 
Orta*Spiele. Trotzdem gehört das Kuklasj^iel und das Hokkabäz 
nicht zur Gattung des Orta und des Karagöz, denn die beiden 
letztgenannten Spiele sind nicht nur gleich, sondern auch ihre 
Aufführungsart dieselbe. 

Der Unterschied zwischen dem Orta und Karagöz besteht 
femer in dem ümstatid, dass das erstere mehrere alleinstehende 
Personen auftreten lässt und eine höher entwickelte Bühnen- 
technik aufweist. Es besteht Zweifel, ob dieses Spiel orientali- 
schen Ursprunges sei. Gemäss den Nachrichten, die wir bezüglich 
der Spiele auf oflfenem Orte aus China erhielten, werden auch 
jene Spiele nicht in geschlossenem Baume aufgeführt. Anderer- 
seits ist es wahrscheinlich, dass jene Spiele von den alten Griechen 
und Bömern übernommen worden sind. Nach den Geschiohts- 
angaben dieser beiden Länder, welche sich auf diese Spiele be- 
ziehen, wäre der Boden des Theaters von auf Füssen stehenden 
Dielen aufgerichtet. Diese Bühnen nahmen aber einen geräu- 
migen Platz ein und die Zahl der Zuschauer überstieg oft dreissig- 
tausend. Da die meisten dieser Theater offen waren, zogen die 
alten Griechen, wenn sie dieselben besuchten, ihren Mantel an, 
um sich vor Kälte und Sonne zu schützen. Wenn ein Gewitter 
losbrach, wurde das Spiel unterbrochen. Bei den alten Römern 
befinden sich im Theater keine Stühle, Sofas und derartige 
Möbel, und folglich mussten sie stehen. Diese Theatergattungen 
erinnern uns augenfällig an unsere Oria-Bühnen. 

Früher wurde das Orta ojnu in Bajram-'pascha, Jeni-baghtsche, 
Ischirpidschi, Joghurtschu-tscheschmesi und ähnlichen Spazier- 
plätzen aufgeführt; die Komiker, an die ich mich noch erinnern 
kann, waren Hamdi, Kamhur Mehmed und Agjah, Gemäss den 
Daten, welchen wir in manchem Werke begegneten, wurden seiner-, 
zeit statt der Benennung Orta gewöhnlich Subede-bäzän (Taschen- 
spieler) und Muzhikän (Komödianten) gebraucht. In Stambul 
spielten Komödianten, Tänzer, Musiker, Ha.lbtrommelschläger, 
Spassmacher und Nachahmer, Fossenreisser, siebzig Tassen und 
den Himmelsreif durchwanderte Personen, und sammelten von 
den Zuschauern in einem Teller Geld ab. 

Diese Beschreibung bezieht sich direkt auf das Or^a-Spiel. 

7* 



100 

Der Ausdruck Zuhuri AroZu, das für den ganzen Begriff des Orta 
ojnu*& bekannt ist, war der Name einer Gesellschaft. Bei uns 
ist es fast unmöglich, die Zeit der Entstehung dieser Spiele zu 
bestimmen; aber in Betracht der zwei und zweieinhalb Jahr- 
hundert alten Spiele, lässt sich auf ein hohes Alter derselben 
schliessen. Ein zweihundert Jahre altes Manuskript teilt uns mit, 
dass sich die Zahl der Schauspielerzünfte auf zwölf belief.'^') 

Das Vorhandensein der Flöte (surna) im Orta ojnu ist eben- 
falls alt. Bis in unsere Zeit blieb eine Art der surna, welche 
wir kaba sürna nennen. Aber früher waren fünf-sechs Arten 
dieises Instrumentes im Gebrauch. Ausser der kaba -surna waren 
noch die kreisförmige (sevre), Aseß, arabische^ persische und 
Schihäbi surna bekannt. Das Werk Säznäme-i dilnuväznäme (Herz- 
erfreuende Flötenlehre) erteilt uns diesbezüglich vollauf Auf- 
schluss. Der Erfinder der kaba- surna ist Dschemschidy auch die 
dschevre s. wurde von ihm erfunden. Sie wird mit der Trommel 
zusammen gebraucht. Die Aseß s. ist die Erfindung des Aseß 
agha, der Agha des Verwalters von Baasora Tajjar Mehemed 
pascha war. Die arabische sur7ia erzeugte zum ersten Male der 
in Syrien wohnhafte Ali iVad. Obwohl die persische surna der 
kaba s. ähnlich ist, hat dieselbe einen grösseren Umfang und 
eine gellere Stimme. Die Schihäbi stammt aus dem Lande Fes. 

Aus den obigen Daten wird es offenbar, dass seinerzeit 
das Or^a- Spiel aus dem Zusammentreffen aller Lustbarkeiten 
bestand; Musik, Surna-Spiel, Nachahmung, Schwarzkünstlerei, 
Seiltänzerei und verschiedene Tänze ergänzten es. In alter Zeit 
bildeten die Nachahmer (mukallidejn) eine besondere lüasse. 
Unter den alten Nachahmern sind aus der Sippschaft des Kör- 
Hasan, Häjaldschi Mehemed berühmt. Dieser Mann war sowohl 
einzig dastehend in der Nachahmungskünat, als Autorität im 
persischen und arabischen; ausserdem Musikkenner, hervor- 
ragend in der ^ZiA;schrift und wird im Schattenspiel als Meister 
anerkannt. 

Im Schattenspiel machte er auf der Leinwand eine zweite. 



*) Hier zählt der Berichterstatter jäne zwölf Zünfte auf, welche 
er aus der EvLiJA-handschrift entnahm, als er dieselbe mit Schreiber dieser 
Zeilen kollationierte. 






'3 i 
^ 3 






•^ a 



102 

und erfand, wie man die kleinen Gestalten bewegen kann; 
ausserdem wird gesagt, dass die Erfindungen, die er im Schatten- 
spiel machte, sich auf dreihundert belaufen. Ausser Tschataldschi 
Mehemed waren noch Tschykrykdschy-zäde, Schebek tschelebi, 
Schengelf Surna, Äblak tschebdi bekannt; ausserdem gehörten zu 
dieser Gruppe die noch in unseren Tagen von vielen gekannten 
Sefäi Hasan, Kurban Osip. Die Lustbarkeit und Feinheit des Sefäi 
Hasa/n ist aus den mit seinem Namen verbundenen Geschichten 
ersichtlich. Von den in Mama, Oök-sa, Kusch-dili aufgeführten 
Orta-Spielen blieb kein sehenswertes Andenken. Nur die Erfin- 
dungen und angenehmen Gespräche des Hamdi sind interessant; 
ausserdem erregt Kütschük Ismail Gefallen. Dass die Nachahmung 
keine so leichte Sache sei, wie dieselbe erscheint, ist allen mit 
der Nachahmungskunst Bekannten verständlich. 

Der oberwähnten Mitteilung Bäsim bej's folgte bald eine 
zweite, ebenfalls in den Spalten des Ikdam (21. Nov. 1907). 
Gelegenheit zu dieser neuen Mitteilung bot meine Arbeit, in 
deren — mittlerweile erschienenen — ersten Teil ich dem Ver- 
fasser einen Einblick gestattete. Zugleich ersuchte ich ihn, mir 
richtigstellende und ergänzende Daten, insofern er solche sich 
verschaffen könnte, zur Verfügung zu stellen. Diese neuere Mit* 
teilung enthält schon mehrere wichtigere und brauchbarere Stoffe, 
die ich umsomehr benützen musste, da doch der grösste Teil 
seiner Daten von dem vielfach genannten Hamdi stammen. 
Laut diesen sollen nach Ansicht HamdVs die alten Or£a-Dar- 
stellungen damit begonnen haben, dass ein Kötschek (Tänzer) 
herangeschwebt kam, welchem die dschurdschuna-bäz genann- 
ten, mit spitzigen Mützen versehenen Musiker folgten, die 
durch Tanz, Gesang und eigentümlich belustigende Bewegungen 
die Zuschauer zum Lachen brachten. Er bemerkt aber sofort, 
dass bei der heutigen Orta dieses Vorspiel aufhörte; ebenso 
wurde auch das Tanzen der Frauen (zenne) beim Erscheinen 
oder während des Spieles aufgegeben. 

Das hält Hamdi für durchaus unzüchtig und unstatthaft 
und hat auch daher diesen Gebrauch aus seiner Truppe verbannt. 
Hier bemerkt der Verfasser des Artikels, dass meine Behauptung, 
derzufolge laut meinen Aufzeichnungen die zenne ohne Mantel 
(feredsche) auf der Bühne erscheint, nahezu unverständlich sei. 



103 

Und doch habe ich es. faktisch vor achtzehn Jahren bei einer 
eski'Scheririschen Orfa-Gesellschaft gesehen, was doch in dar 
Geschichte der Orta eine lange Zeit ist. 

Auf die verschiedenen Gesellschaften übergehend, behauptet 
der Verfasser der Mitteilung in Berufung auf Hamdi^ dass die 
Orfa-Spieler vier Gesellschaften besitzen, und zwar : Süpürge, Hän, 
Zühuri und Tschifte kamimrlar. Jeder dieser kol% hat je ein 
Oberhaupt {kol baschy). Der Kavuklu der Süpürge genannten Ge- 
sellschaft ist ein Spassmacher namens Hakki, der Chef derselben 
Kjämil agha. Der Kavuklu der alten Hän- Gesellschaft ist Ägjah^ 
während das Oberhaupt Deli Rifät ist. Der Kavuklu und zu- 
gleich Chef der Zuhuri genannten Gesellschaft ist der berühmte 
Hamdi. Er gibt aber keine Erklärung für die Benennung dieser 
vier Gesellschaften. Ebenfalls nach Hamdi soll der Name des 
gespaltenen Stabes, den Peschekjar in der Hand hält^ und den 
ich immer schakschak nennen hörte^ den Namen pastal JUamU 
führen; die Orta-Eleidungen kennen sie unter dem Namen pusat 
v:i>Lu^, und den Ort, wo sich die Mitwirkenden ankleiden, 
nennen sie pusat odasy (pitsat-ZimmeT). Der Ort, an dem die 
Handlung selbst spielt, ist unter dem Namen palanga 2üü^L} 
bekannt. Alle diese Ausdrücke sind Dialekt- Benennungen, jedoch 
kann man daraus keineswegs auf ein gewisses Alter der in Bede 
stehenden Namen folgern. Ist doch das Wort palanga neueren 
Ursprunges, wie auch das Or^a-Gerüst, im Vergleiche zum alten, 
modern erscheint, welches tatsächlich plankenartig ist (siehe die 
beiliegende Zeichnung S. 101, welche die Orta Hamid'Q zeigt und 
eine Scene vorführt). 

Indem er von den Fachausdrücken der Orta spricht, er- 
gänzt er unsere diesbezüglichen Kenntnisse mit folgenden Daten. 
Bei der Gesellschaft HamdVs heisst der die Bolle des Betrun- 
kenen gebende Schauspieler matiz wuLo, der Provinzler {tysch- 

raly), Nachtwächter (bektschi), Pastetenbäcker (gäzlemedschi) dar- 
stellende Schauspieler hirbu jJjjä. Der Darsteller des Franken 
(Europäers) heisst balama Loifü, die Frau {zenne) gadscha L^Lfc, 
die Pfeife (surna) nennt man papara f^LL, die Trommel (def) 
pandili ^jb JüL ; endlich heisst auch hier das das Haus vor- 
stellende Geländer (parmaklyk) jeni-dünja Lu<> ^Jo. Das Spiel 



104 

selbst nennt man allgemein keriz jiy* Sämtliche angeführte 
Ausdrucke bedürfen noch der Erklärung. 

Bei den alten Or^a-Spielen erschien laut Erklärung des 
Verfassers der verschiedene Weisen singende Peschekjar; diesem 
folgte der mit ihm sich in ein Gespräch einlassende Kavuklu 
oder der Komiker (nekre). Laut Aussage der alten Schauspieler 
war dieser nekre nicht mit dem Kavuklu identisch. Er erschien 
Tormals als Opiumtrinker (tirjäki) auf der Bühne^ das Gesicht 
mit dichtem Kaffeesätze bestrichen ; bekleidet war er mit einem 
Oberrock (entari), aus Shawl oder besch parmak genannten ge- 
streiftem Stoffe verfertigt; an den Füssen hatte er rote Schuhe, 
um den Leib einen einfachen Gürtel aus Shawl, am Kopfe einen 
oben gekrümmten Hut {killah), in der Hand eine kurze Pfeife, 
deren Bohr mit einem Faden an dem Gürtel befestigt war. Diese 
Gestalt wurde erst im Laufe der Zeiten durch ein Schükri efendi 
genanntes Individuum in den Kavuklu umgewandelt, das übri- 
gens auch andere Veränderungen an der Orta vornahm. Manche 
schreiben diese Umwandlung dem K(}r Mehemed zu; aber Ge- 
wisses darüber ist unbekannt. 

Anfangs überschritten diese Orta-Spiele, welche hauptsäch- 
lich aus spasshaften Gesprächen bestanden, kaum die Zahl von 
zwanzig- dreissig und den Kern derselben bildete immer der 
Dialog zwischen Peschekjar und Kavuklu. Ursprünglich bestand 
das Stück nur daraus und der Tänzer (kötschek) dieses Zwie- 
gesprächs hiess arzbar sLy^^. Die dem Gespräch folgenden 
Nachahmungen bildeten den zweiten Teil des Spieles und end- 
lich bildete der eigentliche Gegenstand des Stückes den dritten 
Teil. Solche, alle drei Teile enthaltenden Spiele gab es nach 
Hamdi anfänglich nicht mehr als elf; später vermehrte sich 
deren Zahl auf achtundzwanzig bis dreissig. 

Hamdi kennt folgende ältere Spiele: 1. Kaie, 2. Kyrman- 
dyrasy, 3. Mahale baskyny, 4. Tscheschme, 5. Tezgjah, 6. öjdüüü 
tirjäki, 7. Izmir, 8. Timarhäne, 9. Toplu, 10. Tschifte ortaklar. 

In neuerer Zeit, besonders seit einigen Jahren^ seitdem 
neuerdings die Erlaubnis zum Abhalten solcher Orta-Spiele ge- 
geben wurde, haben diese sich sehr vermehrt. Das Programm 
wurde bereichert, um auch die Anforderungen eines solchen 
Publikums zu befriedigen, welches bereits ein europäisches Theater 



105 

gesehen hat. Die alte Stoffe behandelnden Ortas versehwinden 
und an deren Stelle erseheinen, solche, in denen schon moder- 
nere Stoffe bearbeitet sind; bald sind es einzelne belustigende 
Geschichten, bald Stoffe, die modernen Schauspielen entlehnt 
sind. Das Improvisieren spielt bei diesen Stücken eine sehr grosse 
Bolle. Das geht sogar so weit, dass von einer planmässigen 
Rollenverteilung gar keine Rede sein kann, besonders was den 
Kavuklu und Peschekjar anbelangt. Mit ihren improvisierten 
Wortspielen, geistreichen Bemerkungen und zweideutigen Aus- 
drücken wirken sie unvermittelt auf ihre Zuschauer und daher 
kommt es, dass diese beiden Hauptdarsteller nicht nur künst- 
lerisches Schauspielertalent haben müssen, sondern man verlangt 
von ihnen, dass sie geistreich seien und über grosse Sprach- 
kenntnisse verfügen. So gehört auch ein auf der Höhe seiner 
Kunst stehender Pesckekjar oder Kavuklu zu den Seltenheiten; 
denn was immer auch der Gegenstand des vorzutragenden Stückes 
sei, sie spielen immer die Rolle eines Pesckekjar und Kavuklu, 
selbst auf dem Theaterzettel. Neben ihnen tritt der die zenne 
darstellende Schauspieler hervor, der berufen ist, in seinen 
Frauenkleidern und mit der nachgeahmten Frauenstimme und 
Bewegungen eine vollständige Illusion hervorzurufen. Endlich 
kommen diejenigen Schauspieler, die taklid-en, welche die ver- 
schiedenen Handwerker, Nationalitäten, sowohl in Tracht, als 
auch in Sprechweise nachahmen. Diese haben schon ein be- 
deutend geringeres Feld und besteht ihre Hauptgeschicklichkeit 
darin, dass man an ihnen sofort beim Erscheinen erkenne, 
welche Beschäftigung und Sprechweise sie nachahmen wollen. 
Gänzlich ausgearbeitete, abgeschriebene Stücke besitzen die Orta- 
Gesellschaften überhaupt nicht. Und dennoch verläuft die Dar- 
stellung so zusammenhängend und in direktem Nacheinander, 
als ob eingelernte Rollen vorgetragen würden. Nur bei den 
Proben wird der Gang des zum Vortrage gelangenden Stückes 
besprochen, das übrige wird improvisiert. 



Das Spiel, welches wir weiter unten folgen lassen, ist die 
Übersetzung eines meiner früheren Aufzeichnungen. Der türkische 
Original-Text mit ungarischer Übersetzung und arabischer Um- 



106 

scfarift wurde in meinem Werke Orta-Ojunu (Török nepszinjatek« 
Budapest, 1888.) faerauJBgegeben. Vielleicht ist es nicht überaus-* 
sig dieses Spiel, welches sowol durch seinen Inhalt wie durch 
die Konstruktion gleichfalls beachtenswert ist, zu den auf die Orta 
bezüglichen Daten hinzuzufügen und dem Inhalt nach bekannt 
zu machen. Diese Orta ist schon von diesem Funkte lehrreich, 
weil sein Inhalt auch durch das Karagöz bekannt ist,**) und so 
ist es von gewissem Interesse festzustellen, in wie fem und in 
welchem Masse das unmittelbar beeinflusste Orta von der 
iCara^ö^ähnlichen Bearbeitung verschieden ist. Soviel ist schon 
bei dem ersten Vergleich ersichtlich, dass die Oria-ähnliche Auf- 
arbeitung viel einheitlicher ist, als die zerfliessende Handlung 
des Karagöz, und dass die Karakterisierung der einzelnen Ge- 
stalten unmittelbarer ist, als die der aus Kamelleder verfertig- 
ten Gestalten. Im Spiele Kanli Kavak besitzt der Baum selbst 
die Macht des Verzauberns, indem demselben ein Dschin ent- 
steigt, der die sich nähernden Menschen erstarrt. In der Orta 
hingegen besitzt der Stab eines Zauberers diese wunderbare 
Macht, und dies dient als Mittelpunkt der Handlung, welche 
sich um das Verzaubern gruppiert. 

übrigens ist der Inhalt des -BCar a^ö>- Spieles folgender. 

Auf der Leinwand der Vorhangbühne des Hajaidschi er- 
scheint ein grosser im Bufe der Zauberkraft stehender Baum. 
Vater und Sohn, die auftreten, tragen singend die Geschichte 
des Baumes vor, wie Sterbliche sich ins Unglück stürzen, wenn 
sie es wagen den Baum zu berühren. Es haust darauf nämlich 
ein Zauberer, der diejenigen, die den Baum berühren, durch 
einen Zauberspruch an sich zieht. Der Vater kann seinen Gesang 
kaum beenden, als Karagöz seinen Spott, bald gegen das Lied, 
bald gegen den Vater oder Sohn und den Zauberer beginnt. 
Aber während der Vater sich bemüht ihn zu verjagen, damit 
er ihnen nicht im Wege stehe, berührt der Sohn zufällig den 
Baum. Darauf steigt mit einem grellen Geschrei das grosse 
Ungetüm herab, ergreift den Sohn und ti-ägt ihn ins Unend- 
liche des Baumes. Der Vater beweint seinen einzigen Sohn, er 



*) S. Kardl kavak (Ünglücks-Pappel) in meiner Sammlung «Mund- 
arten der Osmanen» S. 347. St. Petersburg, 1899. 



107 

geht, kommt zurück, und so lange geht und fleht er, bis der 
Zauberer wieder mit dem Kinde herabsteigt und es dem erfreu- 
ten Vater übergiebt. Er ermahnt den fortwährend dort umher- 
gehenden KaragöZy er möge nicht den Baum berühren, und 
verlässt eilend den flucherfüllten Ort. Kaum hört es Karagöz, 
geht er sofort auf den Baum los und nach einer Minute brüllt 
er schon dem Verzauberten zu. Mit ihm gelangt noch eine 
ganze Schar Menschen in die Fange, die zuletzt durch die 
Weisheit Hadschejvats erlöst werden. 

Wie wir sehen., ist die Erzählung des Orta-Spieles mehr 
abgerundet und zusammenhängend. Der teuflische Zauberer des 
KaragözBfieleQ, sucht nur und erreicht durch seine Missgestalt, 
seine rätselhafte Himmelfahrt und Liederlichkeiten Effekt, wäh- 
rend im Or^a-Spiele die Aufmerksamkeit der Zuschauer durch 
die Zusammengehörigkeit der einzelnen Teile und die Lehre 
der Erzählung erweckt und fesselt. Die unzusammenhän- 
genden Zwiegespräche des Karagöz beginnen sich in theatra- 
lische Scenen umzuwandeln. Noch dramatischer war die Auf- 
führung, der ich vor vielen Jahren in einem armenisch-türkischen 
Tiatoro, in dem Theater des europäischen öa^ataviertels bei- 
wohnte. Peächekjar wird durch einen geizigen, reichen Türken 
vertreten, der seine hübsche Tochter, einem netten, aber vermögens- 
losen jungen Efendi nicht verheiraten will. Die Stelle Kavuklu'Q 
hat der gierige Diener des Efendi» der schlaue Memisch inne, 
der ebenfalls den Stab dem Zauberer entlockt, und nicht nur 
den alten Geizhals, sondern sogar den Hodacha selbst verzaubert^ 
und sie solange nicht aus seinen Händen lässt, bis man das 
Mädchen dem Efendi verlobt. Hasan efendi, der Leiter des 
Tiatoro und einer der besten türkischen Komiker, der in jedem 
Stücke die Bolle eines Dieners macht, gestand mir selbst ein, 
dass er den Zauberer aus dem Karagöz und Orta Ojnu, im 
europäischen Sinne bühnen fähig umgestaltete. Es ist nur das 
eine zu bedauern, dass diese Entwicklung der türkischen Bühne 
nur aus diesem einzigen Beispiel zu verfolgen ist und, dass 
durch die Entartung des Karagöz und Orta Ojnu auch das 
moderne Drama nicht zur selbständigen Äusserung gelangte. Nun 
lassen wir das Spiel selbst folgen. 



t08 



Zauberspiel. 
JBüjü^ Ojnu. 

(Die Musik spielt eine Melodie; zuerst tritt Peschekjar auf die 

Bühne.) 

I. 

Peschekjar. Nun mein Held. 
Jemand von Drinnen: Befiehl mein Held. 
Pesch* Auch das ist keine Bechnung. 
Jemand. Was ist deine Bechnung? 
Pesch. Ich will das Zauberspiel aufführen;^) spiele, ich 
möge seinen Sinn zeigen (gösterejim ahkjamtni), 

(Die Musik spielt eine Weile, dann tritt Kavuklu in sonder- 
barer Kleidung auf. Am Kopfe trägt er eine hohe Mütze (kavukj, 
in der Hand befindet sich ein Begenschirm, dessen Zwickel aus 
verschiedenfarbigen Stoff (dilimleri enväi rengli) zusammen- 
genäht sind, hinter ihm geht ein Zwerg (ßü^e) einher, der eine 
Tasche trägt und wie sein Diener aussieht. Sie umgehen drei 

bis fünfmal die Bühne.) 

Pesch. Maschallah**) mein Efendi, von wo kommst du 
und wohin gehst du mein Augenlicht (gözüm nuri)? 

Kavuklu. (Zu dem Zwergen, der hinter ihm steht.) Was 
brüllt dieser schmutzige Kerl; sieh'mal, ob er ein Bettler ist, 
vielleicht will er Geld ? 

Zwerge, Er scheint ein Bettler zu sein. 

Pesch. Mein Efendi, ich verstand euer Gespräch, ich bin 
kein Bettler oder was ähnliches; vielleicht habt ihr vergessen, 
dass ich zu deinen alten Freunden gehöre und dass man mich 
Tosun efendi nennt. 

Kav. Wohlan, ich weiss es; was willst du damit? 

Pesch. Mein Efendi, nichts will ich, ihr ginget so ver- 
tieft, ich wollte nach dessen Ursache und nach eurem Befinden 
fragen. 

Kav. Ach, verzeihet Tosun efendi, ich bin heute sehr 
zerstreut und konnte dich nicht sofort erkennen. 

Pesch. Aber weshalb seid ihr so zerstreut? 

Kav* Wenn ich dir mein jro«unchen erzählen würde, 



*) Wörtlich: die Nachahmung des Zauberspieles nahm ich. 
**) Wörtlich mascha'llah ar. was will Gott. Ausdruck der Über- 
raschung und Freude. 



10» 

was mir zugestossen ist, und wenn du aufpasst^ dann wirst 
du es begreifen. 

JPesch* Mein Efendi, das Böse sei vorbei (gecmii oUun) ; 
du weisst, ich bin neugierig, erzähle, damit auch ich es erfahre. 

Kav, Meine Seele, du weisst doch, dass ich im oberen 
Stadtviertel beim Vorsteher (mujrtar) ein Zimmer mietete. 

JPesch. Ja, mein Herr, ich weiss davon. 

Kav, Nun, vorgestern stand ich früh auf und ging hinaus 
abdest zu nehmen ^) (abdeste ciktimj. Auf einmal sah ich unse- 
ren Vorsteher, der unser Hausherr ist, angekleidet, gegürtet 
(gejinmis kusanmis) auf der Gasse spazieren. 

Peschm Und dann mein Herr? 

Kav. Ich fragte ihn, wohin begebt ihr euch so früh mein. 
Herr? Darauf der Vorsteher: «Zieh mich nicht ins Gespräch 
(beni lakirdija tuima), ich eile zum Bettlerschiflf,®} ich könnte 
mich noch verspäten.» 

Pesch. Ja. 

K.av. Tosun, unsere Lage ist ja bekannt, auch wir lei* 
den nicht wenig vom Elend. 

Pesch. Jawohl, mein Herr, es ist bekannt. 

Kav. Wenn dem so ist, sagte ich, «warte, ich kleide mich 
rasch an und wir gehen zusammen.» Er willigte ein, ich zog^ 
mich an, ein Bennen (beräber bir koiu) und wir erreichten da& 
Bettlerschiff, wir bestiegen es, ich fing an um mich zu schauen^ 
ich ging her und rieb mich an, ich ging hin und rieb mich an 
(öteje gittim aüründüm, berije gittim süriindümj, jedoch niemand 
gab mir auch nur fünf Heller (para). Ach Tosun efendi, weisst 
du, was mich bewog auf das Bettlerschiff zu gehen? 

Pesch. Nein, mein Herr. Wozu gingest du ? 

Kav. Ich verständigte dich doch von meiner Armut. Ich 
dachte, man verteilt Almosen auf dem Bettlerschiff, deshalb 
rannte ich ; doch ich musste sehen, dass niemand auch nur 
fünf Heller gab. 

Pesch. Ach-ach, ihr habt es falsch verstanden. Was ge- 
schah dann? 

Kav. Nun, mein Tosun, es kam einer mit einem Blech ") 
und schlug dasselbe ; «Wohin steiget ihr?» fragte er. Ich sann und 



*) Abdest almak p. t. religiöse Waschen vornehmen; Notbedür&iss. 
verrichten. 

•) BetÜerschiff (düen^i vaporuj oder auch Zigzag-BchiSe werden 
jene am Bosporus verkehrende Fahrzeuge genannt, die alle an beiden 
Ufern gelegenen Orte besuchen. 

^) Anspielung darauf, dass der Eartenverkäufer die Passanten mit 
Klopfen an die Blechkasse aufs Zahlen aufmerksam macht, und in welch» 
das Geld geworfen wird. 



110 

sann nach und antwortete, dass ich auf das Schiffgesims steige 
(davlum-häza ctkajäm), «Nein, ich meinte es nicht so, in wel- 
chem Hafen werdet ihr aussteigen ?• sagte er. Während wir mit 
ihm so sprachen, näherte sich das Schiff dem KarUidschasteg,*) 
es war der letzte Hafen; ich sah, dass alle Fahrgäste ausgestie- 
gen sind, nur ich blieb. Der Karten Verkäufer schrie : f Löse eine 
Fahrkarte und geh hinaus, es gibt keinen anderen Hafen.» Ich 
erwiderte: «Gib nun welche, dass ich aussteige.» «Gib mir das 
Geld, dann bekommst du sie«, sagte er. «Was für Geld wünschest 
du Kerl? ich kam auf dieses Bettlerschiff um zu betteln, du gib 
mir Geld», so sprach ich. Darauf rief der Eartenverschleisser 
die Matrosen, und sie bläuten mich mit Stock und Stössen 
durch und warfen mich auf den Steg (bizi paür-kütür dajakla 
tekmejle iskeleje attilar). 

JPesch. Ach mein Herr, und was geschah dann? Du ge- 
rietest in grosses Unglück. 

Kav, Dann, mein Tosun, stieg ich aus, jedoch liessen 
mich die Eartenabnehmer nicht über das Geländer und wünsch- 
ten von mir die Karte. Ich machte ihnen verständlich, warum ich 
aufs Schiff kam ; da ich kein Geld hatte, konnte ich kein Billet 
lösen. Sie hörten mich jedoch nicht an und ich konnte mich 
nicht retten (jakaji kurtaramadik). 

Pesch. Ach mein armer Hamdi, wie konntest du davon- 
kommen (dikmanin kolaji) ? Wie hast du es dann gemacht? 

Kav. Wie hätte ich es machen sollen? Wie mich die 
Kerle zu prügeln beginnen, befindet sich zum Glück am Hafen 
eine grosse Villa; als der Eigentümer jener Villa die mir an- 
getanene Schmach sah, erbarmte er sich meiner, sandte mit sei- 
nen Dienern das Fahrgeld und errettete mich. 

JPesch, Ach es sei vorbei ; und dann ? 

Ha/v. Dann mein lieber To9tm, als ich dort umherging, 
bemerkte ich ein grosses Tor, dessen beide Flügel geöffnet 
waren, hinter dem ein von beiden Seiten mit Gärten umrahm- 
ter langer Weg lief. 

JPeßch. Ach, wärest du wenigstens nicht eingetreten. 

Kav* Was sprichst du Tosun, es war nahe an acht,**) 
und ich steckte nicht einmal ein Splittterstückchen in meinen 
Mund, vor Hunger drehte sich mir der Magen (aßliktan icim iöime 
gedti). Ich konnte den Hunger nicht weiter ertragen und trat 



*) Name eines Hafen an dem kleinasiatischen Ufer. 
**) Acht Uhr bedeutet nach türkischer Zeitrechnung ziemlich vor- 
gerückte Zeit, da um zwölf Uhr (Sonnenuntergang) der Schiffsverkehr 
eingeHtellt wird. 



t 

X 



Hatndi efendi aU Kaviiklu. 



11-2 

durchs Tor in der Hoffnung, dass ich mich vielleicht satt esse 
und zugleich fünf-zehn Heller Fahrgeld bekomme. 

Pesch. Dann? 

Kav. Dann, mein Herr, ging ich weit-weit, plötzlich be- 
merkte ich, dass auf einem hohen Orte sich ein Zuckerbäcker- 
marmor (helva^i mermeri) *) befindet. Von dieser Marmorplatte 
kann man auf eine Stiege hinauf gehen. 

Pesch. Ach Schurke (külhäni), was für Zuckerbäckermar- 
mor war das? 

Kav. Was für eins sollte es denn sein? Eine grosse Zucker- 
bäckermarmorplatte. 

l^esch. Ach Kerl, das nennt man Aufsteigestein (ona binek 
taii dtrler J, er dient zum Besteigen des Eosses; in jedem 
Palast gibt es welchen. 

Kav. Sei es was immer, was geht's mich an. Damit, mein 
Tosun, nahm ich die Pantoffeln von den Füssen, schlug sie 
zusammen, steckte sie unter meinen Mantel (^üppemin altina), 
dann fing ich an hinaufzusteigen. 

I^esch. Sieh 'mal, was du getan hast. Waren bei den 
Treppen keine andere Schuhe? 

JKav. Viele. 

JPesch, Siehst es, du hast dich schändlich aufgeführt. 
Geht man mit den Pantoffeln unter dem Arme hinauf? Also, 
was hast du dann getan? 

Kwe. Ich ging hinauf und sah ein grosses Vorzimmer 
(soJa), rings herum waren zehn-fünfzehn Türen. 

Pesch* Ach Hamdi, begegnetest du Niemandem? 

Kav. Ne — ein. 

Fesch. Dann? 

Kav. Ich besann mich, welche Tür ich öffnen soll, dann 
überlegte ich es mir, wie es auch sei, ich öffnete eine Tür. — 
Ach Tosun, ich verrate dir etwas, aber dass du's Niemandem 
sagst. 

Pesch. Was ist das, Hamdi? Ich fürchte, du hast 'was 
Albernes angestellt. 

Kav. Tosun, der Türhammer war etwas sehr Weisses, 
ich dachte es sei Prominzenzucker (näne sekeri) ; habe ich es 
nicht angeleckt? 

Pesch. Flegel du, wie kommt Prominzenzucker an 
die Tür? 

Kav. Was weiss ich? Nun, ich öffnete die Tür, trat ein. 



^) Vor grÖBseren Palästen liegt ein Marmorstein, welcher dazu 
dient, das Pferd leichter besteigen zu können, auch hinek taM (Aufsteige- 
stein) genannt. 



113 

und sah dass niemand drinn ist. Ich ging geradenwegs zum 
Eckfenster und bemerkte, dass der Steg, wo man mich ge- 
prügelt hat, von hier aus sichtbar sei. Vor dem Fenster lag 
ein schöner Pelz. Mein lieber Tosun, ich konnte nicht wider- 
stehen, ich warf den Pelz um meinen Kücken und liess mich 
gemächlich beim Eckfenster nieder (kose pen^eresine bir älä 
kuruldum). 

Pesch. Ach, stehe doch auf, Hamdi. 

K.av. Wozu ? 

Fesch. Wozu ? Wenn man dich in der Ecke bemerkt mit 
den Pantoffeln unter dem Arme, im Pelz des Herrn, schlägt 
man dich wieder und jagt dich fort. 

Kav. Es ist wahr, Tosun, zum Glücke ging dort niemand 
herum. 

Fesch. Dann mein Lamm Hamdi; was hast du dann 
getan ? 

Kav. Dann sass ich eine Weile, ich langweilte mich 
und nachdem ich den Pelz zurücklegte, ging ich auch aus dem 
Zimmer, öffnete das gegenüber liegende. Als ich hineinblicke, 
sehe ich, dass der Herr in der Ecke sitzt, er schien erst 
neulich beschnitten worden zu sein (jenide sünnet olmus olmali), 
da vor ihm ein Kästchen (cekme^e) stand, darauf vielerlei 
Spielzeuge."^) 

Fesch. Kerl, was für Spielzeuge ? Was lag denn auf dem 
Kästchen ? 

Kav. Was weiss ich? Als er einige berührte, klingelten 
dieselben (bir takim basti^^i gibi cingir-cingir ötijor bir sejler 
vardij. 

Fesch. Ach Schurke, das war das Schreibgerät des Herrn, 
die Klingel war für die Diener um sie zu rufen. Nun, was 
hast du nachher getan ? Hast du wenigstens den Kleidsaum des 
Herrn geküsst? 

Kciv. Nein, Lieber, ich sagte Salem alejküm und ging bis 
zu den Spielzeugen, dann setzte ich mich nieder und damit aus. 

Fesch. Ach, du hast dich unanständig aufgeführt, steige 
herab von dort; man wird dich verjagen, Hamdi. Hast du noch 
deine Pantoffeln unter dem Arm ? Hättest du sie doch irgendwo 
gelassen. 

Kav. Aber Tosun, was sprichst du, wo hätte ich sie ge- 
lassen. Sollte ich sie stehlen lassen? Du kennst unsere Armut, 
am Ende hätte ich noch blossfüssig davongehen müssen. 

Fesch. Kerl, wer würde denn deine Schuhe in einem 



*) Die Neubeschnittenen bekommen verschiedene Geschenke, Spiel- 
zeuge etc. 

Da8 türkische Vnlksschauspiel. 8 



114 

grossen Palast stehlen? Jedoch was sprach der Efendi, als er 
dich sah? 

Kav. Also mein lieher Tosun, kaum schlug der Herr eins 
auf jene Spielzeuge, erschien ein sehr schmucker Herr; der 
Efendi gab ihm einen Wink und der Mann zündete uns eine 
Zigarette an und legte mir eine schöne Aschentasse vor. Ich 
schmauche die Zigarette, es tat mir leid die Asche hineinzu- 
streuen, also was sagst du dazu, ich schüttete sie auf den 
Boden. 

Pesch. Tosun, du hast wieder eine Unart begangen ; 
schütte sie in die Tasse, in die Tasse. 

Kav. Dann Tosun, brannte die Zigarette aus, ich trat 
geschickt darauf und löschte sie auf dem Teppiche aus. Die Tasse 
steckte ich, ohne dass der Herr es bemerkt hätte, in die Tasche. 

Pesch. Nun nimm sie hervor, Kerl, es nahen die Prügel 
(dajak Jemen jaklasti). 

Kav. Dann Tosun, brachte man Kaffee, ich trank ihn aus 
und wie ich die Schale lecke, erblicke ich die Untertasse, sie 
war aus Siiber und wenigstens fünfundzwanzig Dirhem schwer; 
wohlauf auch die hurtig in die Tasche. 

Pesch. Ach mein Hamdi, siehst was du getan hast? 
überall benimmst du dich so albern (her jerde öjle kendi kev- 
dini kepäze eder cikarsin). 

Kav. Damit, mein Tosun, schlug der Herr wieder auf 
das Spielzeug und es kamen zwei schmucke Diener. «Ist das 
Essen bereit/»? fragte er. «Es ist gar». Darauf sagte zu mir 
der Herr: «Ist gefällig.» Damit stand er auf, und ging. Auch 
wir gingen ihm nach, wir verliessen das Zimmer und traten 
in ein anderes, welches daneben war. 

Pesch. Aber Hamdi, was geschah dann? 

Kav. Wir traten ein und ich sah auf einem Tische Schüs- 
seln und Teller, wie solche sich nicht einmal unter den ver- 
steigerten Sachen des Mahmud pascha befanden.'^') (Mämvd 
pasardn mezad mall gibi olmadik canak cömlek jok). Der Efendi 
setzte sich, ich ihm gegenüber. Man brachte die Suppe, wir 
assen sie ; man trug sie weg ; dann kam das Fleisch. Ich be- 
merkte wie der Efendi ein Messer und etwas Gabelartiges hervor- 
nimmt (picak ile catal bir sej aldi), das Gabelartige ins Fleisch 
sticht, schneidet es mit dem Messer und nachdem er es in 
seinen Teller legte, begann er zu essen. Ich schaue auf den 
Efendi, und dachte, auch ich werde so tun wie er, und daes 



*) Mahmud PaSa öäHlst ist der Name einer Strasse, welche in den 
Bazar führt und auf welcher Topf- und Galanteriewaren verkauft werden. 



115 

ich ja keine Schande einlege, nehme ich auch das Messer und 
die Gabel und steche dieselbe ins Fleisch. 

Pescfi, Nun, mein Hamdi, was du bisher getan hast, ist 
schon zu viel ; gib acht, dass du auch da nichts unartiges 
machst. 

Kav» Frage nicht Tosun, frage nicht; die Grabel konnte 
ich noch ins Fleisch stechen, wie ich mich aber bemühe, es 
mit dem Messer zu schneiden, entschlüpft das Fleisch der Ga- 
bel, und fliegt gerade hinüber ins Gesicht des Efendi. 

Pesch, Nun siehst du, Hamdi, welche Unart du began- 
gen hast? 

K.av. Das Gesicht, Augen, Eopf und Kleider des Efendi 
wurden fett. Ich erwähnte schon, wie hungrig ich war, vielleicht 
entschlüpfte durch meine Eile das Fleisch mit solcher Gewalt, 
dass der Efendi sehr böse wurde (efendinin ßani zijädege jan- 
mii). Er fing auch sofort an : «Du ungezogener Mensch, von 
wo kamst du mir zam Unglüch auf den Kopf?» Und kaum 
dass er geschrien hatte, dass man diesen Schmutzkerl hinauswerfen 
möge, warfen mich die beiden Diener, die neben mir standen, 
ohne dass ich mich waschen konnte, in Begleitung von Ohr- 
feigen und Faustschlägen die Treppe hinunter. 

Fesch. Nun siehe Hamdi, gefallen dir diese Sachen, die 
du verrichtet hast? Wäre es nicht gut gewesen, wenn du, nach- 
dem du dich gesättigt hattest, vom 'Herrn fünf oder zehn Piaster 
Zahngeld*) (bes on gurus dU kirasi) bekommen hättest? Wie 
wirst du dir nun das Fahrgeld verschaflfen? 

Kav. Ach Tosun^ dafür habe ich schon im voraus ge- 
sorgt. Ich wusste, dass man mich unbedingt wegen eines Ver- 
gehens hinauswerfen werde. Deshalb stahl ich die Tasse und 
die Unter-Schale, dass ich von niemand Fahrgeld betteln 
muss. Nun, als ich von dort herauskam, ging ich eine Weile, 
dann begab ich mich zu einem Geldwechsler, nahm die 
Tasse und die silberne Untertasse hervor und sprach : «Ich 
bin gezwungen diese zu verkaufen, weil ich für heute Abend 
nichts zu essen habe», und verkaufte sie um fünfundzwanzig 
Piaster. Von dort kam ich geradewegs zum Hafen, und frage, 
um wie viel Uhr das Schiflf gehe; man gab mir zur Antwort: 
,In einer Viertel Stunde*. Ich ging noch eine Weile auf und 
ab, und als das Schiff landete, stieg ich ein und fuhr bis 
StambuL Ich kam nachhause, und sehe, dass mein Haus- 
herr, der Vorsteher schon angekommen sei. «Du Schuft — fing 
ich an — wenn man kein Geld auf dem Bettlerschiff verteilt. 



*) DU kira wird das Geschenk genannt, welches der zum Tisch 
geladene Arme bekommt. 



8* 



116 

waxum überredetest du mich und brachtest über mich so viel 
Ungemach?» Darauf trieb er uns aus dem Hause, und wir ver- 
einbarten, dass wir uns nach einer neuen Wohnung umsehen 
und noch heute ausziehen. Darauf besann ich mich, und erwog 
eben, wie ich mit Tosun zusammen kommen könnte, dass er 
mir ein schönes billiges Miethaus verschaffe. Nicht wahr, Tosun, 
du hast wahrscheinlich ein Haus unter der Hand (senin elinin 
altinda), einzimmerig, zweizimmerig ; du weisst doch, ausser 
meiner Blinden (Gattin) habe ich niemanden und zwei Perso- 
nen finden auch wo immer Platz. 

Fesch. Sehr gerne, mein Hamdi, eben gestern wurde hier 
ein schönes Haus mit zwei Zimmern leer; wenn es dir gefällt, 
kannst du es mieten. 

Kav. Sei es was immer, es sei nur ein Haus, mein 
Tosun. 

Presch. Nun also, ich zeige es dir. 

(Sie umgehen einigemal den Schauplatz und er zeigt ihm im 
Winkel ein hausähnliches, auf vier Balken erbautes und rings- 
herum mit Leinwand bedecktes Zelt.) 

JPesch. (Zeigt aufs Tor.) Efendim, hier ist für euch ein 
Haus, bitte besichtige auch das Innere. 

Ka/v. (Geht an einer Seite des Zeltes hinein, an der an- 
deren hinaus.) Ach Efendim, was für Haus ist das ? Das 
hat keinen ünterstock, keinen Oberstock; es ist in der Tat 
einem Zigeunerzelte ähnlich. 

Pesch. Efendim, ich glaube, du fandest nicht die Stiege, 
und gingest nicht auf den Oberstock; lass mich nun hinauf- 
gehen und sieh. (Er geht damit ins Haus und schaut ober 
dem Zelte heraus.) Ach, mein Hamdi, du fandest nicht den Stock 
schau, ich sehe von hier die Kähne, die nach Kjadhäne^) 
fahren, und die Menge, die sich im J^ewerkaffeehause aufhält 
(kjädhäneje gecen kajiklari, Fener gazonusunda-ki kalahaliklari 
görijorum). (Damit kommt er wieder herunter.) 

Kav, (Geht noch einmal ins Haus, und geht hinauf, wo 
Pes. hinausblickte.) Ach Väterchen, von hier ist nur der Vor- 
derteil der Türe zu sehen, nichts anderes zeigt sich. Wie viel 
ist denn die Miete? (Kommt kervor.) 

Pesch. Efendim, auf einen Monat hundertfünfzig Piaster. 

JKav. Ich kenne keinen Monat, jeden Tag ein Heller, das 



*) Kjädhäne (Tal des süssen Wasser), beliebter Ausflugsort der Stam- 
buler am Freitag, wohin Kahnfahrten unternommen werden. — Fenar, altes 
im Goldenen Hörn beflndliches griechisches Stadtviertel, dessen Eaffehaus, 
türk. Gadno, wegen seiner Musik berühmt und von Türken besucht ist. 






117 

macht in einem Monat dreissig Heller aus ; das zahle ich auch 
nur deshalb, weil du mir nicht fremd bist. Willigst du ein? 

Pesch, Ich werde schon darüber reden; vorläufig lasse 
dich nieder und schaue nach deinem Wohlsein. 

Kav, Mein Lämmchen Tosun, wegen Streitigkeiten (tirillik 
sehehile) konnte ich seit langem nicht nachhaus gehen, und 
folglich sah ich auch meine Familie nicht. Wenn sie hieher 
kommen sollte, verständige mich; wenn aber jemand anderer 
kommt und nach mir fragt, zeige ihm ja nicht unser Haus. 

Fesch. Warum das, mein Hamdi ; man hat ja auch 
Freunde ? 

Kav. Mein lieber Tosun, du kennst doch unser Verhält- 
nis. Seit drei, fünf Jahren haben wir bei jeder Nationalität, bei 
jedem Handwerker grosse Schulden (her bir milletten her esnafa 
bir hajli borj ettik) ; wenn die Gläubiger das Haus bemerken^ 
werden wir täglich hundertundfünfzig Menschen die Sache ver- 
ständlich machen müssen. 

Pesch. Sehr wohl, mein Hamdi, bleibe nur und geh dei- 
nem Vergnügen nach, Allah ist barmherzig (geht hinaus, Ka- 
vuklu bleibt). 

n. 

(Die Musik ertönt und in Begleitung einer arabischen Dienerin 

tritt eine geputzte Dame auf. Sie umgeht zwei-dreimal den 

Schauplatz, dann blickt sie auf die arabische Dienerin.) 

Frau. Ach Mädchen, Gott möge ihnen alles Böse antun 
(Allah hepsinin beläslni versin), auch das ist nur ein Mann. 
Sieh, diesen Hund von einem Gatten suche ich seit morgens 
von Gasse zu Gasse, und bisher konnte ich nicht einmal seine 
Spur ausfindig machen. Was sollen wir jetzt tun ? 

Araberin. Bei Allah, ich weiss es nicht, meine Gnä- 
dige. (Während sie sprechen, kommt Tosun efendi ihnen ent- 
gegen.) 

PescJi. Maschallah, meine Gnädige, so elegant aufgeputzt 
angekleidet (böjle takmis taktstirmis, jakmls jakistirmis), von wo 
kommen Sie, wohin gehen Sie, was bedeutet das? 

Frau. Maschallah Tosun efendi, Mensch, frage gar nicht 
nach meinem Schmerz. Wenn ich dir erzählen würde, was über 
mich kam, ein Gott weiss es nur, würdest du deine untertänige 
Dienerin (mich) bedauern. 

Pesch. Ach efendi, es werde zu Segen. Was geschah wieder, 
meine Gnädige? Erzähle es mir. 

Frau. Was sollte es sein ? Du kennst doch den Verstand 
unseres verrückten Mannes. Eines Tages geht er mit unserem 



118 

HausherrD, Vorsteher auf den Bettlerdampfer, dass er Geld 
verdiene; da er aber keines machen konnte und sich \ noch in 
verschiedene Unglücksfälle verwickelte, kam er abends nachhause 
und beginnt mit dem Herrn Vorsteher zu zanken. Dann geht 
er weg, und will nicht weiter in seinem Haus wohnen und da 
es schon lange ist, dass er nicht zurückkam, suchen wir ihn 
mit meiner Dienerin seit heute Früh. Wir hörten, er käme in 
diese Gegend ein Haus zu mieten, deshalb kamen wir gerade- 
wegs zu dir Tosun efendi, und wir ersuchen dich, uns das 
gemietete Haus zu zeigen. 

(unterdessen kommt Kavuklu aus dem Haus und tritt mit den 
Worten zu Peschekjar : fAch welch schöne Frau, wart* nur, ich 
möchte mich ein wenig an sie reiben» (dur iuna biraz sxdanajim) 

Kav. Wer ist das, Tosun, jeder Bissen kommt nur in 
deine Hände ? (böjle her avanta senin eline-mi düier) Her, etwas 
auch zwischen meine Finger. 

Pesch. Zur Hölle, pack' dich nachhaus, mische dich 
nicht in alles. 

{Kav. hört nicht hin, sondern empfängt die Frau: «Ach mein 

Zucker, sei willkommen, von wo geruhtest hieher?» und auch 

diesmal spricht er zu ihr solche Worte.*) 

Frau» Pack dich von da, Schmutzkerl, woher kommst du 
meinen Kopf zu bedrücken; fort mit dir. (Zu Peschekjar): 
• ToBun efendi, wer ist dieser unverschämte Mensch, sieh er 
untersteht sich uns anzureden (lakirdi atup durijor)». 

Fesch* Entferne dich von hier, mein Seelchen, gehe in 
dein Haus. 

{Hamdi hört ihn nicht an, sondern schleicht um sie herum 
und sagt der neben der Frau stehenden Dienerin folgendes.) 

Kav. 0, meine Base, auch du bist schön, aber deine 
Gebieterin ist reiner Zucker, siehe sie ist böse auf mich; sage 
ihr, sie möge mir nicht zürnen. 

(Darauf zieht die Araberin die Pantoffeln vom Fusse, schlägt 

damit Hamdi und jagt ihn ins Haus.) 

Frau. Mein Lämmchen Tosun, wer ist dieser gewalttä* 
tige Mensch? 

Fesch, Maschallah Efendim, es tut mir leid, dass sie die-^ 
sen Mann nicht erkennen. 



*) Laf atmak wörtlich, Worte werfen, Liebesworte auBtauBchen, b. 
weiter unten lakirdi atmak, daBselbe. 



119 

Frau. Ach Tosun efendi, woher soll ich den Mann 
einer anderen kennen? 

JPesch» Als sollte jemand seine eigene Familie nicht ken- 
nen. Dieser Mann ist doch dein Gatte, Hamdi. 

Frau. Wirklich, mein Auge übersah ihn (gözüm isirdi) ; 
bei Allah Tosun efendi, in meiner grossen Verwirrung erkannte 
ich ihn nicht (farkina varamadim). Bloss jetzt erinnerte ich 
mich seiner. 

Fesch, Wenn Sie wünschen, rufe ich ihn her oder ich 
führe Sie ins Haus. 

Frau. Es ist gut, bitte gehen wir. (Damit gehen sie vor 
das Haus und rufen Hamdi herab.) 

Fesch* Wo bist du, mein Hamdi ? Komme nur herunter. 

Kav, (Sieht vom Giebel des Zeltes herab.) Was ist, To- 
«ttw, was willst du? Werde ich nie Euhe vor dir haben? 

Fesch. Komm ein wenig hervor meine Seele, ich habe 
dir was zu sagen. 

Kav* (Kommt hervor.) Was gibt es, du wirst also fort- 
während meine Euhe stören? 

Fesch* Nein, mein Lieber. Ich brachte dir Frauen, du 
Nichtsnutz ; die Güte rührt dich gar nicht ? (sana hie ejilik ja- 
ranmaz-mi) 

Kav» Komm doch nur auf diese Seite, ich möchte dir 
etwas unter vier Augen sagen. 

Fesch. Was willst du sagen? (Damit gehen sie auf die 
andere Seite.) 

Kav. Mein Lamm Tosun, warum brachtest du mir diese 
schönen Frauen? Hoffentlich wirst du sie bei mir einquartie- 
ren. Wenn das wahr ist, werde ich vor Freude verrückt. Sieh 
nur Tosun, sage ihnen, sie mögen ins Haus eintreten, es ist 
alles bereit und niemand ist darin (hazir evde kimsede jok). 
Mein Lämmchen Tosun, möchtest du vielleicht fragen ob sie 
einen Mann hat, wenn nicht, so heirate ich sie. Nur hurtig sage 
ihnen, sie mögen schnell ins Haus. (Damit ergreift er die Spi- 
tzen seines Eockes und springt umher.) 

Fesch. Kerl Hamdi, bist du verrückt geworden ? Gib acht, 
sie sollen es nicht hören; ich befürchte, du hast sie nicht er- 
kannt. 

Kav, Aber Tosun, wer sind die ? Bei Allah, ich kenne 
sie nicht. 

Fesch. Kerl, es ist doch deine eigene Familie, ach Ver- 
rückter, ach! 

K.av. Sage doch nichts, Tosun, sage die Wahrheit, wären 
die wirklich die Meinen? 

Fesch. Natürlich; noch immer erkennst du sie nicht? 



120 

Kav. Ach, Allah möge sie verwüsten, wie trafen die 
hieher? Tosun, das war wahrscheinlich dein Werk. 

Feschm Komm Kerl, verziehe die Sache nicht, du läset sie 
schon eine Stunde vor der Tür warten, Spott und Schande; 
geh, rede mit ihnen und rufe sie, dort drinn könnt ihr 
einander euer Leid erzählen (orada birbirinize derdinizi annatir 
haspuhal edersiniz). 

Kav, Nun heiästige mich nicht so sehr, sage ich hin 
nicht zuhause und finde einen Ausweg (savmanin kolajina bak). 

Pesch. Kerl, ich rate dir, gehe, es ist keine Not auf deine 
Narrheit, (budalallyln lüzumu jok). Wie kann ich sagen, 
du seist nicht zuhause, wenn sie dich sehen? 

Kav. Wer sagte dir du sollst sie herbringen ? Jetzt musst 
du mich vor ihnen retten; seltsam, ich fliehe gerade vor ihnen. 

Peschm Habe ich vielleicht schlecht gehandelt? Wer hat je 
gehört, dass ein Mann seine Frau nicht will ? 

Kav» Tosun, du sprichst als wüsstest du nichts. Seit ich 
das Haus mietete, habe ich mich nicht ein einzigesmal sattessen 
können, wer wird sie erhalten? Kennst du nicht meine Lage^ 
Tosun ? 

JPesch. Kümmere dich nicht darum, ich werde auch dem 
abhelfen ; komme nur jetzt mit mir. (Führt ihn bei der Hand 
zu ihnen.) 

Fesch. (Zu den Frauen.) Verzeihen Sie diesmal seine 
Fehler, er erkannte euch nicht und bis ich es ihm erklären 
konnte, dass seine Gemahlin hier sei, Hessen wir euch ein 
wenig warten. 

Kav. Maschallah mein Weibchen, Gott grüsse dich, Gott 
grüsse dich, verzeihe mir, nicht ich bin schuld, sondern dieser 
Schweifhaarige, dass er mir nicht sofort sagte, dass du kamst. 

Pesch. Du schössest einen grösseren Bock als dein Kopf 
(basindan büjük halt etmissin). (Damit entfernt er sich und 
schlendert umher.) 

Frau» Sehr brav, mein Gatte, sehr brav, was für aus- 
zutrocknender Mann bist du (ne kocan olasi koßalardan imiisin), 
dass du seit langer Zeit nicht nach Hause schautest und dich 
nicht kümmertest, ob wir hungrig oder satt seien. Ein anderer 
schickt vom Abend bis zum Morgenwenigstens ein Stückchen Brot 
nachhause; du mietest dir da ein Haus, ziehst hinein, mich 
lässt du in eines anderem Hause hungrig, nicht wahr? Morgens 
wurde ich sogar hinausgejagt und seitdem gehe ich von Gasse 
zu Gasse, an jedem Orte suchten wir dich. Wir kamen zuletzt 
zu Tosun efendi, vielleicht weiss er etwas, und von ihm er- 
fuhren wir, dass du hier ein Haus gemietet hast. Was für 
nichtswürdiger Mensch bist du, dass du dich nicht schämtest 



121 

uns im Elend zurückzulassen und vor uns herzufliehen, gemei- 
ner Hund! (Zerrt an ihm und die Araberin wiederholt: • Gemei- 
ner Hund, blind sollst du werden, schämen Sie sich nicht, die 
Frau zu verlassen?» und beide beginnen Hamdi zu schlagen. 
Mittlerweile kommt von drüben Peschekjar gelaufen.) 

JPesch. Was ist das, meine Seele, ist das keine Schande? 
Es geschah doch bereits ; vergesset euere Fehler und seid fried- 
lich mit einander. (Versöhnt sie und schiebt sie ins Haus. Nach 
einer Weile kommt er hervor und geht zu Tosun.) 

Kav. Bravo, Tosun, du hast es nun geschickt gemacht 
mit diesem abscheulichen Schlumpen ; nicht viel fehlte, dass meine 
Frau mich durchprügelte. 

Pesch. Kerl, wir fanden doch das Mittel (aranizi bulduk ja), 
nützte auch das nicht ? 

Kav. Lass sehen. Wenn du auch den auftauchenden 
Gläubigern das Haus so zeigen wirst, dann kann ich auf mei- 
nen Kopf ruhig alles Unglück zusammenkaufen (bütün bütün 
basimtza derdi satln alalim). 

Pesch. Nein, nein, du sieh nur nach deinem Vergnü- 
gen; das ist deine Frau, darum. Wenn aber jemand anderer 
kommt, werde ich dich vor ihm verstecken, wie ich kann. 
Bekümmere dich nicht darum. 

Kav. Das ist schon was anderes, Tosun. Du kennst doch 
unser Verhältniss, wir sind sogar dem Vogel in der Luft schul- 
dig (ucan kusa bor^timuz var). Die da kommen sollten, entferne 
auf eine sanfte Weise, sage dass hier ein solcher Mann nicht 
sei. (Geht wieder ins Haus). 



EL 

(Nachdem das Orchester ein Lied spielte, tritt der Zauberer mit 

einem Stab in der Hand auf und nachdem er auf der Bühne 

einigemal auf und abging, kommt ihm Peschekjar entgegen.) 

Fesch. Maschallah mein Herr, willkommen, Glück, dass 
Eure Gnaden kamen, von wo kommen und wohin gedenken Sie ? 

Zauberer. Ach Tosun efendi, maschallah ; sind Sie es ? Ich 
kam ein wenig zu spazieren. 

PescJi. Sehr schön efendim, ich begegnete schon seit 
langem nicht eurer Gnaden, ist dies in Ordnung ? Wir gehören 
zu den Sie Liebenden. Ist es in Ordnung, in jedem vierzigsten 
Jahre sich zu treffen? 

Zaub. Mein Herr, meine Beschäftigung ist das Hinder- 
niss ; übrigens gehören auch wir zu denjenigen, die Ihrer hohen 
Persönlichkeit begegnen wollen. 



Fesch. Allah möge euch Gesundheit geben, ich hoffe Ihr 
Herr Sohn und Fräulein Tochter sind wohlauf? 

Zaub, Vielen Dank, efendim, sie sind gesund, sie lassei^ 
eure Hände küssen. 

Ka/v» (Tritt hervor und drängt sich hinter Peschekjar.) Mein 
Lämmchen Tosun, wer ist dieser form- und gesichtlose Mensch ? 

Fesch. Eerl, packe dich. 

Kav. Mein Lämmchen Tosun^ sage doch, wenn du Gott> 
liebstj wer ist dieser? Ich bin sehr neugierig, denn nie sah ich 
einen so formlosen Menschen. 

Fesch, Aber Hamdi, das ist ja der berühmte Jakub hodscha 
efendi. Mit dem kann man nicht so scherzen (o öjle alaj etme^ 
geJmez), packe dich von hier, sonst bezaubert er dich noch 
(joksa seni ters-mers eder hä). 

Kav, (Lacht.) Du hast es getroffen. Du verleihst eine 
grosse Wichtigkeit diesem Schmutz. Was kann man von diesem^ 
erwarten, Narr, Wahnsinniger, erschrickst von solch gesicht- 
losem Menschen. 

Zaub» Tosun ejendi, was spricht dort neben dir dieser 
hirtenhundartige Mann, vielleicht brütet er über Zauberkünste?' 
(gälibä ters-mers hisejler jumurtlijor) 

Fesch. Efendinif beachten Sie gar nicht was der spricht,, 
er ist ein wenig schwachsinnig. 

Kav» (Lacht.) Gott behüte efendi, ich wage nicht mit. 
einem, gleich Ihnen zu scherzen; nur deshalb. 

Zaub. Wer bist du Mensch, dass du inmitten unsere» 
Gespräches zu unserem Unglück herkamst? Halte dein Maul, 
sonst werde ich dir zeigen wo die Grenze des Anstandes ist 
(joksa Sana haddini öjredirim hä). 

Fesch. Aber Hamdi, habe ich's nicht gesagt, dass man 
mit dem nicht spielen kann; gehe wenigstens weg von da. 

Kav. Du mische dich nicht hinein. (Zum Hodscha): Wer 
bist denn du, dass du mich schulmeistern willst, was kannst 
du mir tun? Nichts. (Geht auf den Hodscha los.) 

Zaub. Tosun efendi, dieser Mann kann bei mir noch 
übel ankommen ; soll ich ihn etwa belehren, wo die Grenze sei ? 

Fesch. Ach Efendim, ich küsse eure Füsse, er ist mir 
ein äusserst lieber Geselle; mir zulieb verzeihen Sie ihm, denn 
er gehört nicht zu jener Gattung^ dass er etwas verstehen 
könnte (akli erer hojdan dejil dir). (Ergreift Hamdi): Komm*" 
her^ was habe ich dir gesagt? rühre diesen Mann nicht an, 
sonst kann's dir noch übel mit ihm ergehen, und dann werde 
ich mich nicht einmengen. 

Kav. Lass mich; sehen wir, was er mir tun kann, du 
mische dich nicht hinein. (Will auf den Hodscha los.) 



2uz»uz Mustafa oder der Zejbek, 

Pemh. öeb also ; wenn dir was gesohiehf, so gehört e» 
dir ; icb schaue mich nicht mehr um dich um. (Damit Terläesi 
er ihn und rettet sich seitwärts.) 

Ka/o. (Zum Hodscha.) Holla, Mann, solch trooknes Fressen 



124 

ist nichts wert (öjle kuru sikilik para etmez); wohlan, lege nichts 
hinter dich, was du ton kannst (elinden geleni arkana kojma). 
Sehen wir nur, ob du mich schlägst, oder ich dich. (Geht auf 
ihn los.) 

Zauh. (Erregt) n^Estäneke mestäneke Tom neunten Kapi- 
tel küllühüm püf.9*) (Darauf kaum er seinen Stab gegen Kavuklu 
ausstreckt, bleibt Kavuklu in einer seltsamen Stellung erstarrt, 
der Hodscha verlässt ihn und entfernt sich.) 

Pesch. (Kommt zu Hamdi.) Ach weh, siehst es, Schurke, 
wohin du gerietst, was soll ich tun? Ich geh ins Haus und 
bringe wenigstens Nachricht. (Geht zum Haus und klopft an 
der Tür, zur Frau Hamdio) : Efendim, kommen sie, und schauen, 
was ihr Mann für sein Geschwätz bekam (bos hoyazUyi jüzün- 
den basina gelenleri gelinde görün), (Erzählt die Geschehnisse; 
Hamdis Weib und die Araberin gehen zu Hamdi und als sie ihn 
in seinem Zustande erblicken, stöhnend und weinend.) Ach weh ! 

Frau. Was geschah unserem efendi (bizim efendinin ba- 
Mna gelenlere), was sollen wir mit ihm jetzt anfangen? Mein 
Lämmchen Tosun efendi, was du mit ihm tun kannst, wirst 
nur du tun, es ist in deinen Händen. Wir bitten dich, rufe 
den Menschen her oder tue etwas, erbarme dich unser und 
errette ihn. (Flehen zu Peschekjar.) 

Pesch. Wartet nur, vielleicht tut er es mir zulieb (hati- 
rima riäjeten); und wir können für ihn etwas tun. (Benach- •' 

richtigt den Hodscha, nach einer Weile kommt der Hodscha 
gelaufen, Tosun efendi geht ihm entgegen.) Maschallah efen- '-^ 

dim, Segen, dass sie kamen, sie mögen alles haben, mir zulieb ^^ 

kamen sie her. 

Zaub. Jawol, du riefest deinen Diener (mich), deshalb 'Qr 

kam ich, es werde Segen, was ist? (Mittlerweile winkt Pesch. ->;n 

dem Volke Hamdis, und sie fangen an zu flehen.) 

Frau, Ach mein efendi, er beging eine Sünde, ver- jüj 

geben sie ihm. Was zu tun ist, können nur Sie tun (ne olursa '^iesi 

sizden olur). Erretten Sie diesen Unglücklichen (flehen zu ihm). 

Zauh. Er sündigte schwer, es ist wahr, aber Euch zulieb üeh 

befreie ich ihn diesmal. (Beginnt »estäneke mestäneke, aus dem 
neunten Kapitel küllühüm püf», demn berührt er Hamdi mit dem 
genannten Stabe, worauf dieser gähnend zu sich kommt und i^ 

alle sprechen zum Hodscha: iihr möget keine Not leiden, 
Allah verlängere Euer Leben»; küssen ihm die Hand und die tiQ; 

Frauen gehen ins Haus.) 



^) Estaneke, Zauberspruch, wahrscheinlich Verkürzung einea arab« 
Kunstausdruckes. 



125 

JPesc/u (Zu Hamdi.) Küsse auch du die Hand des Hod- 
scha efendi, mit grosser Mühe haben wir dich befreit. 

Kav. Geh du nur, ich werde es schon tun {Peschekjar 
entfernt sich, er küsst die Hand des Hodscha). Ach efendim, 
vergib mein Vergehen; es war eine Sünde was ich tat. Ich 
hätte eine Bitte an Sie, werden Sie mir dieselbe gewähren? 
(Beginnt ihn anzuflehen)? 

Zfiub. Nun was ist's? Basch, ist die Sache annehmbar? 

Kav. Efendim, Kleinigkeit ; ich möchte, dass Sie mir 
den Stab gütigst geben wollten. 

Zaub. Es ist gut, Lieber, du kannst ihn aber nicht be- 
nützen, und wirst mir noch Unannehmlichkeiten bereiten, wenn 
du mit jedem Spott treiben wirst. Es nützt nichts, du kannst 
mit ihm nichts anfangen. 

JKav, Nein, efeiidim, ich tue niemandem etwas zuleide; 
wie Sie mir's erklären, so werde ich ihn benützen. Wenn Sie 
erfahren, dass ich einen Fehltritt machte, können Sie mir den 
Stab wieder abnehmen, und mit mir tun, was Sie wollen. 

Zaub. Es ist gut, da hast du ihn; wenn ich aber höre, dass 
du mit ihm an jemand etwas verübst, wirst du es bereuen. 

Kav. Nein, mein Herr. (Nimmt den Stab aus seiner 
Hand ; der Hodscha geht weg und Hamdi eilt freudevoll zu 
Peschekjar). 

KaVm Tosun, siehe nur diesen Stab in meiner Hand, ich 
bekam ihn vom Hodscha; soll ich dich damit behexen, wie 
ich es war? (benim oldüm gibi okujup-ta carpajim-mi)? 

JPesch. Ach Hamdi, man kann damit nicht scherzen ; geh 
nur in dein Haus und bleibe ruhig, dass du auf diese Weise 
keinen Streich spielst (bu jolda bir sakä etme). 

Kav. Nun Tosan, gib acht, dass du mir die genannten 
Gläubiger nicht ins Haus schickest, denn sonst vernichte ich 
diese und auch dich. 

Pesch» Nein, nein, niemand schicke ich, fürchte dich 
nicht. 

Kav» dEstäneke mestäneke , , .>y 

Fesch. Lass doch Hamdi den Scherz, mit dem kann 
man nicht spielen. 

Kav. Der fürchtet sich aber; fürchte nicht, es war nicht 
ernst. (Geht ins Haus.) 



126 



IV. 

{Nachdem die Musik spielte^ kommt ein Perser hervor, und 
singt mit persischem Akzent ein türkisches Lied.) 

Ich liebe einen Knaben, 
Sein Scheiden bereitet mir Kummer, 
Ach der Liebreiz dieses Knaben, 
Ist das Entzücken meiner Seele; 
Ach mein Junge, oh mein Junge, 
Mein Herz ist dein Opfer. 

(Während er drei-viermal den Schauplatz umgeht, kommt Ka- 

vuklu aus dem Hause, hält den Saum seines Mantels zusammen 

und geht nach dem Perser, ahmt ihn nach und tanzt.) 

F^rser,-*^) (Schaut zurück.) Was gehst du mir nach? (peski 
ne tolasirsen menim peiimde) 

Ka/v. (Sieht in die Augen des Persers und als wenn er 
erschrocken wäre, wendet sich rasch um. Kaum aber der Perser 
wieder zu gehen anfängt, geht er ihm nach und ahmt ihn 
wieder nach.) 

Pers. Pack' dich, was für Hundsdiener ist das (peski 
jvj(il direm sena, bala ne göpcx umyi dir hu)? 

K.av, Was geht's dich an ? Das ist hier eine Gasse, schade 
ich dir etwa? (Der Perser geht wieder, Hamdi ihm nach und 
setzt seinen Spott fort.) 

Per». He, Hundediener, sei verflucht . . . (iimdi dedetf 
körünü sikem hä). (Während dessen kommt Peschekjar und 
spricht zu Kavuklu.) 

Pesch. Kerl, du kennst nicht diesen Mann, es ist nicht 
der, den du meinst; geh von da, bandle nicht mit jedermann 
an, den du siehst. (Verjagt Hamdi und beginnt mit dem Perser.) 
Maschallah Hadschi Abbas, kümmert euch nicht um dessen 
Fehler, sein Verstand ist ein wenig fehlerhaft. Efendim, von 
wo kommen Sie und wohin streben Sie, so schöne Lieder 
singend ? 

Pev8. Ach maschallah Tosun efendi, ich freue mich sehr, 
dass ich Sie sehe, ich wollte ein wenig spazieren, aber ich 
habe noch was auf meinem Kopf, ein lästiges Ding. 

JPesch. Es sei zum Guten, efendim, was für ein Un- 
gemach? Wenn ich helfen kann, so tue ich es gerne. 

Pers. Weisst du, ich verkaufte einige Ellen Shawl und 



^) Des Persers Gespräch ist im Original nach der eigentümlichen 
türk. Aussprache der Perser wiedergegeben. 









127 

ich bekam noch nicht das Geld dafür. Der Käufer ist ein Schwind- 
ler^ er verliess seine alte Wohnung und kam in diese Gegend; 
ich gehe, um das Haus dieses Hundedieners zu finden, 
damit ich von ihm das Geld fordere. Ich erfuhr^ dass sein 
Haus hier sei, du erzeigst mir eine Wohltat, wenn du es mir 
zeigst. 

Fesch. Was für Mensch ist das; könntest du nicht sein 
Aussehen beschreiben? 

Pers. Kurze Gestalt, vollbartiger Mann, am Kopf trägt er 
eine riesengrosse Mütze, ein unförmiger Kerl; ich weiss aber 
seine Beschäftigung nicht. 

Pesch. Ich verstand es. Ich werde Euch das Haus zei- 
gen. Aber Abbas, der ist jetzt ein wenig arm; das ist übrigens 
deine Sache, ich glaube aber, du wirst jetzt kaum von ihm 
Geld bekommen. 

Pers. Mein lieber Tosun efendi, du zeige mir nur das 
Haus, wenigstens rede ich mit ihm. {Pesch. zeigt ihm Hamdis 
Haus.) Ist er zuhause, was meinst du, Tosun? 

Pesch* Er ist zuhause ; wenn du hingehst, findest du ihn. 

Pers. Sehr gut, Tosun efendi, ich freue mich. (Geht und 
klopft an HamdxB Tür.) 

Kav. (Steckt den Kopf ober dem Zelt heraus.) Wer ist 
da? Wer bist du? 

Pers. Komm ein wenig herunter, ich möchte dich sehen, 
ich habe mit dir zu tun. 

Kav. Ich kann nicht kommen, was willst du? Geh, und 
komm' später, jetzt lege ich das Kind in die Wiege. 

Pers. Komm herunter, wenn ich sage ; ich will dir etwas 
sagen, dann kannst wieder gehen. 

Kav. Sehen wir, was will dieser Spitzmützige sagen. 
(Gebt hinaus.) Nun sprich Honigmännchen, was willst du? 

Pers. Du bliebst mir um ungefähr hundert tümen Shawl 
schuldig; ich kam her, damit du mich bezahlest. 

Kav. Es wird ein Irrtum sein, Kerl; ich hatte nie sol- 
chen Kauf von dir. (Will zurück ins Haus, der Perser aber 
reisst ihn beim Kragen zurück.) 

Pers. Wohin laufst du? Bezahle deine Schuld, dann 
kannst du gehen wohin du willst, Hundediener; du willst es 
noch leugnen? 

Kav. (Ärgerlich.) Diesen Mensch schickte mir Tosun auf 
den Hals. (Geht zu Tosun.) Bravo Tosun, du machtest gerade 
das Gegenteil von dem, was ich dir sagte, nicht wahr? Wenn 
du ihm schon das Haus zeigtest, so schüttele dies Ungemach 
mir von Haupt; sonst, — du kennst den Stab, ich verrichte 
deine Angelegenheit zuerst damit. 



128 

JPesch» Ach Hamd% ich zeigte ihm's eicht, er erfuhr es 
von anderen; ich kümmere mich nicht um derlei Sachen, ich 
mische mich nicht hinein, geh und sieh du selbst nach. 

Per». (Gerade auf Hamdi los.) Wohlan, ich warte, gib 
mir mein Geld, damit ich gehe, sonst ergeht's dir übel. 

KaVm Väterchen, entferne dich von da im Guten, sonst 
wirst du sehen. 

Pers. Was kannst du mir tun, sehen wir nur. 

Kaiu Warte also. (Nimmt den Stab und beginnt: i^Estä- 
nekf, mestäneke, aus dem neunten Kapitel külUihüm püf», und 
kaum er den Stab gegen ihn hält, erstarrt der Perser in seiner 
Stellung.) 

Kav. Eh, Väterchen, wünscht du noch die Schulden? 
Jetzt prahle, du kamst doch, mich zu schlagen, schlage nur 
(während er den Perser in einemfort am Nacken schlägt). 

Pesch. (Geht zu ihnen.) Aber Hamdi, was tatst du? Ist 
es keine Sünde ? Wenn jetzt der Hodscha efendi käme und es 
sehen würde, was tätest du? 

Kav. TosuHf sprich nicht viel, sonst lese ich auch dir 
das Estäneke-Kei^^itel, dann wirst du wissen, wie du mich erziehen 
sollst. 

Pßsch. Aber, aber Lämmchen Hamdi, tue was du willst, 
nur mich rühre nicht an. (Entfernt sich, Hamdi stösst den 
Perser und stellt ihn beiseite, dann geht er ins Haus.) 

V. 

(Während die Musik spielt, tritt Hasan aus Kajserie^) auf 
und brummt in sich : 

Fatma schaut aus dem Fenster, 

Bindet auf die Hose seinen Gürtel; 

Ej aman, ej aman ej of. 

Ich warf einen Stein auf den Baum. 

Schoss einen bunten Vogel; 

Ej aman aman ej of. 

Er umgeht zwei-dreimal den Schauplatz, Hamdi kommt hervor 
und hängt sich ihm an den Hals. Der Kajserier schaut zurück.) 

Kajserier. Was willst du, dass du mich verfolgst? 
Kav. (Kümmert sich nicht um ihn, und folgt ihm sin- 
gend.) 



*) Kajsei'ier spricht im anatolisch-kajserischem Dialekte. 



129 



r-tr 



lEi 



1. 



KaJ8. Zu dir spreche ich, He; kamst du zu meinem Un- 
i^ : glücke? In die Hölle mit dir. 

Kav. Was geht dich das an, du brülle nur weiter wie 
:e. : ein Esel (esek gihi zirlamana hak), 

Kajs. Gib acht, Kerl ; ich spreche zu dir, Hundskerl, 
. •:: wen lässt du brüllen ? 

Kav. Zu dir spreche ich, zu dir, und dann ? Als hättest 
du mich erschreckt, du Eichenklumpen. 
i Kajs. Kerl, du redest noch, sofort... 

JPesch. (Kommt.) Hamdi, was machst du, der ist sehr reiz- 

..: bar, es ist nicht ratsam mit ihm anzufangen (ona satasmä 

gelmez); und dann ist es auch eine Schande so was zu tun, 

:;;;: geh nur ins Haus. (Verjagt KavuJdu und wendet sich an Hasan.) 

•e: Ach, unser Sprosse Hasan, beachten Sie nicht sein Reden, er 

ist ein wenig schwachsinnig. Von wo kommen und wohin 
■ ; gehen Sie solche brennende, zündende Lieder singend? 

Kajs. Ach Tosun, was soll ich tun, ich machte mich 
auf den Weg mit solchen Liedern, um mein Herz aufzuheitern, 
1^ dass ich Tosun efendi finde, und ihm mein Unglück erzähle, 

ich kam bis hieher. 

Pesch. Es werde segensreich, was fehlt euch? 
Kajs. Ach, Meister, frage gar nicht, was es sei; ein 
Schwindler betrog mich mit fünfzehn Piastern, ich weiss nicht 
was ich tun soll. Ich hörte, dass der Lump hier wohnt, des- 
halb kam ich bis zu Eurer Gnaden, dass Ihr das leichtere Ende 
der Sache findet. 

Pesch. Vielleicht könnet Ihr ein wenig sein Aussehen 
beschreiben ; sehen wir nur, was für ein Mensch kann das 
sein ? 

Kajs. Ach, Meister, seine Gestalt, Form, ist gar keinem 
Menschen ähnlich ; roher Bart, grossmütziger Lump. 

Fesch. Ich kenne ihn schon ; aber ich weiss nicht, ob er 
zuhause ist; er wohnt da im Nachbarhause, Sie können ihn 
besuchen, wenn Sie wollen. 

Kajs. Habe ein langes Leben Tosun, ich werde nach- 
sehen. (Klopft an Hamdi^ Tür.) 
Kav. Wer ist es ? 
r^' Kajs. Komm herunter. 

iCi- Kav. (Schaut hinunter.) Ich weiss schon; Mädchen, Sei- 

vinäz*) es kam ein Bettler, wirf ihm ein Stück Brot hinunter. 
Kajs. Da schaut her efendi, ich bin kein Armer, kommt 
'' herunter plaudern wir ein wenig. 






*) Selvinaz weiblicher Name, bei Sklavinnen üblich. 
Das türkische Volksschauspiel, " 



KuVt Nun, wieder ein Gläubiger, vielleicht bin ich auch 
ütva Hcbuldig, auch den brachte mir Tosun (bunu-da benim 
haüntdi Tosun aaldirmii-tir), (Geht hinaus.) Es sei segensreich, 
Aya, wa« willst du? 

KaJH. Du weisst doch was meine Forderung ist; ich 
\mm, um diese fünfzehn Piaster, die schon lange her übrig 
blieben, ins Beine zu bringen. 

Kav» Ich kenne dich nicht, Landsmann ; woher sollte 
iah dir schulden ? Vielleicht klopftest du an einem falschen Tor. 

Xajs» Da schaut her, ich kenne keinen Scherz; noch 
hftnte muBst du mir das Geld geben. 

Kav» Ach, wir blieben wieder stecken. (Geht zu Tosun.) 
Hahime Bache Tosun, diesen unvernünftigen Kajserier brachtest 
du mir auch wieder an den Hals. Nicht wahr? Bei Allah, Tosun, 
UiU vernichte dich, wenn du diesen Menschen nicht wegbekommst. 

Plßäch» Hamdi, du verlangst bei jedem Besucher von mir 
iteebenscbaft ; habe ich's nicht gesagt, dass ich niemand zu dir 
mthiakie, was kümmere ich mich um ihn. 

JCa/V» Tosun aEstäneke mestäneke» . . . 

Pesch* Aber Hamdi, tue es nicht mein Lämmchen, wenn 
du Allah liebst; darf man damit spielen? (Mittlerweile weg.) 

Kajs, Wie ich dein Auge liebte ; hast du vielleicht an 
dttü Bchmalz, den Beis vergessen, den du aus dem Laden 
nähmest? Gib mir, was du mir schuldig bliebst, dass ich gehe, 
»onst raufen wir. (Gerade auf ihn los.) 

Kav. Ich verstehe es, auch der wünscht sein Unglück, 
ich gebe es Väterchen, warte nur. (Liest Estäneke, hält seinen 
Htab gegen Hasan, worauf dieser erstarrt. Kavuklu stösst ihn 
neben den Perser, stellt ihn nieder und geht ins Haus.) 



VI. I 



(Nachdem die Musik ein Loblied spielte, kommt der Last und 
Hingt das Li3d: 

Ich legte Fische in die Bohre, 
Fing dort an zu spielen; 
Schamloses Mädchen, 
Soll mir nicht in den Schoss sitzen. 
Wo bist du Mädchen, wo bist du? 
Auf dem Boden, auf dem Boden; 
Wenn ich dich auf dem Boden finde, 
Eüsse ich dich auf der Stelle, 
dav dav dav dav d-av dav dav. 

Umgeht etwa drei-fünfmal den Schauplatz und begegnet Pe- 

schekjar.) 






131 

Pesch. Acb maschaüdh Ali, woher kommen Sie und wohin 
gehen Sie solch schöne geschickte Lieder singend? 

Ali. (Das ganze in einem Atem.) Maschallah Tosun efenii^ 
weisst du, aus Trapezunt kam ich heute, ein Schiff Kupfer, ein 
Schiff Eisel, ein Schiff Haselnüsse. Auf dem Wege, als wir 
fuhren, ereilte uns ein Gewitter, ein Windsturm erreichte 
uns, unser Schiff sank, wir retteten uns irgendwie ; aber weisst 
du, es tut mir leid um die Haselnüsse. Die Ware ist zwar nur 
Haselnüsse, das übrige ist nur einen Heller wert. 

Kuv, (Kommt mittlerweile herunter zu Peschehjar.) Mein 
Lämmchen Tosun, wer ist dieser Mensch mit dem beweglichen 
Kinn? 

Fesch. Schau dass du weiter kommst, was kümmerst du 
dich; jedem willst du zur Last fallen? 

Kav. Tosun, das ist ein wunderbarer Kerl; während er 
spricht, nimmt er keinen Atem. 

Ali. Mein Lämmchen Tosun efendi, höre mich an, weisst 
du warum ich zu dir kam? Ich habe viel Ungemach, aber auf 
einmal kann ich es dir nicht verständlich machen. Warte, ich 
erzähle dir einen Teil davon, und höre zu mein Lämmchen 
efendi; aber dein Kopf schmerze nicht, ich will nicht alles 
erzählen, wenn ich nur einen Teil erzähle, wirst du das Ganze 
verstehen. 

SiW. Stoper (bleib stehen)*) Kerl, was für ein geschwä- 
tziger Kerl du bist. Wenn man für Bede Zoll einheben würde, 
hättest du schon die Pille geschluckt (ejer lakirdija gömrük 
alsalar, hapi juttun gitti). (Hält dem Lasen den Mund zu.) 

Ali. (Zieht sich zurück.) Aber Tosun efendi, wer ist dieser 
Mensch, was für eine Gattung^ dass er mich nicht mein Un- 
glück erzählen lässt? 

Pesch. Beachten sie ihn gar nicht efendi, er ist ein we- 
nig blöde. (Zu Hamdi.) Packe dich von da, es ist schändlich, 
was du treibst; geh in dein Haus. (Jagt Hamdi fort.) 

Ali. Weisst du Tosun efendi ich kam zu dir, denn Je- 
mand beschwindelte mich mit fünfzehn Piaster für Kupfer; ich 
weiss nicht, wo sich dieser Mann befindet, ich hörte, dass er 
hier sei. Wenn du ihn kennst, zeige mir sein Haus, dass ich 
mein Geld fordere. 

Pesch. Efendim, könnten Sie mir seine Gesichtszüge er- 
klären, seine Gestalt? Ob es hier einen solchen Menschen gibt? 

Ali. Wer sucht bei dem eine Gestalt? Auf seinem Kopf 
sitzt eine ofengrosse Mütze, er ist etwa vierzig, fünfandvierzig 



^) Stoper ist die VerhunzuDg des englischen stop. 

9* 



132 

Jahre alt^ sein Gesicht ist formlos ; sein Ganzes, der Sohn de& 
Tölpel ist ein Tölpel ; *) ich hörte, Sie sind sein Freund. 

Pesch. Ich weiss schon efendi; da im Nachbarhause^ 
wohnt er, wenn Sie jetzt gehen, finden sie ihn zuhause. 
(Darauf entfernt sich der Läse und klopft an der Tür.) 

Kav. (Schaut herunter ober dem Zelt.) Ich sehe, auch 
das ist ein Gläubiger. (Geht hinaus.) Was wünschst du Aga^ 
wen suchst du? 

Ali. Wen sollte ich suchen? Dich suche ich, du weisst 
doch, weshalb ich dich suche. Ich will von dir das Geld für die 
längst gekauften Kupferwaren ; das Kupfer kauftest du, gerade 
vor zwei Jahren, und gabst nicht einmal fünf Heller dafür.. 
Wir vertrauten dir und du handeltest so mit mir? 

Kav. Bleibe stehen he, ich bin schon im Keinen; ich 
weiss es zwar, ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich dir 
schuldig wäre. Hier muss ein Irrtum sein. 

Ali. Kein Irrtum, du kauftest von mir das Kupfer; ganz 
und gar hast es gekauft, und jetzt wolltest du es ableugnen? 

Kav. (Zu sich) Auch das ist Tosuna Werk, es gibt keinen 
anderen Ausweg, als das Estäneke. (Zum Lasen.) Geh deiner 
Arbeit nach ; ich kaufte kein Kupfer von dir, gehe und suche 
den, dem du es gabst. 

Ali. Wie, du hast nicht gekauft? Ich lass mich nicht 
betrügen, ich treibe bei dir das Geld ein; wenn du es gutwillig^^ 
gibst, so gib es, und ich gehe. 

Kav. Eh schweige, wir brauchen nicht viel Lärm, warte, 
sofort bekommst du es. (Damit ergreift er den Stab, liest das 
Estäneke und der Läse bleibt erstarrt. Dann trägt er auch den 
Lasen neben den Kajserier und den Perser und geht zu Pe- 
schekjar.) Ihsiin, ich will kein Mensch sein, wenn ich diese 
Dinge so lasse ! (ben hu isleri senin janina korsam, adam dejl-im). 

Pesch. Warum Hamdi, was geschah wieder? 

Kav. Was sollte geschehen sein? Diesen Mann mit dem 
herabgefallenen Kinnbacken hast du mir auch ins Haus geschickt. 

Pesch. Nein, Hamdi, ich schickte ihn nicht, er kam von 
selbst, schüttle ihn ab mein Hamdi, schüttle ihn ab. 

Kav. Schüttle ihn ab Hamdi, schüttle ihn ab; komm 
und siehe seinen Zustand. Wie ich seiner los wurde durch daa 
Estäneke, wenn mich Gott erhält, so werde ich auch dich los. 
(Geht nach Hause.) 



*) Gewöhnlicher, spottischer Ausdruck wie köpölu köpek (Hundebrut)^ 
hlnzlr olu hlnzlr Schweinesohn; die spanischen Juden benutzen auch. 
mamzer ölu mamzer (Bastard). 



133 



VIL 

<Die Musik ertönt, .der Arnaut kommt singend : 

In der Donau wäscht sie ihre Leinwand, 

In der Donau wäscht sie ihre Leinwand; 

Wer umarmt nicht, ach Burschen, 

Bulgarisches Mädchen? 

Holla, Bursche, holla, holla, Bursche, 

Bei meinen Gott, ich liebe 

Das bulgarische Mädchen, Bursche. 

<jeht einigemal um die Bühne, dann kommt ihm Peschelgar 

entgegen.) 

Pesch, Maschallah Bajram efendi, woher geruhen Sie zu- 
kommen ? 

Bajr, Ach Bursche, bei Allah Tosun efendi, ich gegege- 
lobe es, dass ich von nun an keinen Heller mehr borge. 

Pesch» Es werde segenreich, vielleicht betrog dich jemand 
^urch Borg? 

Sajr. Ach Bursche, frage gar nicht, bei Allah Tosun 
efendi, ich gab einem Schmutzkerl vor sechs Monaten Brot, und 
erhielt noch keinen Heheheller, Bursche. 

Pesch. Meine Seele Bajram, so was kann nur dir zu- 
kommen? (hep böjle iejler-de senin basina-mi gelir) 

Bajr, Ach Bursche, ich weiss es wahrlich nicht, Tosun 
efendi, was ich jetzt tun soll? Sie zogen auch aus dem Haus, 
ich kann den Gauner nicht finden ; ich hörte Tosun efendi, 
tlass sie hieher gezogen sind. 

Kav. (Kommt mittlerweile zu Tosun.) Tosun, wo findest 
du diese sonderbaren Menschen? Kerl, das ist wieder eine 
andere Gattung. Mensch, sieh nur sein Gesicht, findest du 
darin etwas Bechtschaffenheit? 

Pesch. Kerl, du kamst wieder hervor; ich sage dir 
immer, dass du dich nicht in solche Sachen mischen sollst, 
packe dich und gehe in dein Haus. 

Bajr. (Blinzelt auf Hamdi und lacht.) He Bursche, wer 
ist dieser Tom'Tom\mri\gQ Schurke? 

Pesch. Bajram, beachten Sie ihn nicht, er ist ein wenig 
blöde. 

Kav, Kerl, Tosun, du machst also immer solche ge- 
schmacklose Sachen! 

Pesch. Was für geschmackloses Ding habe ich gemacht ? 

Kav. Was du machtest? Bevor noch Ramazan da wäre. 



134 

brachtest du den Bajram.^) Kerl, ist an diesem Kerl ein Ge- 
sicht, das dem JSo/ram ähnlich wäre? 

Bajr. (Ärgerlich.) Ach Bursche, wer bist du, wenn du 
Allah liebst Bursche, kamst du zum ü — uunglück auf meinen 
Kopf? Pa — papacke dich von da, Bursche. 

JPesch. (Zu Hamdi.) Hamdi, wolan, nun nach Hause; der 
gehört nicht zu jenen, den du meintest. (Verjagt Hamdi.) 

Bajr. Ach Bursche^ Tosun efendi, was sollen wir um 
Gotteswillen tun ; zeige mir sein Haus Bursche, vielleicht be- 
komme ich fünf oder zehn Heller, wenn nur auch he — heheute. 

Pesch. Gut Meister Bajram, sein Haus ist da in der 
Nachbarschaft;, es ist möglich, dass auch er selbst zu Hause ist. 

Sajr. Allah möge mit dir zufrieden sein, Bursche. (Da- 
mit geht er, klopft an der Tür; Hamdi sieht hinaus, dann geht 
er wieder hinein und spricht: ,Kinder, stehet auf, ziehet euch 
an, gürtet euch und geht spazieren, Bajram ist da.' Diese 
antworten ihm mit grossem Lärm und Gepolter: ,Mensch, bist 
du verrückt geworden, kann vor Ramazan Bajram kommen 
(Ramazan gelmedem bajram gelir-mi)T und jagen ihn hinaus.) 

KaVm (Wie er herauskommt.) Sei begrüsst, was willst du, 
willst du dich nach jemand erkundigen? 

BajVm He Bursche, ich erkundige mich nach niemandem, 
nur dich suche ich, dass du mir heute fünf oder zehn Piaster 
gebest. 

KaVm (Für sich.) Kerl Tosun, das ist wieder dein Werk, 
ich werde dich aber noch treffen. (Zu Bajram.) Das ist ein Irr- 
tum, ein Irrtum, wir haben einen anderen Brothändler, dich 
kenne ich gar nicht, gehe und suche den, dem du gegeben hast. 

Sajr. Ach Bursche, ein Irrtum? Fü — füfürchte Allah 
Bursche, in deine Kehle assest du das Brot und jetzt kennst 
du mich nicht? Gib das Geld im Guten her, sonst auf Gott, 
ich nehme dir das Geld. 

KaVm Nur hurtig, Arnautenmeister, fort mit dir, ich bin 
nichts schuldig, suche dein Unglück nicht bei mir; sofort weg 
von hier. (Damit will er hinein, aber Bajram ergreift ihn beim 
Kragen und zieht ihn heraus.) 

Sajr, Ach Bursche, das Geld gibst du also nicht, nicht 
wahr? Ich^ Bursche, bei AUah erschlage dich. (Legt seine Hand 
auf die Pistole.) 

Kav. Ich sehe, auch du gehörst nicht zu jenen, die 
gutwillig weiter gehen. Darauf verzaubert er ihn mit dem 



*) Wortspiel mit dem Namen Bajram des Arnaut, welches das be- 
kannte muhamedanische Fest bedeutet. 



135 

Estäneke (estaneke ile onu-de baj-lar) und stellt ihn stossend 
neben die anderen, und spricht zuerst zum Perser : Ach Honig- 
yäterchen, wie geht es dir^ bist im Frieden, wirst mich noch 
schlagen ? (Gibt ihm einige Ohrfeigen.) Nun Dreck, wie ist's mit 
dir? (Versetzt auch dem Kajserier einige Schläge.) Wie geht es 
dir, was machst du, Sardinenfisch, gibt's ein Opfer? (Beklopft 
den Lasen.) Nun Bajram Väterchen, du kommst vor dem Ra- 
mazan und greifst zu Waffen ? (Schlägt auf seinen Nacken.) 
Nun seid mit Frieden. (Lässt sie dort und geht in sein Haus 
hinein.) 

vin. 

(Nachdem die Musik eine Melodie spielte %Jä Ulli ja Uüib 

kommt ein Araber ein arabisches Lied singend und wie er hin 

und her geht, kommt ihm Peschekjar entgegen.) 

Pesch. Maschallah hadschi Beschir, woher kommen und 
wohin gehen Sie, ein so schönes Lied singend? 

JSesch, Maschallah Tosun efendi, da heute das Wetter 
schön ist, ging ich spazieren, und dann habe ich auch zu tun, 
darum ging ich aus. 

Pesch. Sehr gut efendim, man muss spazieren; aber ist 
ihre Angelegenheit wichtig? 

JSesch, Meine Seele, sie ist nicht so wichtig. Jemand hat 
mich da mit ungefähr zweihundert Piaster wertem syrischem 
Stoffe angeschwindelt ; gestern ging ich zu ihm um mein Geld, 
er ist aber ausgezogen. Ich vernahm, dass er hierher gekommen 
ist; ich kam, vielleicht werden sie es wissen. 

Fesch. Was für ein Mensch ist er, ich kenne ihn nicht; 
könnten Sie sein Äusseres mir beschreiben? 

Sesch. Wie sollte es sein, meine Seele. Am Eopf hat er 
eine riesengrosse Mütze, an den Füssen gelbe Pantoffeln, sein 
Mantel ist rot, er ist schwarzbärtig, kurzleibig. 

JPesch. Ich weiss es, neulich übersiedelten sie in dieses 
gegenüberliegende Haus, er selbst ist im Hause efendim; gehet 
hin, auch ich müsste irgendwohin gehen, ich gehe dortzu. 
(Darauf geht Beschir zum Haus Hamdis^ Peschekjar geht auf 
den ausserhalb des Zuschauerraumes gelegenen Ort. Beschir 
klopft an Hamdi8 Tür.) 

Kav. (Sieht von oben herunter.) Wer ist es, was willst du ? 

Sesch* Meine Seele, komm ein wenig herunter. 

Kav (Kommt hervor.) Was ist es Hadschi Väterchen? 

Sesch. Meine Seele efendim, Sie verliessen Ihre Woh- 
nung, nach langem Suchen fand ich Sie ; wollten Sie mir die 
fünf-zehn Piaster geben? 



136 

Kav. Was für Geld Hadschi Väterchen ? Ich nahm niebts 
von dir. 

Jieneh. Meine Seele, vielleicht haben Sie den gekauften 
ßtoflf vergessen ? 

Kav, Du irrst dich Väterchen, bei uns trägt man keine 
Btofte. 

JieHch. Mein Lieber, warum tun Sie es, ich hatte Ver- 
trauen zu Ihnen, und jetzt wollten Sie es ableugnen ? 

iifir. Nein, Lieber, nein, denke nur nach; vielleicht wird 
es jemand anderer gewesen sein. 

lieneh. Nein, mein Scelchen, Sie kauften sie, sollte ich 
Hie nicht kennen ? Sie kauften zweihundert Piaster werten Stoff, 
wie schnell Sie es vergessen. 

Kar. Wolan, nur wolan, ich liebe nicht diese Albern- 
heiten. 

Sesvh. Ach Lieber, auch ich liebe nicht die Schwinde- 
leien ; warum leugnest du mein Geld ab ? 

Kaku Hadschi Väterchen, halte dein Maul; wer ist der 
Schwindler? 

Sesch. Wer anderer sei es als du, der mein Geld ab- 
leugnest 

Kai\ Hinaus du Schmutzbauer (hajdi pis fellah), sonst . . . 

JBesch» Ach, ach. noch du willst — , unverschämter 
Schurke ; wenn du mir das Geld nicht gibst, schlage ich einen 
solchen Lärm, dass es dir leid tun wird. 

Kav. (Für sich) Da ist das arabische Übel (ulan, arah 
belä he), ich sehe es, auch mit dem kann ich zu nichts kom- 
men (hununla de hasa cihibnaja,^ak). Warte nur, ich stelle dich 
neben die übrigen als Gefährten. (Darauf liest er das Estäneke, 
verzaubert den Araber und schiebt ihn neben die anderen.) 
Nach meiner Eechnung habe ich nicht mehr Gläubiger, nun 
will ich mich mit ihnen ein wenig unterhalten. (Damit nimmt 
er den Perser als ersten, dann den Lasen, und den Kajserier, 
hintereinander, dann den Amanten und den Araber, und bildet 
aus ihnen eine Schiffsmannschaft. Stellt zwischen sie einen 
Sessel und setzt sich nieder. «Nimmt das Seilt (trompetet) ^^tor- 
nistan, torneheU *) beginnt das Kommando, worauf sich die 
Leute zu bewegen und zu richten anfangen. Nach einigen Minu- 
ten schreit er •Stoper», sie bleiben stehen, dann beginnt er 
von neuem. «Wer steigt aus in Fener?»» später wieder, «Nimmt 
das Seil». Trompetet und kommandiert »tornistan, iarnehet*. Sie 



^) Tomistan; tomehet: das engl, tum the steam; tum the head. An 
den stambuler LokalschifTen werden noch hente diese fremden Ausdrücke 
gebraucht. 



137 

beginnen wieder sich zu rühren und zu bewegen, und dann fängt 
er an. «Anadolischer Kahn vorwärts, Sandal*) gib acht.» (kajik 
anadolu gel, varda sandal). Mittlerweile kommt Tosun.) 

JPesch. Kerl, was ist das, was du da anstellst; schämst 
du dich nicht, ist es keine Sünde ? Sieh mal den Zustand der 
Unglücklichen. 

K.av. (Kümmert sich nicht, schreit.) «Nach Ejuh, Balat.)>**) 
jPeseh. (Sich ärgernd.) Ich benachrichtige den Hodscha, 
der dir den Stab gab, dann siehe deine Tage. 

(Entfernt sich, die übrigen bewegen sich weiter und während 
Hamdi weiter schreit «Sandal, gib acht, sofort gehe ich auf 

dich zu», kommt der Hodscha.) 

Zaiih» Kerl, deshalb gab ich dir den Stab. Pfuj, unver- 
schämter Mensch, steige sofort herab. (Ergreift Hamdi am 
Arme, reisst ihn herab, stösst ihn hin und her. schlägt ihn 
und nimmt den Stab aus seiner Hand. Liest das Estäneke, be- 
rührt die Bezauberten mit dem Stabe, worauf sie sofort zu sich 
kommen. Der Hodscha spricht also zu ihnen.) Hier ist der 
Mann, der es euch antat, kommt, ergreift den Gemeinen und 
übergeben wir ihn der Polizei. (Sie packen den Hamdi, zerren 
ihn herum, und tragen ihn prügelnd, stossend fort. — Das Spiel 
endet.) 



Anmerkungren. 

S. 3. Bezüglich der Benennung der verschiedenen Orta- 
Gesellschaften erhielt ich nachträglich folgende Daten von dem 
schon öfters erwähnten Hamdi. Die Benennung Hän kolu stammt 
daher, weil diese Gesellschaft ausschliesslich im Palaste des 
Sultans spielte und deshalb nannte man sie hän kolu ^^3 ^jIä.. 

Zuhuri kolu bedeutet so viel, als eine später oder in neuerer 
Zeit erscheinende kol (sonradan zuhur ettiji icün ^j^äjI ^Jujuül 

)y^ ^f^sSyo. Die süpürge kolu 'Ls a^«j«^ ist dadurch gekenn- 
zeichnet, dass in dieser kol grösstenteils oder hauptsächlich 
Zigeuner spielten. Nachdem die Konstantinopler Zigeuner be- 
sonderen Ruf durch die Anfertigung von Besen äS^^j^^ erhielten, 



*) Sandal. Ein ziemlich flacher Kahn, auf welchen man auch län- 
gere Ausflüge unternehmen kann. Kajyk spezial türk. schmales langes 
Fahrzeug, ähnlich dem ind. Canoe. 

*^) Ejub, Balat und weiter oben Feiner^ Dörfer an dem Goldenen 
Hom. Letzteres hauptsächlich von Juden bewohnt. 



138 

ist anzunehmen, dass man die Gesellschaft in launiger Weise 
und übertragenem Sinne so benannte. Ausser diesen besteht, 
beziehungsweise gab es noch eine andere hol, welche unter dem 
Namen difte kanburlar J<^U xaaas^ (die Zweihöckerige) bekannt 

war. Diese kol entstand unter Leitung des Kamhur Mehemed 
(der bucklige Mehemed) und noch eines anderen Höckerigen 
(Kamhur Peschekjar der bucklige Peschekjar). 

S. 6. Das Zwiegespräch zwischen Kavuklu und Peschehjar, 
den beiden Hauptgestalten der Oria- Spiele (muhavere), das den 
eigentlichen Kern dieser Spiele ausmacht, pflegt bezüglich seines 
Umfanges verschieden zu sein. Ist dieses Gespräch umfangreich, 
so heisst es tekerleme : ist es aber nur von kurzer Dauer, so 
wird es nach dem Kunstausdrucke der neuen Orta razhar oder 
arzhar genannt. Letzterer Ausdruck soll angeblich zigeunerischen 
Ursprungs sein. 

S. 27. Was meine diesbezügliche Behauptung anbelangt, 
dass in den Or^a-Spielen der Kavuklu gewöhnlich Hamdi ge- 
nannt wird und der Peschekjar den Namen Tosun efendi führt, 
so ist hiezu eine kleine Berichtigung nötig. Wie ich neulich 
erfahre, erhalten nämlich diese beiden Hauptpersonen im Spiele 
in der Eegel denjenigen Naraen, den sie im bürgerlichen Leben 
führen. Demnach die in dem von mir mitgeteilten Stücke vor- 
kommenden Namen Tosun und Hamdi die Namen derjenigen 
Schauspieler sind, welche die genannten Hauptrollen gaben. 

S. 34. Was die Kleidung (Kostümierung) der in der heu- 
tigen Orta auftretenden Schauspieler anbelangt, kann man von 
keinem gleichmässigen Verfahren reden. Die Kostüme Kavuklu's 
und Peschekjar's sind noch am meisten der alten Überlieferung 
treu geblieben. Nach Hamdi (s. Ikdam, 21. November 1907) ist 
die Kleidung dieser beiden Hauptpersonen, wie es bei seiner 
Truppe gebräuchlich ist, folgende : 

Pesekjarda sarpos : al, mävi, sari, sijah dort dilimli, ve 
pamuklu sivri külah ; kürk : ja mävi cokadan kenari sijah kürk 
ve jähod düz sari üstüne hejaz kara kulak kürk, Bu kürk iki 
parmak kalinliylnda olup jakadan iki eteje kadar disina kahU 
dir; cakslr : kärkünün renginde cokadan; Papus: sari terlik^ 
jemeni gibi ise-de kisa ökceli dir. 

Kavukluda sarpos: dilimli kavuk, ayahani sarili; ^üpe ve 
caksir : kirmizi cokadan ; entari : sam setarisi, hitni, alti par^ 
mak, iplik alaßasi gibi kwmaslardan mämul dur ; kusak : ädi 
sal; ajaflnda: cedik papus , 

S. 34. Ebenfalls nach Hamdi kennen wir auch die Klei- 
dung der alten Zenne, welche in obgenannter Beschreibung fol- 
gendermassen lautet: 

Eski zennelerin kijäfetlerine gelinge : hunlar fes gijerlerdi. 



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bu fesin eträß kjämilen püskül ile kapali olup kirmizisi görünmez ; 
ipin jerine birbuduk meßidi kalinlij'inda ojmali juvarlak bir kjäd 
konur, bunun üzerine-de kenari ojali kandilli jazmasi pecirilir. 
Älin taraßna geUn jere zijnetlerden divanhäne öivisi, pat, kabak 
Öideji, tut küpe gibi mü^evherat takiltr ; arka tarafdan ip ve ja 
seridle ba^a merbut japma bir sad sarkardi. — Feraßeleri öokadan 
ve kenari har^li, iki tarafinda fermeneßi iilemesi kopcali idi. — 
Fera^elerin altina üc etekli, dort parmak kalinliyinda kaiin ha/r^li 
entari gijerler; salvarlari ßanfes idi, ajak kablarina gelinge vak- 
tile simdiki nümerolara bedel kullanilan iki damgali idi, Bu üc 
etejin ikisi önde ve biri arkada olup ön etekler bele sokulurdu. 

Was die Kostüme Peschekjar's und Kavuklu's im Orta- 
Spiele anbelangt, so fasse ich meine diesbezüglichen Ausfüh- 
rungen in Folgendem zusammen : 

Die Kopfbedeckung des Peschekjar: eine rote, blaue, 
gelbe, schwarze viereckige spitze Mütze aus Baumwolle. Der Pelz 
ist entweder aus blauem Stoffe mit schwarzgerändertem Pelze oder 
aber glattgelb und mit weissem Marderpelz überzogen. Dieser 
Pelz ist zwei Finger dick und wird vom Kragen bis zum Band 
von aussen überzogen. Tschakschir ist ein Beinkleid, ähnlich 
dem Schalvar, jedoch bedeutend enger als dieser. Er ist immer 
in der Farbe des Pelzes gehalten. Fussbekleidung: gelbe 
Fantoffel mit kleinem Absatz. 

Das Kostüm des Kavuklu besteht aus einer eckigen grossen 
Mütze» um welche der sogenannte Agabani gewickelt ist. Aga- 
bani ist ein Tuch, welches zum Teile aus Seide, teilweise aber 
aus Wolle erzeugt ist und um den Kopf gewickelt wird. Es wird 
auch noch heute zum Ohrenschutz an kalten Wintertagen um 
den Fes gewickelt. Der Kaftan und die Beinkleider des Ka- 
vuklu sind aus rotem Tuche, unter dem Kaftan (dschübbe) be- 
findet sich der sogenannte entari (eine Art Unterkleid, welches 
auch als Nachthemd benützt wird), welcher entweder aus dem 
ehemals in Syrien erzeugten Stoffe Scham schetarisi, aus Baum- 
wolle oder aus dem wohlbekannten gefärbten alty parmak er- 
zeugt wird. Um den Gürtel hat der Kavuklu den sogenannten 
kuschak, ein gewöhnlicher Shawl. Als Fussbekleidung dient ihm 
der tschedik papusch. Es ist dies der eigentliche türkische Pan- 
toffel aus gelbem Safianleder. Derselbe besitzt jedoch zum unter- 
schiede von der Fussbekleidung Peschekjar's keine Absätze. Er 
wird über den mest (Lederstrumpf, eine Art Stiefel ohne Absatz) 
getragen. 

Was die Frauen {zenne) des Oi'ia-Spieles anbelangt, so haben 
dieselben in früheren Zeiten den Fes getragen. Dieser Fes war 
j.edoch ringsherum derart mit Quasten bedeckt, dass das Bote 
der Mütze nicht sichtbar war. An der Spitze des Fes wurde